Filmkritik: Das weiße Rauschen

„White Noise“ kam 2005 in die Kinos, diese Review erschien im Ray Kinomagazin vor circa 2 Jahren.

Der plötzliche Tod seiner Frau wirft einen Architekten aus Bahn seines idyllischen Lebens. Doch mittels EVP (Electronic Voise Phenomena) tritt die Verstorbene mit ihrem Mann in Kontakt.

Ein Sammelsurium aus Monitoren und Audio Recording Equipment wird zur Pforte ins Jenseits: von einem kauzigen Einzelgänger mit unwiderlegbaren Beweisen für versuchte Kontaktaufnahmen aus dem Jenseits konfrontiert, verbringt Michael Keaton seine Zeit fortan obsessiv mit der Aufzeichnung undeutlicher Botschaften. Dabei lernt er Gleichgesinnte kennen und muss schließlich auf drastische Weise erfahren, dass auch übel meinende Geister ins Mikro sprechen, Missverständnisse nicht nur in der zwischenmenschlichen Kommunikation vorprogrammiert sind und der Unfall seiner Frau gar kein Unfall war.

„Das weiße Rauschen“ reiht sich in die Tradition jener Suspense-Thriller ein, die sich mit der dunklen Seite esoterischer Mainstream-Rituale befassen. Regisseur Geoffrey Say lockt die bösen Geister freilich nicht mit Hilfe von Tischerlrücken oder Pentagramm an – hier manifestiert sich die Bedrohung via Harddiscrecorder, Audio Editing Software und Flatscreen. Tatsächlich gehört das Eletronic Voice Phenomeno in Amerika zu den esoterischen Volkssportarten. In groben Umrissen erklärt, besteht die Vorgehensweise darin, genug Audio-Elektronik zusammenzuschließen, bis ein ordentliches Rauschen entsteht – aus diesem versucht der EVP Adept dann seine Botschaften herauszufiltern. Genug Potential für Kurioses, denn die Erfahrung lehrt, dass man meistens etwas findet, wenn zwar sucht, aber nicht genau weiß, wonach. Aber die filmische Umsetzung dieses Trends zur Zweitverwertung von lästigem Elektronikschrott verpasst die Chance, in geeigneten Moment das Gefühl einer bösen Satire auf den digitalen Lifestyle aufkommen zu lassen.

Statt dessen wird der streckenweise langatmige Plot die Kinobesucher in zwei ungleiche Lager spalten: ein kleines, das nicht nur von EVP gehört hat, sondern durchaus bereit ist, an derartige Möglichkeiten technische gestützter Kontaktaufnahme aus dem Jenseits zu glauben – und ein großes, das Ferngespräche mit Toten per Philips- und Sony-Hitech Equipment strikt ins Reich des blühenden Humbugs verweist. Zu reißerisch für eine Doku, zu lahm für einen spannenden Mystery-Thriller, ideal geeignet dagegen für ausgiebiges Product-Placement.

Credits:
Originaltitel: White Noise
Regie: Geoffrey Say
Produktion: Paul Brooks
Kamera: Chris Seager
Schnitt: Nick Arthurs
Musik: Claude Foisy
Drehbuch: Niall Johnson
Darsteller: Michael Keaton, Chandra West, Deborah Kara Unger, Ian McNeice, Sarah Strange, Nicholas Elia, Mike Dopud, Marsh Regis u.a.
Homepage: whitenoisemovie.com

2 comments
Klimpa
Klimpa

wollte dem oben geschriebenen nur ein paar kleinigkeiten beifügen ^^ die storry war in meinen augen etwas zu "sauber" und das ende hat mir den ganzen film versaut die durhgehende kleine aber feine gänsehaut löste sich im finale komplett auf. ein sehr sehr netter film wenn man nicht zu lange über schauspieler und szene settings nachdenkt^^

ritchie
ritchie

"Zu sauber" trifft's recht gut!