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CD-Review: Stereotyp — My Sound

27.10.2006, geschrieben von , 1 Kommentar

Weil die­ser Tage Stereotyps zwei­tes Album “Keepin’ me” erscheint, hier der Reprint mei­nes Artikels über Stefans Debutalbum “My Sound”. (erschie­nen 2004 in ).

 

: Clubmusic 3.0

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“My Sound” von Stereotyp aka Stefan Moerth ver­bin­det Dancehall, Drum’n’Base, Soul und Funk zu einem Fusion-Sound, der viel­leicht nicht den ein­zi­gen Weg in die Clubkultur des 3. Jahrtausends weist — aber den weit­aus sym­pa­thischs­ten.


„My Sound” ist kein muti­ges Album, son­dern ein über­zeug­tes. Denn zu Mut gehört Kalkulation, aber Stereotyps Tunes sind erfri­schend unkal­ku­liert und zei­gen in all ihrer melo­di­schen und rhyth­mi­schen Radikalität, aus wel­chem Potential die Ära der Post-Elektronik-Faszination schöp­fen kann — und wenn sich ein Künstler so der­ma­ßen locker über Genregrenzen hin­weg­setzt wie Stefan Moerth, ist der Musikjournalist geneigt, bio­gra­fi­sche Evidenzen zu fin­den. „Ich habe sechs Jahre in New York gelebt und war dort mit einer Frau ver­hei­ra­tet, die mich immer in die Dancehalls mit­ge­nom­men hat. Erst mal war ich völ­lig fas­zi­niert von die­ser ganz ande­ren Art von Clubkultur, die mir aus Europa voll­stän­dig unbe­kannt war.” Sein Gespür für urba­nen Sounds, für die Schnittstellen von kari­bi­schen Rhythmen, hei­ßen, ver­schwitz­ten Clubs, Funk-Parts und Breakbeats muss Stereotyp wohl in die­ser Zeit ent­wi­ckelt haben. Was „My Sound” aller­dings bis­lang allein auf wei­ter Flur daste­hen lässt, ist die so noch nie zuvor gehörte Synergie von kraft­vol­lem, rohen Sound in Kombination mit der –typi­schen, unglaub­lich aus­ge­feil­ten und bis ins letzte Detail per­fek­tio­nier­ten Produktion. Die frei­lich resul­tiert nicht allein aus genauem Hinhören.

Der Auslöser

Irgendwann geht’s aus den USA dann zurück nach Öster­reich. „Ich hatte mich in New York mit ver­schie­dens­ten Jobs durch­ge­schla­gen, und als ich zurück­kam, wusste ich erst mal nicht, was ich jetzt wirk­lich machen wollte.” An die­sem Punkt kom­men Kruder und Dorfmeister ins Spiel, die Stereotyp in Sachen elek­tro­ni­sche Musik nicht nur auf den Geschmack brin­gen, son­dern die Expedition ins Herz die­ser neuen Welt auch gleich in sein Wohnzimmer ver­le­gen. Denn beide beschlos­sen, ihre getrenn­ten Studios für einen Sommer lang in der Moerth’schen Residenz zusam­men­zu­füh­ren und dort gemein­sam zu pro­du­zie­ren. Bomb da Bass waren in Wien, g-stone in Aufbruchsstimmung und Stefan dürfte sein Domizil in die­sen Monaten nur sel­ten ver­las­sen haben, denn als der Herbst ins Land zog, war plötz­lich klar, wohin die Reise gehen sollte: „Für mein ers­tes Studio hab ich einen Kredit auf­ge­nom­men. Da stan­den dann pötz­lich ein Akai, ein Nordlead und ein MP bei mir herum.” Resultat: die erste Single „Stash It”.

Klingt ver­gleichs­weise ein­fach — doch stellt sich dem ver­sier­ten Hörer die Frage: wie lernt man so schnell in der­ar­ti­ger Perfektion mit sei­nen Werkzeugen umzu­ge­hen? „Niemand hat mir etwas vor­ent­hal­ten. Peter, Richard, Rodney Hunter, Megablast haben mir alle Fragen beant­wor­tet und mir auch spä­ter noch vie­les gezeigt. Denn erst wenn das Gerät zum Instrument wird, beginnt das Musikmachen. Ich prak­ti­ziere das selbst und gebe mein Wissen gerne weiter.”

Zwischen „Stash It” und „My Sound” liegt eine weite Entwicklung. „Für mich per­sön­lich hat sich das sehr zäh ange­fühlt — die Hörer krie­gen ja nur die Eckpunkte in Form von Releases mit.” Besagte Releases zäh­len inklu­sive aller Singles, Compilation-Beiträge und Remixes an die 50. Natürlich stand irgend­wann schließ­lich die Idee im Raum, ein Album auf­zu­neh­men. Enter: „My Music.”

Stereo, said you one dangerous!

Meistens beginnt ein Track mit der Idee für die Beats, dann kommt die Bassline dazu. Auch Sounds und Samples ver­än­dern vie­les an den Beats. Meine Strategie ist es ver­sa­tile zu blei­ben und mir viel Zeit für Experimentalphasen zu neh­men. Ich ver­su­che per­ma­nent, meine Vorgangsweise zu ändern, was oft in Sackgassen führt.” Oder zu gran­dio­sen Tunes, die auf „My Sound” von kon­ge­nia­len Vocalists ver­edelt wer­den: Tikiman auf dem unglaub­lich schmei­cheln­den und wei­chen “Fling Style”, Cesar über den auf­ge­weck­ten und phra­sier­ten Beats von “Don’t Funk with me”, Collage mit sei­nem rauen Dancehall-Toasting “All di girl come” oder MC Trigger auf dem Bassboxen-Killertune “Trigger Culture” — jeder ein­zelne Track des Albums glüht vor Innovation und mas­si­vem Sound, zieht den Hörer immer tie­fer in sei­nen Bann. Wicked, mas­sive, deluxe — was auf der einen Seite fas­zie­ren­des Album ist, steht im grö­ße­ren Kontext zugleich als Blueprint und Wegweiser für gekonnt anti­dog­ma­ti­schen Clubsound der Zukunft. “My Sound” funk­tio­niert auf so erstaun­lich vie­len mit­ein­an­der ver­wo­be­nen Ebenen, dass es schwer­fällt, bei der Beschreibung nicht in den per­ma­nen­ten Superlativ-Modus zu schalten.

Dass “My Sound” jeden Plattenladenbesitzer beim Einordnen in eine bestimmte Sparte vor ein unlös­ba­res Dilemma stel­len dürfte, lässt sich wohl nicht ver­mei­den. Aber da kön­nen wir uns Stereotyps Worten nur anschlie­ßen: “Jemand, der drauf ist wie ich, wird mein Album ver­ste­hen. In jeder Richtung exis­tie­ren fas­zi­nie­rende Tunes — warum sollte ich mich auf eine beschrän­ken?” File under: Clubsound 3.0

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