Die Kolumne #67 (April 2006)

Der Roadmovie starring Schilder und tauchende Tote(n)vögel

Das Gute ist der Feind des Schlechten, und unter den Einäugigen bleibt der Einäugige stets primus inter pares. Apropos Bares: an Degenhardt’s Liedgut war doch immer was Wahres. Infolgedessen: Re-Wind des Themas Vogelgrippe, zumal Tafeln am Donaukanal den 2. und 22. Bezirk als Seuchenvogelschutzgebiet“) ausweisen:

Spiel nicht mit den toten Vögeln,
berühr nicht ihre Glieder.
Verzichte lieber auf Putenkebab,
mach’s wie deine Brüder.

So sprach die Ministerin, sprach der Züchter, lehrte der Arzt.
Er schlich aber immer wieder durch das Gartentor
und hinein in die Hühnerställe,
wo sie sechsundsechzig Keulen grillten
und einen Puter, für alle Fälle,
Vögeln unters Federkleid schielten,
wo auf alten Bretterkisten
einst der stolze Hahn in der Sonne döste,
wo man, wenn der Regen rauschte,
dem Gegacker des aufgeregten Federviehs lauschte,
sah die Augen der Bauern leuchten,
wenn sie ihre Ställe entseuchten.
Abends, am Familientisch, nach dem Kalb zum Mahl,
hieß es dann: Du riechst schon wieder nach Hühnerstall.

Spiel nicht mit den toten Vögeln,
berühr nicht ihre Glieder.
Verzichte lieber auf Putenkebab,
mach’s wie deine Brüder.

Generell sorgen Schilder im Zentralorgan österreichischer versicherter Mobilität aka Auto Touring seit Jahren für Erheiterung. „Wanderer, kommst Du nach Sparta, verkünde dort, Du hast uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl!“ meiselte (!) kurz (!!) vor seinem (!!!) Tod (!!!!) ein anonyme Lanzenträger in jenen Stein, der später einer Böllschen Schulbuchgeschichte als Titel dienen sollte.

Frappierend ähnlich durchschlagenden kulturellen Impäckt ist man geneigt Schildern, die sich wütend dem vierrädrigen Wanderer von Graz nach Wien entlang der Südautobaustelle entgegenstemmen, zu zu zu*** gestehen: nicht einsehbar von der Autobahn aus bleiben zwar das mitteltiefe Kernöl- wie das tiefe Mostbecken der klingenden Ortschaft „Steirisch-Tauchen“, dafür versichert kurz vorm Wienerisch-Auftauchen der Mediaprint-Produktionsstätte ein eurer Meinung nach zu optimistisches Schild, ‚Wien sei anders’*

Eine Anekdote belegt dieses Schild

Schon einmal war in dieser Kolumne die Rede von jenem Lokal am Ring auf Kellerniveau. Hierher begab sich auch die Exfrau eines nicht näher genannt werden sollenden Initiators eines kürzlich rohrkrepierten Volxbegehrens; diese spärlichen Informationen müssen reichen, denn im Gegensatz zu Ihrem Autor legt diese Kolumne größen Wert auf das dokumentieren ihres non-dokumentarischen, journalismusregelnverachtenden Stils? Stiles? Stil? Egil. Also: Exfrau des Initators vermutet vorwiegend Seelenkrüppel in jenem Lokal, sagt sie zu einer österreichischen Frauenzeitschrift im Interview. Leider stellte die Interviewerin dann nicht die Folgefrage, warum sie eigentlich hingehe, was dem ganzen Interview dann wiederum geradezu eine Sudoku-artige Behäbigkeit verlieh. Aber wie sagen unsere Priester immer so schön? „Eher geht eine Nonne durch ein Nadelöhr als dass einer beim Kreuzworträtseln die Erleuchtung erlangt.“


* Auf dem Schild steht natürlich „ist“ nicht „sei“. Sollte man, wenn eh schon „in den Konujnktiv geht“, dann die Gänsefüßchen weglassen? Ich hab mich für die Wienerisch-andere Kompromisslösung entschieden: einfache Anführungszeichen.
** aller guten Dinge…

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