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Die Kolumne #58 (Dezember 2004)

02.11.2006, geschrieben von , Keine Kommentare

Verruchte Edition oder: Grim Reaper drive ‘em sane.

Eigentlich wollte ich an die­ser Stelle noch mal so rich­tig über die Musikindustrie her­zie­hen — von wegen Klingeltönen, 300 Mrd. Euros Verdienstentgang täg­lich und Co… doch was sehe ich? Grissemann und Stermann haben dies in ihrer Wiener– vor eini­gen Ausgaben der­ma­ßen gekonnt getan, dass ich beschlos­sen habe, auf das ein­zig mög­li­che Ausweichthema aus­zu­wei­chen: Auf den T.O.D. Auf Gevatter eis­kal­tes Händchen. Auf den grim­men Schnitter. Auf den erbar­mungs­lo­sen Sensenmann. Läuft euch schon ein kal­ter Schauer über den Rücken, ver­gäng­li­che Leserschaft?

Das ganze kam so: erzählte mir von einem Zeitungsartikel über weib­li­che Seelsorge, der ihr ganz neue Karrieremöglichkeiten eröff­net habe: sollte ihr pro­fes­sio­nelle Fußfetisch-Model Karriere jemals in Wanken gera­ten, wolle sie sich zur katho­li­schen Priesterin wei­hen las­sen. Ich jedoch begann sofort um ihr Seelenheil zu für­chen, denn: Neulich schloss die Kirche eine katho­li­sche Priesterin aus der katho­li­schen Kirche aus, weil sie andere Frauen zu katho­li­schen Priesterinnen geweiht hat. Nun stel­len sich eine Reihe zweit­ran­gi­ger Anschlussfragen, wie zB: Warum wurde die wei­hende Priesterin nicht schon vor­her exkom­mun­ziert? Geschah das ganze in Öster­reich? Wieso wol­len Frauen nach dem Bundesheer nun auch noch frei­wil­lig Messen lesen? Aber diese Fragen sind im Kontext des all­ge­gen­wär­ti­gen Todes unwe­sent­lich, viel­mehr inter­es­siert mich: bedeu­tet der „Ausschluss aus der Kirche”, dass man den sonn­täg­li­chen Clubvormittagen nicht mehr bei­woh­nen darf, kein Pfarrblatt im Briefkasterl fin­det und so fort… oder ver­un­mög­licht die Exkommunikation den Gang durch die Himmelspforte? Bedenkt man, dass im Vergleich zur durch­schnitt­li­chen Lebenserwartung des durch­schnitt­li­chen Katholiken (die hier auf Erden) ziem­lich kurz erscheint im Vergleich zur ,- völ­lig unab­hän­gig davon, wie lang sie tat­säch­lich ist — dann hat die Priesterin allen Grund, sich nun Sorgen zu machen.

Wie hältst du’s mit dem Fegefeuer?

Ich hab das Wirken der katho­li­schen Magie und ihrer Gesetze nie so ganz ver­stan­den — hän­gen geblie­ben ist aus der Schulzeit eigent­lich nur, dass in einem (beno­te­ten!) Religionstest mal die Frage kam, ob man denn vor­ehe­li­chen Geschlechtsverkehr haben dürfe. Ein Schelm aber, wer denkt, dass die Erziehung zur Heuchelei ein Bestandteil katho­li­scher Jugendarbeit sei!
Aber zurück zu unse­rer Priesterin: klei­nere Sünden müs­sen im Fegefeuer-Wartezimmer abge­ses­sen wer­den (häu­fige Arztbesucher ken­nen das), viel­leicht 2, 3 Stunden, viel­leicht ein paar Millionen Jahre, aber dann winkt die ewige Glückseligkeit. Todsünden dage­gen füh­ren unwei­ger­lich in die Hölle, es sei denn, man lässt sich recht­zei­tig von einem Priester die Absolution ertei­len (aber das geht auch nur, wenn man wirk­lich bereut — doch wel­cher ver­hei­ra­tete Katholik bereut schon einen hei­ßen aber fol­gen­lo­sen Seitensprung tat­säch­lich aus tiefs­tem Herzen?) Und ist Priesterin sein eine Todsünde? Führt der Ausschluss aus der Kirche direkt ins Erdinnere?
Denn wenn sich, wie einige katho­li­sche Splittersekten glau­ben, die Hölle im Inneren des Planeten befin­det (eine Bohrtruppe ist mal in ca. 300 Metern Tiefe auf einen getrof­fen und ver­dammte Seelen stöh­nen gehört, eine Internetseite „The Truth about Hell” (http://www.av1611.org/hell.html) doku­men­tiert die fol­gen­lose Begegnung, erhär­tet aber oben­ste­hende Theorie), so muss man sich irgend­wann Sorgen um ihre Aufnahmekapazität machen. Geht man im opti­mis­tischs­ten Fall davon aus, dass sich die Seele eines Verstorbenen zur Not bis auf Kleinfingernagelgröße zusam­men­quet­schen lässt (etli­che mit­tel­al­ter­li­che Manuskripte legen dies nahe) — irgendwann ist das Erdinnere unwei­ger­lich voll mit fin­ger­na­gel­gro­ßen ver­damm­ten Seelen. Und dann — bumm! Aber bis dahin könnt’s ziem­lich eng und unge­müt­lich und laut wer­den dort, und all das würd ich mei­ner Lieblingstante nun wirk­lich ersparen.

Übri­gens: schade auch in die­sem Zusammen –  — eher mehr wie „schade auch, in die­sem Zusammen-” denn wie „schade, auch in die­sem Zusammen-” — hang also, schade also, dass „pries­tern” nicht auch ein Verb, oder alt­mo­disch „Verbum” ist oder est. Findet man denn nicht, pries­tern klinge eher ver­rucht? Und gehörte ver­wen­det in Sätzen wie zB:

  • Gestern habe ich deut­lich gehört, wie das junge Pärchen in der Wohnung über mir die ganze Nacht gepries­tert hat!
  • Sein Magen pries­tert, kein Wunder, bei den vie­len Bieren gestern…
  • Erst nach­dem die US-Soldaten das gesamte ira­ki­sche Dorf gepries­tert hat­ten, setz­ten sie es mit Napalmbomben in Brand.

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