Die Kolumne #59 (Jänner 2005)

Die Kolumne. Das Special. Der verspätete Jahresbeginn 2005. Oder: Dem Bösen in Gestalt des Bären gewähren wir selten längere Audienzen. Oder: Tausende Links auf füllige Experten, dennoch regiert das Fernsehen.

Letztens unterhielt ich mich mit Tante Brigitte über Käse in all seinen vielgestaltigen Erscheinungsformen. Zugleich lief im Fernsehen eine Dokumentation über bäuerliche Erotik, und irgendwie vermischten sich die beiden Welten in meinem Kopf. Jedenfalls sind Senner auf Almhütten meist ziemlich einsam, und weder TB noch ich glauben mittlerweile an die schulische Erklärung der Löcher im Käse. Ihr beißt gerade herzhaft in ein Stück „leicht geräucherten Bergfürst“? Lasst euch den Appetit nicht verderben, sonst endet ihr wie die Dinosaurier: nicht nur tot, sondern ausgestorben! Das im Titel angekündigte Special erstreckt sich im übrigen auf die Tagebuchform der restlichen Kolumne (Vorsätze, neues Jahr und so – das passt wie die Löcher in den Käse. Daher auch diesmal die Überlänge).

2.2., 17:11
Schon wieder so eine unpackbare Fernsehserie über Dinosaurier gesehen, in der die Tierchen derart vermenschlicht werden, dass man meine könnte, der Regisseur habe nicht nur per Zeitmaschine unter ihnen gelebt, sondern sich auch prächtig unterhalten können. Aber Originalaufnahmen sind’s nicht, selbst in zeitgenössischen Computerspielen bewegen sich simulierte Reptilien weniger ruckelnd.

2.2., 17:16
Erinnere mich, mal gelesen zu haben, dass kein Mensch weiß, ob die Dinosaurier military-grün waren oder nicht doch violett mit gelben Punken (zum Beispiel). Fragen geht nicht, und allfällige Farbpartikel in der Haut verrotteten, anders als Knochen, längst.

2.2., 17:31
Vielleicht waren die Dinosaurier ja schwarz-weiß, vielleicht waren die modernen Farbsaurier des Medienzeitalters noch gar nicht erfunden, back in the days. Analogieschlüsse, ausgehend von zeitgenössischen Reptilien, scheinen mir keinesfalls zulässig. Sonst wären die Saurier wohl nicht so groß gewesen.

2.2., 17:36
Liebes Tagebuch, heute quellen die Einträge nur so aus mir heraus, und das, obwohl ich dich die letzten 15 Jahre sträflich vernachlässigt habe. Liebes Tagebuch, sag mir: wenn die Dinosaurier schwarz waren, haben sie dann auch nur schwarz-weiß gesehen? Wenn sie farbenblind waren, wären sie in ihrer eigenen Wahrnehmung ja auf jeden Fall schwarz-weiß gewesen, wenn nicht, hätte ihnen auffallen müssen, dass die Pflanzen rund um sie in allen Farben des Regenbogens strahlen, ganz zu schweigen von den damaligen, paläolithisch-gewaltigen Regenbögen, dass sie selbst jedoch daherkommen wie eine Derrick-Folge aus den frühen 50ern. Vielleicht wurden sie gar darob so betrübt, dass sie beschlossen, auszusterben?

2.2., 17:45
Habe nochmals über meine vorige Theorie zum Aussterben nachgedacht, sie erscheint mir nicht mehr so plausibel wie vor wenigen Minuten. Es existieren zuviele Unwägbarkeiten in punkto Farbsehen – benutzten die Dinos Wasserflächen als Spiegel? Sahen sie sich selbst als Individuen oder mehr im Verbund, wie zB die Borg in Star Trek? Liebes Tagebuch, ich muss mich ärgern – statt brauchbarer Fakten vermenschlicht der Regisseur weiterhin gnadenlos seine geschuppten Protagonisten, lässt Sozialdramen innerhalb der Herde ablaufen, gegen die GZSZ wie eine Tierdoku wirkt.

