Die Kolumne #60 (März 2005)

Diesmal: Ei-Mango live – A man will try 2 cheat, ha! Oder: Wenn du meine Overheadfolie fressen konntest, dann kannst du sie auch wieder auswürgen.

Selbst unter die journalistische Zunft gehen möchte zukünftig Tante Brigitte, und das kommt so: rotäugig und schniefend erzählte sie mir von ihrem Kreuz mit dem Heuschnupfen und einem Hoffnungsschimmer am Horizont namens „ORF Nachlese“ voller Pollentips. Neben der pharamzeutisch-industriell wertvollen Suggestion, dass im Pollenfall Chemie viel mehr Spaß macht als Ethnobotanik fand sich im Text eine Liste, die Tantchens Probleme auf einen Schlag löste, genauer genommen, Punkt vier, ein unbezahlbarer Tipp für alle Frühblütler-Hasser, tat dies: „Halten Sie sich während der Pollensaison vorwiegend in geschlossenen Räumen auf.“ Schlechte Neuigkeiten also für Straßenbettler, Neben- und Haupterwerbsbauern sowie Verkehrspolizisten, aber ein unfehlbares Rezept für den Rest der pollenallergischen Welt. Fasziniert von dieser Glanzleistung fachkundiger Recherche begann Brigitte sogleich mit dem Zusammenstellen einer eigenen Tippliste, die allerdings noch ihrer Veröffentlichung (in der ATV-Nachlese?) harrt:

  1. 1) Tipp für Einbeinige: springen Sie möglichst nicht herum.
  2. Tipp für Taube: halten Sie sich möglichst dort auf, wo nicht gesprochen wird.
  3. Tipp für Diabetiker: verzichten Sie weitgehend auf zuckerhältige Nahrungsmittel.

Falschstellung, vom letzten Mal:

Als „einfach deppert,“ als „aufgeblähte Konzernstrukturen,“ in denen „kein Mitarbeiter weiß, was der andere denn wirklich so macht“, bezeichnete sie der Hofer Basti in der letzten Ausgabe. Nein, die Rede ist schon wieder nicht vom der gap Verlagsgesellschaft. Sondern von Majorlabels, die jetzt langsam ausreichend gebasht worden sind. Daher ein flammendes Plädoyer für vier große Distributoren, denn ohne Sony & Co gäbe es gar keine Popmusik.
Ohne Sony und Co. wären einige Sony & Co. Manager und Artists nicht so reich. Das sind sie sie dank Sony & Co. aber, und selbiger Umstand legitimiert Popmusik im Sinne von Sony & Co. zweifellos. Wenn Popmusik sich nicht mehr so gut verkauft, sondern dauernd nur mehr gratis runtergeladen wird, dann isses gar keine Popmusik mehr im Sinne von Sony und Co., darin liegt das große Missverständnis. Also lassen wir diese leidige Diskussion endlich bei Seite und surfen wir lieber ein bisschen. Zeitgeistig wär’s ja allemal, das gap von einer Zeitschrift für Pop Culture im weiteren Sinn zu einer Zeitschrift für Free Culture im engeren Sinn zu machen, und sinnhaft obendrein – eine seltene + -same Kombination, überdies. Vermutlich allerdings wirtschaftlich aber nicht tragfähig, immerhin können wir das Heft ja nicht einfach verschenken.

Moment. Wir verschenken das Heft eh, erfahr ich gerade. Als easy does it – nimm dir diesen Rat zu Herzen, kleiner Hobbit! qed. Auch passend in die Rubrik „gratis, aber nicht umsonst“ bzw. file under „Fuck, damn, shit – reduce to the max to maximize the mix“: das essentiellste Hip Hop Album dieser unserer Zeit erschien nämlich onlein unter der Adresse http://www.ni9e.com/. Es handelt sich um einen kompletten „remix“ des legendären NWA Longplayers „Straight outta Compton“; ein Vorteil der kondensierten Version, die sich „Explicit content only version“ liegt im flotten Download der Tracks, die ausschließlich aus den Schimpfwortpassagen der Originale zusammengestückelt sind. Sankt Tourette, schau oba!

„Eine schlechte Ästhetik verdirbt die Menschen.“

Zu dieser tiefgründigen Ansicht gelangt nicht etwa der Senderchef von Viva, sondern Teddy himself. Nein, die Rede ist hier nicht vom Faceless Ugly Teddybear (www.fut.com.au), sondern von einem Urgestein der österreichischen AV-Medialität. Give me a P-O-D, give me a G-O-R, give me a S-K-Y! In der Rubrik „Geschichten aus der Steinzeit des österreichischen Fernsehens“ erzählte Poddy, wie ihn seine Freunde nicht nennen, dass
a) man damals nicht glaubte, dass Fernsehen in Österreich jemals mehr als 30.000 Zuseher haben würden täte (3. „österreichischer“ Konjunktiv!).
b) Politiker, speziell in Österreich, nur daran interessiert waratn (4. „Wiener“ Konjunktiv), Sendungen zu fördern, in denen sie selbst auftreten können.
c) das Fernsehen heute im Gegensatz zu früher ein Zerstreuungsmedium sein tadat (5., „NÖ“ Konjunktiv).
Sensation. Geschockte i-net kids allenthalben, wie verängstigte, um Hilfe suchende Postings in allerlei Foren beweisen: „Unweigerlich bekam ich eine Gänsehaut und während des Anschauens schob sich der sprichwörtlichen Dampfwalze gleich ein Verdacht in den Vordergrund: früher MUSS es besser gewesen sein. Holt mich da raus!“ Offizielle Entwarnung aber an dieser Stelle: das Fernsehen hat sich nicht wesentlich verändert, Teddy Podgorsky dagegen gar nicht. Also wieder bloß ein Missverständnis und kein Grund, eure Router und Hubs zu verbrennen und e-mule vom System zu verbannen.

PS:
FRAGE: Was war vor 1969 der Unterschied zwischen dem ORF?
ANTWORT: Beide FS-Programme waren gleich schwarz-weiß, speziell das zweite.

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