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Blogistan-Rückblick KW44

Für diese Jahreszeit kletterte die Quecksilbersäule die letzten Tage ungewöhnlich hoch. Über 20 Grad Ende Oktober – wer denkt da nicht an Klimawandel? A propos: wider die vorherrschende Meinung lassen sich Rechenknechte auch bei sehr hohen Temperaturen betreiben. Wir sprechen hier allerdings nicht von der Workstation im semi-ariden Wüstengebiet, sondern von richtig vielen Celsius mitten in der Fritteuse: Deep Fry Computer Cooling.

Wenn in Graz ein Baum umfällt, und niemand hat’s gebloggt, liegt der Baum dann überhaupt am Jakominiplatz? Diese Frage wird ab sofort obsolet, denn die steirische Landeshauptstadt hat ab jetzt auch ein Metroblog. Ob Second Life Bewohner auch bald mit dem Stadt-Blogging beginnen? Steve Rubel hat jedenfalls einige impressive Zahlen zum rasanten Wachstum der digitalen 3D-Online-Welt. Über deren virtuelle Kriminalitätsstatistik ist noch nichts bekannt, gibt In der realen Welt zumindest ist nicht einmal ein Feuerwehrauto sicher, wie der Rettungstrupp-Blogger berichtet.

Synergien geschaffen werden in der Schweiz, wo swissblogpress [Update 2010/11: Server nicht mehr online] gerade beginnt, die gemeinsamen Interessen bekannter Blogger zu vertreten. Das kommt gut an und sollte vielleicht auch für At-Land ein Vorbild sein:

Swissblogpress (sbp) ist ein Netzwerk von etablierten und unabhängigen Blogs. Alle Blogs publizieren regelmässig Beiträge zu einem bestimmten Themengebiet (z.B. Gesellschaft, Wirtschaft, Politik, Kultur, traditionelle und neue Medien etc.). Das als Verein organisierte Netzwerk unterstützt seine Mitglieder in technischen Belangen, Rechtsfragen, Vermarktung, etc. Swissblogpress fördert die publizistische Qualität und damit auch die Glaubwürdigkeit von Blogs. Ein wichtiges Ziel von sbp ist die Steigerung der öffentlichen Aufmerksamkeit für Blogs. Dazu wirkt sbp als Anlaufstelle für alle Belange rund ums Bloggen in der Schweiz.

Auf wenig Gegenliebe in der Blogosphere stößt dagegen der Blogjungle – wer arbeitet schon gern unbezahlt für andere? Oder schaut so vielleicht das Web 2.0 Businessmodell der Zukunft aus?

Sicherheitsguru Bruce Schneier versorgt die Community seit Jahren mit High-Level Infos zum Thema (Daten)Sicherheit – per Newsletter und regem Blogging. In dieser Woche Woche brachte er einen lang geplanten Deal unter Dach und Fach und verkaufte seine Firma „Counterpane Security“ an die British Telecom. Neben zahlreichen Congratulations gibt’s bei den Kommentaren einen fiktiven Dialog, den Bruce selbst als „Best Blog Comment ever“ bezeichnete. Geek-Humorfaktor: hoch!

CEO: He’s [Bruce Schneier] after my elevator too, isn’t he?
FLUNKY: Well, he says it’s bad security to create a privileged low-security
channel for a lucky few.
CEO: He isn’t a socialist, is he?
FLUNKY: He’s a very wealthy one if he is.

So weit hergeholt ist das Thema „gravierende Sicherheitslücken“ jedenfalls nicht: Mit dem NWA Boarding Pass Generator kann man ohne weiteres falsche Boarding-Pässe für besagte Airline erstellen – ein faszinierende Lücke aus der Rubrik „Sinn und Unsinn der Flughafensicherung“. Er erspart zwar nicht das Flugticket, ermöglicht aber ein Upgrade und ein relativ einfaches Passieren der Passagierkontrolle. So sieht das dann aus, wenn der Böse Terrorist fliegt:

Fake Boarding Pass

EDIT: Der Programmierer des Boarding-Pass Generators hat bereits Schwierigkeiten mit dem FBI – sein Rechner wurde beschlagnahmt. [via Lummerland]

Außerdem wäre da noch das Thema „Expired Domains“ – denn wenn eine Domain ausläuft und ein Dritter sie kauft, kann er problemlos via catch-all sämtliche E-Mails mitlesen… also gut aufs Ablaufdatum achten! Denn da tun sich ganz neue Formen der Industriespionage auf.

Doch nun zu Erfreulicherem: Thorsten Ulme berichtet im Bloglevel 21 über den Stuttgarter Webmontag Nr. 3, wo neben anderne Vortragenden Prof. Rafael Capurro (Professor an der HDM) über Hermeneutik und Semantik sprach und generell Wissen und Updates aus der Blogosphere ausgetauscht wurde. WP als CMS wird auch bei Musikern beliebt – die deutsche Band Tomte verwenden WordPress als neue CMS-Software für ihre Homepage, berichtet das deutschsprachige WordPress Blog. Thorsten Bentrup, der deutsche Taxiblogger, durfte diese Woche seinen 500.000sten Besucher begrüßen. Ich gratuliere, nenne das ganz im publizistikwissenschaftlichen Slang „neue Formen der Öffentlichkeit“ und darf mich ebenfalls freuen über die datenschmutz Blog-Review auf the gap – danke Werner!

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