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Die Kolumne #60 (März 2005)

04.11.2006, geschrieben von , Keine Kommentare

Diesmal: Ei-Mango live — A man will try 2 cheat, ha! Oder: Wenn du meine Overheadfolie fres­sen konn­test, dann kannst du sie auch wie­der aus­wür­gen.

Selbst unter die jour­na­lis­ti­sche Zunft gehen möchte zukünf­tig , und das kommt so: rot­äu­gig und schnie­fend erzählte sie mir von ihrem Kreuz mit dem Heuschnupfen und einem Hoffnungsschimmer am Horizont namens “ Nachlese” vol­ler Pollentips. Neben der pharamzeutisch-industriell wert­vol­len Suggestion, dass im Pollenfall viel mehr Spaß macht als Ethnobotanik fand sich im Text eine Liste, die Tantchens Probleme auf einen Schlag löste, genauer genom­men, Punkt vier, ein unbe­zahl­ba­rer Tipp für alle Frühblütler-Hasser, tat dies: “Halten Sie sich wäh­rend der Pollensaison vor­wie­gend in geschlos­se­nen Räumen auf.” Schlechte Neuigkeiten also für Straßenbettler, Neben– und Haupterwerbsbauern sowie Verkehrspolizisten, aber ein unfehl­ba­res Rezept für den Rest der pol­len­all­er­gi­schen Welt. Fasziniert von die­ser Glanzleistung fach­kun­di­ger Recherche begann Brigitte sogleich mit dem Zusammenstellen einer eige­nen Tippliste, die aller­dings noch ihrer Veröffentlichung (in der ATV-Nachlese?) harrt:

  1. 1) Tipp für Einbeinige: sprin­gen Sie mög­lichst nicht herum.
  2. Tipp für Taube: hal­ten Sie sich mög­lichst dort auf, wo nicht gespro­chen wird.
  3. Tipp für Diabetiker: ver­zich­ten Sie weit­ge­hend auf zucker­häl­tige Nahrungsmittel.

Falschstellung, vom letz­ten Mal:

Als “ein­fach dep­pert,” als “auf­ge­blähte Konzernstrukturen,” in denen “kein Mitarbeiter weiß, was der andere denn wirk­lich so macht”, bezeich­nete sie der Hofer Basti in der letz­ten Ausgabe. Nein, die Rede ist schon wie­der nicht vom der gap Verlagsgesellschaft. Sondern von Majorlabels, die jetzt lang­sam aus­rei­chend gebasht wor­den sind. Daher ein flam­men­des Plädoyer für vier große Distributoren, denn ohne Sony & Co gäbe es gar keine Popmusik.
Ohne Sony und Co. wären einige Sony & Co. Manager und Artists nicht so reich. Das sind sie sie dank Sony & Co. aber, und sel­bi­ger Umstand legi­ti­miert Popmusik im Sinne von Sony & Co. zwei­fel­los. Wenn Popmusik sich nicht mehr so gut ver­kauft, son­dern dau­ernd nur mehr gra­tis run­ter­ge­la­den wird, dann isses gar keine Popmusik mehr im Sinne von Sony und Co., darin liegt das große Missverständnis. Also las­sen wir diese lei­dige Diskussion end­lich bei Seite und sur­fen wir lie­ber ein biss­chen. Zeitgeistig wär’s ja alle­mal, das gap von einer Zeitschrift für Pop Culture im wei­te­ren Sinn zu einer Zeitschrift für Free Culture im enge­ren Sinn zu machen, und sinn­haft oben­drein — eine sel­tene + –same Kombination, über­dies. Vermutlich aller­dings wirt­schaft­lich aber nicht trag­fä­hig, immer­hin kön­nen wir das Heft ja nicht ein­fach verschenken.

Moment. Wir ver­schen­ken das Heft eh, erfahr ich gerade. Als easy does it — nimm dir die­sen Rat zu Herzen, klei­ner Hobbit! qed. Auch pas­send in die Rubrik “gra­tis, aber nicht umsonst” bzw. file under “Fuck, damn, shit — reduce to the max to maxi­mize the mix”: das essen­ti­ellste Album die­ser unse­rer Zeit erschien näm­lich onlein unter der Adresse http://www.ni9e.com/. Es han­delt sich um einen kom­plet­ten “” des legen­dä­ren NWA Longplayers “Straight outta Compton”; ein Vorteil der kon­den­sier­ten Version, die sich “Explicit con­tent only ver­sion” liegt im flot­ten Download der Tracks, die aus­schließ­lich aus den Schimpfwortpassagen der Originale zusam­men­ge­stü­ckelt sind. Sankt Tourette, schau oba!

“Eine schlechte Ästhe­tik ver­dirbt die Menschen.”

Zu die­ser tief­grün­di­gen Ansicht gelangt nicht etwa der Senderchef von Viva, son­dern Teddy him­self. Nein, die Rede ist hier nicht vom Faceless Ugly Teddybear (www.fut.com.au), son­dern von einem Urgestein der öster­rei­chi­schen AV-Medialität. Give me a P-O-D, give me a G-O-R, give me a S-K-Y! In der Rubrik “Geschichten aus der Steinzeit des öster­rei­chi­schen Fernsehens” erzählte Poddy, wie ihn seine Freunde nicht nen­nen, dass
a) man damals nicht glaubte, dass in Öster­reich jemals mehr als 30.000 Zuseher haben wür­den täte (3. “öster­rei­chi­scher” Konjunktiv!).
b) Politiker, spe­zi­ell in Öster­reich, nur daran inter­es­siert waratn (4. “Wiener” Konjunktiv), Sendungen zu för­dern, in denen sie selbst auf­tre­ten kön­nen.
c) das Fernsehen heute im Gegensatz zu frü­her ein Zerstreuungsmedium sein tadat (5., “NÖ” Konjunktiv).
Sensation. Geschockte i-net kids allent­hal­ben, wie ver­ängs­tigte, um Hilfe suchende Postings in aller­lei Foren bewei­sen: “Unweigerlich bekam ich eine Gänsehaut und wäh­rend des Anschauens schob sich der sprich­wört­li­chen Dampfwalze gleich ein Verdacht in den Vordergrund: frü­her MUSS es bes­ser gewe­sen sein. Holt mich da raus!” Offizielle Entwarnung aber an die­ser Stelle: das Fernsehen hat sich nicht wesent­lich ver­än­dert, Teddy Podgorsky dage­gen gar nicht. Also wie­der bloß ein Missverständnis und kein Grund, eure Router und Hubs zu ver­bren­nen und e-mule vom System zu verbannen.

PS:
FRAGE: Was war vor 1969 der Unterschied zwi­schen dem ORF?
ANTWORT: Beide FS-Programme waren gleich schwarz-weiß, spe­zi­ell das zweite.

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