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Blogistan-Rückblick KW45

Man grüßt heute mobil, zumindest, wenn man seine E-Mail auf einem tragbaren Rechenknecht verfasst, weiß Thomas Knüwer vom Handelsblatt. Überhaupt bleibt alles anders, und den View- und Hitzahlen wird schon wieder so schwindlig wie zu Zeiten des ersten Internet-Booms. So reicht bislang ein kleiner Trick, um in den Hitparaden des Web 2.0 Wünderkinds Youtube nach vorne zu schießen wie weiland Udo Hubers Gäste – baut’s doch bitteschön einen IP-Check ein! Das haben wir bei unseren Webvotings anno ’99 auch schon geschafft. Wo der Hase beisst gibt’s übrigens ein ganzes Blöggelchen, das sich nur mit Youtube-Manipulation befasst.

Manipulation wurde hier ja auch im Rückblick zu BlogKW44 beschrieben, und zwar in Form gefälschter Airline-Boarding-Passes: Bruce Schneier hat die ganze Story nochmal für Wired.com in ihrer unglaublichen Blauäugigkeit zusammengefasst und erntet ob seiner deutlichen Erklärung geteilte Kommentare.

Hacking, Re-Coding und subversive Strategien gehören zum strategischen Portfolio von etoy – Das „We make money not art“ Blog hat ein ausführliches Interview mit Etoy-Gründer Hans Extrem und Partnerin LizVLX veröffentlicht:

Hans: My main technique is sampling / collage. Influenced by New York rap music from the 1980s, i learned to agressively copy & paste and to invisibly mix conceptual elements with visuals and philosophy with code. The myth of the pop-star and the construction of a fascist global uber-corporation was the driving force behind etoy. This fusion of drugs and technology was blended with results of our analysis of Andy Warhol, Archigram, Futurism, Michael Milken and contemporary boys groups such as The Backstreet Boys. etoy was organized like a Formula-1 team. Highly efficient, strongly hierarchical, very high-tech, glamour and stylish to the outside. But deep inside, etoy was a hardcore cult.
[…]
Liz: That means, yes, i am lust-driven. I try to get a kick out of the work i do, and if some actions we get ourselves into produce amusement, then i do surely not regard the grin on my face as one out of „fun“ but rather something that rises from the joy of fulfillment, an element of lust. (The term „lust“ is originally German and in german, the words „lustig“ (fun(ny)) and „lust“ (lust, eagerness, willingness) are all the same. I do not like the english term „fun“ because it focuses only on a superficial element of entertainment).

Genügend Lesestoff aus der wunderbaren Welt von Web 2.0 gibt’s diese Woche in digitaler Form – zweimal Ajax und Javascript, je ein paar hundert Seiten. Man kann also in den Laden gehen und sich beim Lesen auf der Couch ein schmerzendes Handgelenk holen, oder in einsamen Nächten mit brennenden Augen auf den Flatscreen starren. Zum Nachschlagen jedenfalls eine feine Sache – die genauen Adressen weiß Thomas Gigold. Und obwohl die alte Wirtschaft der Geschenksökonomie immer noch kritisch ins Auge blickt, wird Rob Basic dagegen wohl bald vom Bloggen leben können – immerhin reicht sein Oktobereinkommen ja schon fast an die immer wieder zitierten magischen 800 Euro Grundsicherung heran.

Matt Mullenweg ist daran nicht unschuldig – hat er doch WordPress, gebenedeit unter den Blog-Softwares, entscheidend mitprogrammiert/geprägt. Ein spannendes Interview mit dem vielbeschäftigten Visionär gibt’s auf bloggingpro – lesen und staunen:

The biggest competition is probably Google’s Blogger. I don’t take competition too seriously, you have to do your own thing and not focus on other projects, but where services or features are particularly successful I have no problem examining them to find the underlying elements of coolness to consider integrating into WordPress.
I don’t consider any GPL software competition, because development on one piece of software can directly benefit another, and I will always promote other open source software whether it does the same thing as WordPress or not because at the end of the day we’re all really on the same team. I believe Open Source is the future.

Wem der Sinn mehr nach Hot Media steht (oder war nach Daddy McLuhan TV doch eher kalt?), für den hält Focus Online eine kleine visuelle Rückschauf auf eine paar Jahrzehnte Werbespotgeschichte bereit. [via Werbeblogger] Von wegen Hot Media – was wäre der gute alte Ligasport ohne TV-Übertragungen? Insofern überraschte diese Woche die Ankündigung, dass die NBA ihre bisher kostenpflichtig zugänglichen Videos ab sofort über Youtube zur Verfügung stellt – Micropersuasion hält dies für ein direktes Resultat der bisherigen Unverkäuflichkeit der Online-Videos.

Nachtrag zum Borat-Review: der Brand Evangelist empfiehlt ebenfalls den neuen Streifens von Ali G – ganz in der Tradition dokumentarischer Land-und-Leute Stories zur Erweiterung des kulturellen Horizonts.

Bleibt mir nur mehr, allen einen schönen Sonntag zu wünschen im Namen von Schnutingers Schutzpartron aller Blogger!

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