FilmKritik: Unterworld – Evolution

Regie: Len Wiseman Kamera: Simon Duggan Drehbuch: Danny McBride, Len Wiseman Schnitt: Nicolas de Toth Musik: Marco Beltrami Produktion: Davit Coatsworth, Kevin Greviux, Gary Lucchesi, Tom Rosenberg u.a. Darsteller: Kate Beckinsdale (Selene), Scott Speedman (Michael Corvin), Tony Curran (Marcus), Derek Jacobi (Corvinus), Bill Nighy (Viktor), Steven Mackintosh (Tanis) u.a. Verleih: Sony Pictures
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erschienen im Ray Kinomagazin 2006

Wenn zwei sich auf der Leinwand streiten, dann freut sich der Kinobesucher nicht unbedingt – vor allem dann, nicht wenn die Klopperei außer einer dekorativen Hauptdarstellerin in engem Latex wenig zu bieten hat.

Das Sequel zu „Underworld“ führt die Geschichte des Kampfes zwischen Vampiren und Werwölfen nahtlos dort fort, wo der erste Teil aufhörte: Vampirin Selene und Wer-Vampir Michael befinden sich auf der Flucht vor durstigen, unangenehmen Zeitgenossen mit spitzen Eckzähnen. Der Oberblutsauger Marcus Corvinus will seinen Bruder, den mächtigsten aller Werwölfe, aus dessen mehrhundertjährigem Gefängnisaufenthalt befreien – zwar sollte, so will es der Mythos, der Vampir den Lycanthrop nicht ausstehen können, doch Familienbande sind letztlich doch dicker als Blut. Dass Selene den Schlüssel zu eben jenem Gefängnis um den Hals trägt, macht die flüchtig-abtrünnige Vampirella zum primären Ziel des geflügelten Dracula-Verschnitts.

Zwar warnen Fans im Internet davor, dass man unbedingt den ersten Teil gesehen haben müssen, um überhaupt zu verstehen, was denn da Bedeutungsschwangeres vor sich geht. Dem soll vehement widersprochen werden: zu dünn ist die Handlung, als dass sie Spielraum für elaborierte Missverständnisse überhaupt zuließe. Die gelungene Eröffnungssequenz mit ihrer Wie-alles-begann-Rückblende ins Mittelalter weckt anfänglich die Hoffnung auf Spannung und Komplextit – zu unrecht. Im direkten Vergleich mit einer gelungenen Inszenierung des guten alten Blutsaugertopos wirkt „Evolution“ wie der teure Hardcore-Porno neben dem gelungenen Erotikthriller. Die weiblichen Protagonisten dürfen ihre Fetischkleidung zwar anbehalten, körperliche Betätigung vor exotischen und liebevoll-detailliert ausgestatteten Schauplätzen zieht sich trotzdem wie ein roter Faden durch den Großteils des Films. Zwar sind die zwischenmenschlichen Auseinandersetzungen hier nicht sexueller, sondern durchwegs kämpferischer Natur. Vor extensiver Gewaltanwendung schreckt dabei kein Akteur zurück, doch selbst ein wohlmeinender Action-Fan wird sich nach der dritten Wiederholung derselben Aufspieß-Szene gelangweilt, um nicht zu sagen übersättigt fühlen.

Die Schuld daran trägt wohl das Drehbuch, das hier buchstäblich im falschen Medium zuhause ist: ein brauchbares Action-Adventure Spiel hätte „Underworld:Evolution“ allemal abgegeben, die stark repetitive Action lässt im Kino immer wieder den Joystick vermissen. Detailliertes „Leveldesign“, vorhersehbar schein-überraschende Wendungen und viel Gespieße und Geschlitze nutzen sich ebenso flott ab wie der Body Count im Laufe der kaum fortschreitenden Handlung anwächst.

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