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Die Kolumne #68 (erschienen Mai 2006)

Die Kolumne
Verlegt Freud freudig mit dem Schwanze wedelnd die Kommune?

Auf 3.000 Zeichen sollen wir die Kolumne jetzt schreiben, sagt er, der Martin Mühl. Wieviel sind 3.000 Zeichen? Eine gute Frage, aber zum Glück gibt es ja das Internet. Der erste Treffer bzw. die ÖH liefern mit bereits die Antwort: „maximaler Umfang: 3.000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) Abgabe: zwischen 27.6.2005 und 30.11.2005 im Sekretariat für Internationale Entwicklung.“
Aha. Wo aber ist das „Sekretariat für Internationale Entwicklung“? Dem Welthunger nach zu urteilen kann es nicht leicht zu finden sein, also fragen wir „Google Maps Deutschland“, das zuerst keine Treffer ausspuckt. Doch ein Klick auf „Unternehmen suchen, die mit Sekretariat für Internationale Entwicklung nahe dieser Karte übereinstimmen“ macht mich klüger und lässt vermuten, dass ich mich wie weiland Indiana Jones zu einer Steuerberatungskanzlei nach Schweinfurt begeben muss.

Aight, Georeferenzierung geschafft! In die (der? Wir wissen so wenig über Zeitreisen!) Zeit zurück nach November 2005 zu reisen wird da wohl der leichtere Teil gewesen sein, sonst könntest du, werter, dies nicht lesen und das Universum wäre längst in sich kollabiert wie die Psychoanalyse.
Freud ist viel zu teuer der Sack oder „Bei mir wirkt das ganz anders“

Ach was haben Brigitte und ich uns gestritten – kaum eine heiße Liebesnacht, die nicht spätestens nach dem dritten Koitieren von hitzigen Diskussion unterbrochen wurde: ich, als Apologet der eigenen Schuldlosigkeit, quasi als Opferlamm meiner beiden sich gegen mich verschworen habenden Überich+Es (nota bene: den ersten Sohn nicht Erich, sondern Überich nennen !) tat alles, um den weißbärtigen Spitzfinder zu verteidigen, der mir über die Jahre so brilliant dabei geholfen hat, mich selbst nicht zu verstehen, während Tantchen sofort ihre sanfte Zufriedenheit abwarf wie einen zu engen Gummimantel. Ich hätte Freud nicht verstanden, vermutlich nicht einmal gelesen und so weiter. All dies fällt mir nicht etwa wegen des Freudjahres wieder ein, sondern aufgrund des Fendrichs Entziehungskur: sagen doch alle Experten, wie lebensunfähig der permanente Dauergebrauch des weißen Pulvers eigentlich macht, und alle Nahestehenden, wie sehr sie das doch eigentlich hätten bemerken müssen über all die Jahre. Freud muss da ganz anders gewesen sein: dem hat sein jahrelanger Kokainkonsum gar nicht geschadet, sonst hätte er ja ziemlich tendenziöse, selbstbezogene, um nicht zu sagen, krude Theorien gebastelt, oder?

Billiges Klingeln allenthalben

Klingelstöhne! Das schafft’s in den Duden als Reaktion rechter Landsmannschaften auf Tarkan-Ringtones oder von Arenabesetzern auf altes (die sagen ja, sie sind jetzt nicht rechts) bözez Onkelz Geläute.

ACHTUNG, SEHR WICHTIG im Kontext der FUSSBALLWELTMEISTERSCHAFT: Polylux heißt eine lustige, offensichtlich wenig Recherche-Aufwand verlangende Sendung im Berlin-Brandenburger Rundfunk. Neulich berichtete das Magazin über den Trend der Körperkonservierung durch Minusgrade – ein entsprechendes Kryonik-Zentrum soll in Merseburg errichtet werden. Ein Protagonist der Anlage droppte dazu jenen denkwürdigen Satz: „Immer dasselbe Problem in Deutschland – zuerst findet in den anderen Ländern ein Vorreiten statt.

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