Die Indie-Rückkehr der Vinylsingle

Turntable-CasioZwei News von netzonfire scheinen positiv zu korrelieren: einerseits verdient itunes so gut wie nichts, andererseits kommt ein alter Bekannter zurück: die hochgeschätzte Vinylsingle.

Die Zahlen des Hollywoodreporter gelten allerdings nur für Großbritannien – und der Musikmarkt des United Kingdoms hat ja bekanntlich so einige Besonderheiten, dennoch ist die Steigerung auf jeden Fall bemerkenswert: waren es 1979 noch 89 Millionen Vinylsingles, so sanken die Verkaufszahlen dank Vormarsch von CD und Kassetten bis 2001 auf das All-Time-Low von gerade mal rund 180.000 Stück.

Die folgenden Jahr allerdings markierten die Trendumkehr, und 2005 wurden in GB wiederum fast 2 Mio Singles verkauft – ein neuer Dekadenrekord. Erstaunlicherweise trägt anscheinend gar nicht mal die Hobby-DJ-Fraktion die Verantwortung für diesen gravierenden Anstieg – ohnehin greifen immer mehr Plattenverleger zu brachialen digitalen Mitteln. Nein, die Indie-, Rock- und Alternativefraktion hat den Statussymbol-Wert des Vinyls entdeckt:

In recent years, labels have increasingly added limited edition versions of 7-inch singles to their armory, which are targeted at „indie“ rock consumers as trendy collectibles.

So ist das also mit den Indierockern – die wollen also plötzlich auch wieder „etwas zum Anfassen“. Ob diese Gruppe also auch die Hauptverantwortung trägt für die von Forrester Research behauptete Wackelfüßigkeit des Apple’schen Businessmodells?

Since the introduction of the iTunes Music Store, Apple has been steadily selling just 20 iTunes tracks for each iPod sold, suggesting that even at $0.99, most consumers still aren’t sold on the value of digital music.

Einen statistisch zwar kaum zu erfassenden Beitrag zu den steigenden Absätzen der 45er Schreiben leistet dieses Plattenspieler-gesteuerte Casio-Keyboard – der Styleindikator auf der nach oben offenen Retro-Coolness-Skala dagegen steigt:

Latest keyboard… thing. Controlled by a record player. In the arm of the turntable there are 3 photo cells (light sensors) that are wired into the circuitry of the casio. The record on the player has three red leds mounted on it… when the leds pass under the photo cells, it causes a glitch in the keyboard, making some stange noises…

Ein Video zweifelhafter Qualität gibt’s auf Youtube – eigentlich müsste man nur den Motor ein wenig schneller drehen lassen, und fertig ist die Instant-Noisecore-Party!

Das wär nun mit itunes-Digitalfiles in der Tat nicht möglich… womit anhand eines einzigen, wenig aussagekräftigen Beispiels einmal mehr der unwiderstehliche Charme der Schallplatte bewiesen aufgezeigt wurde. q.e.d.

2 comments
fadi
fadi

hi ritchie! nun ja, ich liebe vinyl, besonders die 7inch, .... und ich würde mich riesig über ein comeback eines breiten vinyl-konsums freuen, aber in meinem laden base shop gibt es einige feine vinyl-platten zu kaufen, aber weg gehen zu 95% cds. das ist die base shop realität. lg fadi bin normalerweise kein witz-fan, aber der hat heute mein leben massiv aufgehellt: http://www.thelastbeat.com/2006/12/10/691/

frenzi
frenzi

Hm... lustiges Musikindstrument, das umgebaute Casio-Teil. Scheint allerdings einen recht eingeschränkten Verwendungszweck zu haben. Da ließe sich sicher noch mehr rausholen. Man könnte so ein Keyboard ja auch mit den Timetable-Vinyls von Final Scratch ansteuern, theoretisch...