Die Kolumne #52 (Jänner 2004)

Diesmal: Einer kehrt ins All zurück

George Bush will wieder auf den Mond fliegen, erzähle ich aufgeregt Tante Brigitte, die das aber wie alle anderen sowieso schon weiß. Wenn das nicht Stoff hergäbe für eine Kolumne, dann weiß ich aber auch nicht – gerade nun, da die Diskussion, ob die Mondlandung am Erdtrabanten oder im teuersten Filmstudio aller Zeiten, loziert oder besser disloziert irgendwo in der amerikanischen Wüste, stattgefunden habe, dank zahlreicher Fernsehdokus an neuer Brisanz gewonnen hat, müssen sich die Amerikaner ihre Flagge wieder herunterholen und am Mond einen Ständer bauen, damit von dort aus der Mars besiedelt werden kann.
Weil aber enden sollende Schachtelsätze dabei noch zu den geringsten Gefahren zählen, denen die Spacecowboys ausgesetzt sein könnten, sorgen sich im deutschen Privatfernsehen bereits Profiseelenklempner um die mögliche geistige Gesundheit futuristischer Neil Armstrongs – sollen die ihren geschäftlich-analytischen Blick doch lieber mal auf den Führer der USA werfen!

Nämlich gar nicht ganz nebensächlich: die Finanzierungsfrage. In grenzenlosem Optimismus die 16,45 Fantastilliarden US-Dollar einzutreiben, wird schon einige Kreativität erfordern. Doch zum Glück bietet sich ein gewisser Gouvernator quasi unmittelbar als symbolischer Leiter und faktischer Berater der Marsmission an, denn wer sonst hat die Totale Erinnerung an Urlaube auf dem roten Planeten, wenn nicht Arnold? Wenn die Regierung also bereits Lizenzen für Shopping-Malls und Erlebniskinos am Mars verkauft, bleibt nur zu hoffen, dass die Rebellen unter Kuato der freien westlichen Welt keinen Strich durch die Rechnung machen.

Sollten indes die Lizenzerlöse den Raketenbau nicht decken, bitteschön, auch ich habe in meiner Jugend vielerlei Science-Fiction-Romane gelesen, und da der Mars zweifellos unschätzbare Bodenschätze und außerdem außerirdische Artefakte birgt, darf man die klassische Volkswirtschaftslehre nicht so eng sehen. Einfach per Gesetzesbeschluss eine Parallelwährung einführen (den „Doller“), welchen die NASA (und nur die, sowie Fälscher) selbst drucken darf, und diese dem Dollar rechtlich gleichstellen. Später können die Dollers günstig gegen Mars-Bodenschätze rückgetauscht werden. Börsenhoffnungen setzen doch auf Zukunftsmärkte, das zeigte die New Economy und zeigen geklonte Affen mit vier Ärschen auch weiterhin deutlich.

Mehr Sorgen als die Finanzierung bereitet die Frage der Rückkehr vom Mars: So soll nämlich auf dem Mond eine Abschussrampe für die Mission to Mars errichtet werden, auf dass die betreffende Rakete nicht erst die lästige Anziehungskraft der Erde überwinden müsse und darob eine realistische Menge an Treibstoff mit sich führen kann, anstatt, sagen wir mal, hundert Milliarden Tonnen bei einem Start auf der Erde.
Nun frage ich mich aber: Wenn die planetare Anziehung ein solches Problem darstellt, wie zum Geier soll die Crew vom Mars dann wieder zurückkehren? Vielleicht indem sie zuerst eine Abschussbasis zur Erde auf einem Marsmond errichtet? Der Leser sieht also: Georgie-Boy verleiht dem alten Griff nach den Sternen neue Brisanz – höchste Zeit, und Inspiration für diese Kolumne gleichwohl wie hoffentlich für Monochrom.

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