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Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog

Unlängst hab ich im Publizistikforum in meiner Funktion als datenschmutz Marketing-Manager Werbung gemacht für’s Stereotyp Gewinnspiel – dabei kam dann eine kleine Diskussion über die generelle Sinnhaftigkeit von Blogs raus.

Wer selbst ein Blog schreibt, sieht die ganze Thematik wohl durch eine gefärbte Brille, die äußere Form „Blog“ allerdings tendiert durchwegs dazu, Aversionen auszulösen, unübertrefflich konzise zusammengefasst von Userin Sumsie:

blogs sind für mich sinnfrei

Die Kommunikationswissenschaft ist sich dazu wie meist vorerst unschlüssig – ins klassische One-to-Many Modell samt seinen regulatorischen Rahmenbedingungen (besonderer rechtlicher Status von Journalisten, Pressefreiheit etc…) passen Web-Strukturen ohnehin nicht mehr. Darkguy von Kuntradio formuliert das so:

[…] Auch im Rahmen des Studiums wird man ja immer mehr mit der Thematik konfrontiert und es gibt enormen Streit darum wie journalistisch brauchbar ein Blog ist – aber kaum jemand differenziert hinreichend.

Ein Systematikum der traditionellen Medien ist jener Bereich, den man als „Sorgfaltspflicht“ des Journalisten bezeichnet – der gesamte Komplex seiner Verpflichtungen, sein möglichstes zu tun, um den Wahrheitsgehalt der von ihm verbreiteten Informationen zu überprüfen. Die Medien als vierte Macht und Kontrollinstanz der Demokratie liefern in der Therie den Schmierstoff für’s reibungslose Funktionieren der Demokratie*.

Die Unterscheidung zwischen Massen- und Individualmedien spielt historisch eine bedeutende Rolle in dieser Konstruktion: auch wenn Bert Brecht in den dreißiger Jahren ein Zweikanal-Radio forderte, es sollte immerhin bis zur Jahrtausendwende dauern, das Versprechen nach „Empowerment“ der passiven Rezipienten auf technischem Wege zu realisieren**. Die resultierende Bandbreite an kommunikativen Strukturen und Inhalten lässt sich allerings nicht über einen Kamm scheren, wie Darkguy fortsetzt:

Es ist ein Unterschied, ob es eben ein „Befindlichkeitsblog“ (das Wort kannte ich gar nicht, umschreibt es aber ziemlich gut) ist, in dem Lieschen Müller ihre Katze vorstellt, ob es sich quasi um einen Berufsblog (ist ja auch gerade in der IT-Branche sehr beliebt, zB Entwickler die über den aktuellen Entwicklungsstand ihrer Projekte bloggen) handelt, oder ob Online-Medien relevante Zeitgenossen quasi weil es hip ist ihre Kommentare in Blog-Form publizieren lassen. Dann gibt es noch Blogs von Privatpersonen, die teilweise interessante Beiträge schreiben die nichts mit deren Privatleben zu tun haben, und die je nach eigenem Interessensschschwerpunkt sehr interessant sein können.

Ich möchte dem noch hinzufügen: nicht zuletzt dank „geschickter“ Verlagspolitik und immer engerer Verquickung von Werbung und redaktionellen Inhalten kämpfen traditionelle Massenmedien mit einem Glaubwürdigkeitsproblem. Die sogenannten „Informationsleistung“ hat sich wirtschaftlichen Interessen nicht nur einmal unterzuordnen. Ich denke, die wenigsten Blogger (so sie einen gesunden Sinn für Realität besitzen) gegen ihrer Tätigkeit aus primär ökonomischen Erwägungen nach, und ich lese täglich die großteils erfreulichen Auswirkungen dieses Settings auf die Berichterstattung. Insofern hab ich dem Fazit Darkguys auch wenig hinzu zu fügen:

Inwiefern ein Blog für den einzelnen relevant ist kommt also auf die Thematik und den/die AutorIn an, weniger ob jetzt in Form eines Blogs, eines Kommentares oder eines Artikels publiziert wird.


*) Für eine komprimierte Darstellung dieser historischen Entwicklung und Theorierichtung siehe Noelle-Neumann/Schulz: Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation, Frankfurt 1994

**) Ich würde gern mal Friedrich Kittler on Blogs lesen, Stichwort: Materialitäten der Kommunikation

1 comments
rip
rip

jaja die quartiären medien.. bin seit kurzen an einer fachhochschule; es ist erstaunlich, wieviele mitstudenten einen einblick in blogs haben: niemand.