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Filmkritik: Ali G Indahouse

06.09.2006, geschrieben von , Keine Kommentare

erschie­nen in:

: Indahouse

Um ihnen den Weg aus dem bri­ti­schen ‘Ghetto’ Staines zu ebnen, küm­mert sich Ali G im örtli­chen Freizeitzentrum um eine Gruppe Pfadfinder. Als das Zentrum geschlos­sen wer­den soll, beginnt er einen flam­men­den Protestzug, der ihm schließ­lich sogar die Aufmerksamkeit des Kanzlers ein­bringt: die­ser bie­tet Ali einen Sitz im eng­li­schen Oberhaus an, aller­dings nur, um durch das töl­pel­hafte Benehmen sei­nes Opfers den Premierminister unmög­lich zu machen.
Den Rest der Geschichte ken­nen wir in zahl­lo­sen Variationen: der schein­bare Spinner arbei­tet sich rasch in der Gunst des Publikums — in die­sem Fall der Wähler — hoch, das Jugendzentrum über­lebt und der böse Kanzler muss letzt­end­lich abdanken.

Obwohl Zuckerwatte mehr Konsistenz auf­weist als die­ser Plot, kann man dem Protagonisten kaum böse sein. Denn wer sich bei „Indahouse” gro­ßes Kino und hand­werk­li­chen Anspruch erhofft, wird defi­ni­tiv ent­täuscht, wer jedoch ledig­lich Klamauk und Witze aus der unters­ten Schublade erwar­tet, könnte durch­aus posi­tiv über­rascht wer­den — die Kunstfigur Ali G böte ja eigent­lich uner­war­tet viel Projektionsfläche für ätzend böse for­mu­lierte Gesellschaftskritik.

Denn Ali G ist viel weni­ger Person als Kulminationspunkt von all­ge­mei­ner Ignoranz und pop­kul­tu­rel­len Codes: zu kaum einem Zeitpunkt zeigt der Fernsehkomiker, der in Großbritannien etwa so beliebt ist wie hier­zu­lande Erkan und Stefan, so etwas wie Facetten des eige­nen Charakters. Stets sind die Aussagen und Handlungsmuster von Ali G ent­lie­hen aus dem wei­ten Fundus maß­los über­trie­be­ner Hip Hop Gestik. Komisch wirkt das ganze nicht in ers­ter Linie durch die Über­trei­bung, son­dern die heil­lose Dekontextualisierung. Gewiss ist die Kombination von idiotisch-übersteigertem Benehmen und gleich­zei­ti­ger unüber­trof­fe­ner Selbstsicherheit keine neue sati­ri­sche Strategie, doch ist Ali G Pop-Komiker im sel­ben Sinne wie Stuckrad-Barre Pop-Literat: er zer­legt und seziert sei­nen Referenzrahmen stets anhand von Grenzfällen. In inhä­ren­ter Selbstwidersprüchlichkeit fin­det er sein Leitmotiv, sam­pelnd und remi­xend pro­ji­ziert er die belie­big zusam­men­ge­tra­ge­nen Facetten sei­nes Daseins mit gleich­mü­ti­ger Naivität auf die ihn umge­bende Welt und macht sie so zu sei­nem per­sön­li­chen Hip Hop Musikvideo. Nur wo die Selbstsicherheit bricht, etwa im „Endkampf” mit dem Kanzler, als der Wannabe-Rudeboy nicht ein­mal zu ver­such­ter Selbstverteidigung fähig ist, tritt der selbst­kri­ti­sche Spott sym­pa­thisch in den Vordergrund. So kann sich der Zuseher aus­su­chen, ob das Ergebnis der hier exem­pla­risch vor­ge­führ­ten Sozialisierung huma­nis­ti­sche Wertekritik sein wol­len könnte oder sich über diese gleich mit lus­tig macht.

Trotzdem bleibt die hane­bü­chene Story die größte Schwachstelle des Films, da sie in der visu­el­len Dimension und im Agieren der übri­gen Darsteller anders als etwa bei Zoolander kei­ner­lei Entsprechung zu fin­det. Das führt dazu, dass „Indahouse” seine bes­ten und wit­zigs­ten Momente dann hat, wenn die reine Zentrierung auf das situa­tiv fal­sche Agieren des Hauptdarstellers den Nährboden sei­ner Komik bil­det und im übri­gen trotz vor­han­de­ner guter Ansätze stark in Trash-Nähe abrutscht. Aber ist wohl auch im Sinne des Erfinders.

Credits:
Regie: Mark Mylod
Buch: Sacha Baron Cohen / Dan Mazer

Cast:
Sacha Baron Cohen — Ali G/Borat
Michael Gambon — Prime Minister
Charles Dance — David Carlton
Kellie Bright — Me Julie
Martin Freeman — Ricky C
Rhona Mitra — Kate Hedges

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