Die Kolumne #48 (Juni 2003)

Die übliche Urlaubsfrage: Gen_Italien?

Aufgrund der Hitze ohne viel Umschweife gleich zum Wesentlichen – es gibt diesmal drei Punkte zu klären, aber lies selbst:

1.) Ein gutes Wort: Sympathieoffensive. Gehört in einer News-Sendung, gebraucht vom Kommentator im Zusammenhang mit der Öffnung der zypriotischen Grenzbalken, der nun in beide Richtungen passierbar ist. Ein „Volksgruppenführer“ wolle so die Leute für sich einnehmen, heißt es. Volksgruppenführer: Da muss man gleich an hiesige Verhältnisse denken. Da steckt doch von allem etwas drin: Volkstümlichkeit, Kulturgruppen, Volkspartei, Gruppendruck, Führer!

Stellen wir uns vor, die Gewerkschaft verharrt weiter auf ihrem verständlichen Standpunkt. Wir haben Sommer, und gut gezielte Guerilla-Streiktaktiken führten der Konsumgesellschaft in Windeseile vor Augen, wie weit die Spezialisierung in der Großstadt fortgeschritten ist, etwa wenn bei dreißig Grad der Hausmüll drei Wochen lang im Container vor sich hin rottet – Teile der Tierwelt freuen sich, dem Menschen graut. Nehmen wir also keinen Kompromiss an, und die Regierung wird gesprengt. Der finanzministernde Popstar fühlt sich in seiner neuen Mutterpartei nicht mehr adäquat aufgehoben und gründet die GPÖ, werbend mit dem Slogan: „Karl-Heinz – die Sympathieoffensive des Volksgruppenführers“. Selbstverständlich nur eine der vielen Möglichkeiten, aber eine, mit der man rechnen muss wie Abakus.

2.) Eine Fügung, oder wie andere plädieren, Fuge, der ihr Platz in dem Band „Redewendungen der deutschen Sprache für Eloquente. Sprechen wie die Profis und dabei mit natürlich wirkenden Redewendungen das Gegenüber mit Charme für sich einnehmen“ sicher sein sollte: „Knittelfelder Beschlüsse“. Ein zwanghafter, schmerzlich geborener Einschnitt, der im Nachhinein noch viel Aufregung verursacht. Dann hätte der sympathische Ort mit dem etwas brutalen Namen endlich auch seinen poetischen place on the map neben der sprichwörtlichen Kremser Suppe, dem Villacher Fasching oder der offiziell so gern verschwiegenen Fetischneigung des südlichen Horitschon im Burgenland.

3.) CD-Kopierschutz: Es muss an dieser Stelle einmal klar ausgesprochen werden, um ein altes Missverständnis auszuräumen: Wir von the gap sind klar dagegen, dass Musik in jeglicher Form kopiert wird. Wir wären auch in unserer späten Jugend niemals auf die pubertäre Idee gekommen, Udo-Huber-Sprachfetzen-verseuchte Chartbreaker auf Kassette zu verewigen. Ohne zahllose Rechtewahrungsverträge, Copyright-Gesetze und wirkungsvolle Verfolgung krimineller CD-Weitergaben, speziell auch online, wird es in wenigen Wochen ein kulturelles Schaffen, keinen Fortschritt mehr geben können, sondern nur noch bloße Stagnation. Sollen Menschen etwa aus Spaß Musik machen? Eben.

Wir von the gap, zumindest der Großteil der Redaktion, sind daher wirklich vorbehaltlos gegen das Kopieren von Musik, selbst mit dem Einverständnis des Musikers ist das nicht okay, so viel Konsequenz muss sein. Wo das mal klar gesagt wäre, möchte ich nur eines anmerken: Ich bin froh über die neuen Kopierschutzsysteme, die es unmöglich machen, eine legal erworbene CD auf die Festplatte zu grabben, um sie z. B. auf die Uhr mit eingebautem MP3-Player zu überspielen, wie wir das alle ja täglich tun. Es ist endlich völlig unmöglich, solche CDs zu kopieren. Gott sei Dank!

Da müsste man schon einen Audio-CD-Player mit optischem Digitalausgang mit dem optischen Digitaleingang der Soundkarte verbinden (passende SPDIF-Kabel hat der Fachhandel) und mit entsprechender Software, z. B. WaveLab, digital mitschneiden, wenn die CD läuft. Oder man müsste statt Windows Linux verwenden. Aber das tut bekanntlich niemand, und darum danken wir dafür, dass viele unserer CD-Player die kopiergeschützten CDs nicht mehr abspielen können, denn das ist ein kleiner Nachteil angesichts der vielen Vorteile, die der Kopierschutz dem Konsumenten bringt! Ja genau, zahllose Vorteile, wie z. B. der, dass man mit kopiergeschützten CDs der King auf jeder Kopierschutzparty ist. In diesem Sinne: Zerreibt diese Kolumne und verteilt sie zusammen mit euren ungeschützen, kopierverseuchten Old-School-CDs unter den Armen!

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