3.2., 14:00
Hallo Tagebuch, Recherchen im Internet haben ergeben, dass sowohl das Aussterben sowohl von Analosaurus als auch von Masturbatiodonten wenig Fragen offen lassen. Aber was zum Geier geschah mit dem Nymphodaktylus?

3.2., 19:00
Die Saurier verschwinden langsam aus meinem Kopf, wie wohltuend! Noch schnell scheinheilig zu einem anderen Thema, um vom gestrengen Chefredakteur nicht erneut der Ideenlosigkeit bezichtigt zu werden: selbst der Beruf des Autorenbetreuers, ein eleganter, könnte man meinen, kann seine Untiefen aufweisen und die eigene Demutsgrenze schnell auf Grund sinken lassen. Wisst ihr, wer das Buch „Rufus Woods, the Columbia River, & the Building of Modern Washington“ geschrieben hat? Robert E. Ficken, von seinen Freunden vermutlich nur deshalb nicht Fick-Robby genannt, weil die wie er in Amerika hausen. Nun stellt euch vor, ihr holt Rob von Wien Schwechat ab, zu einem internationalen Columbia-Kongress vielleicht, und dann steht ihr da in der Ankunftslounge mit einem großen Schild – so schnell könnte man in den Verdacht des gewaltllosen Flughafenterroristen geraten.

12.2., 14:39
Wie fast immer auf der Suche nach guten Links gewesen, im Internet, wo sonst. Im Esoterikforum.at hab ich Tante Brigitte getroffen – sie war allerdings in Eile, weil grade im Aufbruch zu einer Astralreise begriffen. Also denk ich mir: „Was soll’s, gehste flink nochmal zurück zu Gugl, und gibst ein: tausende Links“. Mach das Mal, Leser, du mit dem blauen Sweatshirt. Das gibt eine, je nach persönlicher Präferenz, interessate / reverse / schockierende / zutreffende / abstoßende / einzig wahre Hitparade der Prioritäten, ganz entgegen der landläufigen Meinung aber sexfreier als DSF spätnächtens:

  1. Tausende Links zu Science Fiction & Fantasy
  2. Tausende Links zu C++ und anderen Programmiersprachen
  3. Tausende Links zu Frieden, Abrüstung & Gewaltfreiheit
  4. Tausende Links zum Thema Reisen
  5. Tausende Links zum Thema Tischtennis
  6. Nochmal tausende Links zum Thema Reisen
  7. Tausende Links zum XML-Themen
    x. außerhalb der Wertung, ein Reinrutscher: Tausende Arbeitslose
  8. Tausende Links zu Politik, Medien & Soziologie
  9. Tausende Links zu Ska-Bands
  10. Tausende Links auf vermutlich alle Drachenhomepages in aller Welt
  11. Tausende Links von (warum von?) privaten Homepages
  12. Tausende Links auf nicht-relevante Seiten (schön!)
  13. Tausende Links zu Moderatoren, Schauspielern, Musikern, Comedians,
    Models und Autoren
  14. Tausend Links zu mathematischen Sachverhalten von allgemeinem Interesse (?)
    x auch außer Konkurrenz, aber sehr bemüht rät jemand: Um einen großen Bekanntheitsgrad vorzutäuschen, beschaffen Sie sich hunderte, besser tausende, Links auf Ihre Homepage.
  15. Tausende Links zu Schulthemen

—ardentum*—
Zu guter letzt noch zwei Beitrag aus der Kategorie „Sätze, die sich so nur / oder so keinesfalls auf Speisekarten vegetarischer Restaurants finden“: 1. Auf Wunsch werden alle Speisen auch mit Käse überbacken serviert. 2. Für Firmenfeiern wie Massenentlassungen und dergleichen bereiten wir unsere Schlachtplatten auf Wunsch auch gerne auf/für eine größere Anzahl von Personen vor.

* ich pfeif auf meine humanistische büdung! Ich kann pfeifen!

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