FAZ über Snoop und Jay-Z

Dank Pete bin ich gerade auf eine äußerst lesenswerte Doppel-Review der beiden aktuellen Alben zweier mindestens sprichwörtlicher grauer Hip Hop Eminenzen gestoßen: Jay-Z brachte gerade „Kingdom Come“ raus und Dogmaster Snoop schließt mit „The Blue Carpet Treatment“ an alte Gangsta-Tage an und legt unter seine schmooven Reime wie immer äußerst stilsichere Minimal Funk Soundteppiche.

Ich komm ja noch aus der semi-akademischen Hip Hop Generation, der von Spex-Pop-Philosophen umständlich und extrabreit (beabsichtigte Doppeldeutigkeit) das Konzept des „Signifying“ nahegebracht wurde. Dass die Freude des kaukasischen Kulturwissenschaftlers über die Enträtselung der Reimesprache indes nur kurz anhalten würde, hat Jonathan Fischer für die FAZ so elegant zusammengefasst wie imho noch kein Musikjournalist:

In einem Genre, in dem jede Menge selbsternannte „Gangsta“ mit Dollarbündeln wedeln, Stripperinnen für ihre Videos engagieren, über Mord und Drogenhandel deklamieren und dabei die traditionelle Doppelbödigkeit schwarzer Sprachkultur auf dem Altar einer platten Massentauglichkeit opfern, hätte er alle Chancen zum sensiblen Dichterfürsten gehabt: Zu einem, der über die bekannten Ghetto-Realitäten hinausschaut und dem Mantra des „Keepin‘ it real“ wilde Poesie und surrealistische Freiheitsträume entgegensetzt. Aber wie Jay-Z einmal rückblickend bekannte: „Ich verblödete mein Publikum, um meine Dollars zu verdoppeln.“

Spannende Review, ungewöhnlicher Blickpunkt, am besten den ganzen Artikel lesen.

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