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Die Kolumne #49 (August 2003)

23.09.2006, geschrieben von , Keine Kommentare

Tacit, Leser — schon wie­der ein Facit! Oder: “Wie kriegst du Sperma wie­der aus Nylonstrümpfen raus?“

Zwei Themen, die ange­schnitt­ten wer­den müs­sen: die World Rülps Foundation, Flash Mobs, das Dilemma der SPÖ, Trunksucht unter Jugendlichen. Die auf­ge­zähl­ten mögen wir­ken wie vier Themen, allein, wir fas­sen aus Platzgründen jeweils zwei und zwei zusam­men und ver­dich­ten sie dann alle in einer . Wie ein 4-in-2-in-1-Auspuff, zu fin­den an so man­chem Motorrad. So einer, den Tuningfreaks gern gegen sport­li­chere Teile — “Host scho mein neichn Reh-Mus-Sportauspuff gsegn?” — austauschen. Kein Wunder, dass da bei einem even­tu­el­len Zusammenstoß von einem Wildtier nur Brei über­bleibt. Ähnlich ver­hält es sich mit die­ser : In freier Wildbahn bliebe bei einem Zusammenstoß mit einem Leser bloß ein Mus übrig. Hier dage­gen, in den pro­porz­ge­schütz­ten Werkstätten, die­ser “Trutzburg bol­sche­wis­ti­scher Umtriebe”, wie gemä­ßigte Teile der ÖVP unsere Redaktion immer gerne kose­n­a­mie­ren, gedeiht sie präch­tig. Daher an die­ser Stelle für dich, Leser, auch bloß die Papierversion die­ser , denn das Multimediazeitalter mögen andere ein­lei­ten! Und los geht’s.

Die World Rülps Foundation wirbt auf ihrer noch zu pro­gram­mie­ren­den Website dafür, dass als Zeichen inter­na­tio­na­ler Völkerverständigung die jewei­lige Bezeichnung für “Rülpser, rülp­sen” in der betref­fen­den Sprache stets durch einen tat­säch­li­chen Rülpser ersetzt wird. Die Philosophie jubelt (“Weg von den arti­fi­zi­el­len Codes und wie­der näher an das Eigentliche”), die Theologie dis­ku­tiert (“Wieviele Rüpel pas­sen auf die Spitze eines 12er Stifts?”), und die pro­fes­sio­nel­len Adabeis fürch­ten um die Wahrung gesell­schaft­li­cher Standards. Ich dage­gen unter­stütze diese von mir erdachte Petition, ist sie doch nichts wei­ter als die logi­sche Reaktion des generv­ten Pöbels auf die Schizophrenie unse­rer Gesellschaft: Da wer­den einer/einem wäh­rend der wär­me­ren Tage lau­fend Sprudelwässer ein­ge­gos­sen (Römer-Cola-Quelle, Bierchen, Champagner, mous­sie­rende Trüffelsüppchen …), und dann heißt’s: zum Rülpsen in den Erbsenbeinturm — so nicht, nicht mit mir!

Ganz anders gela­gert wie­derum die Probleme der SPÖ: Wie ein Flash Mob erschei­nen die­ser Tage die Sozialisten. Ab und an tau­chen ein paar irgendwo auf, gehen einer kur­zen Weile lang irgend­ei­ner Anweisung fol­gend sinn­lo­sen Tätigkeiten nach und zer­streuen sich dann wie­der. Dabei sind cha­ris­ma­ti­sche Leitfiguren samt ihren Webseiten gänz­lich out, den­noch ver­zeich­net die SJ selbst in the face of adversary wenig Zulauf. Daran kann nur der Alkoholismus unter Jugendlichen schuld sein!

Wirklich nach­denk­lich aller­dings machen den auf­ge­klär­ten Konsumenten Produktqualitätssegmente, am Beispiel Billa etwa: Zum Beispiel wer­den “bio­lo­gi­sche” (sic!) Gemüse ohne beson­ders schäd­li­che Dünger, Spritzmittel etc. auf­ge­zo­gen, die Käsesorten ent­hal­ten nur Käse, bei der Wurst spart ihr Erschaffer mit Natriumnitrit und –trat und so wei­ter. Was sagt uns das über die “nor­ma­len” Produkte? Dass die sowieso alle völ­lig che­mie­ver­seucht sind, weil man sonst für nicht extra-schädliche Produkte ja kei­nen Aufpreis bezah­len müsste? Und was erst ler­nen wir dar­aus über sämt­li­che Billigpreislinien? Clever? Ja natür­lich, alles nur ! Denn zumin­dest einen Bauernhof, von dem laut Aufdruck meine stei­ri­schen Bio-Eier stam­men soll­ten, gibt es nach­weis­lich seit eini­gen Jahren nicht mehr.

Da ver­hält es sich so ähnlich wie bei den Bialetti-Aluminium-Espressokochern, wo der Beipackzettel dar­über infor­miert, dass die­ses Geschirr aus spei­se­freund­li­chem, ergo nicht spe­zi­ell gif­ti­gem Alu her­ge­stellt ist. Immer gut zu wis­sen, so was.

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