Die Kolumne #56 (September 2004)

Gehet in Frieden, doch befriedigt euch nicht im Gehen. Oder: Das Darniederregnen – eine seltene Form von Doppelunnützigkeit.

Proporz – nicht ausschließlich ein schönes Wort, sondern zugleich auch das Prinzip, dem folgend redaktionsintern die begehrteren Jobs vergeben werden, etwa Akkreditierungen für die Schafwollmesse in Scheibbs: es fahren immer ein Gitarrenfan, ein Elektroniker und ein computerspielrezensierender Redakteur. Und selbstverständlich Tante Brigitte, die bringt ja die belegten Brötchen mit.

Viel mehr gibt das Sommerloch nicht her: selbst alteingesessene und seriöse Medien berichten über Widerstände gegen die Rechtschreibreform. Gämsn, sag ich da nur. Frei assoziierendes Denken, dahinfloatende Gedankenburgen, wartend aufs Darniederregnen auf die versammelten Gäste. Resignation ob stagnierender Hitze oder Wehklagen über ausbleiben derselben. „Instead of using finger to demonstrate how finger is no finger, us no finger to demonstrate how finger is no finger,“ schreibt Chuang Tzu in den „Inner Chapters“, und das ist der bei weitem beste Ratschlag, den ich seit langem gehört habe. Darum gebe ich ihn auch gerne und freimütig an euch, dürstende LeserInnen, weiter.

Die letzte Frage: Hat der Mensch einen freien Willen?

Man weiß es nicht genau. Hätte er keinen, könnte er ja auch nicht entscheiden, ob er’s weiß, und falls er doch einen hätte, könnte er frei entscheiden, ob er einen hat oder nicht. Nenne es freier Wille und Boom, there it goes. Now meditate this!

ACHTUNG, SEHR WICHTIG: Polylux heißt eine lustige, offensichtlich wenig Recherche-Aufwand verlangende Sendung im Berlin-Brandenburger Rundfunk. Neulich berichtete das Magazin über den Trend der Körperkonservierung durch Minusgrade – ein entsprechendes Kryonik-Zentrum soll in Merseburg errichtet werden. Ein Protagonist der Anlage droppte dazu jenen denkwürdigen Satz: „Immer dasselbe Problem in Deutschland – zuerst findet in den anderen Ländern ein Vorreiten statt.“

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