CD-Review: Max Turner – The purple pro

Max TurnerTrust me, you don’t wanna paint against me. Not the purple pro, phantom power is lent to me!

Wo amerikanische Hip Hop “Erfinder” immer noch vollmundig, wortarm und langweilig großkotzen über ihre angebliche Sprachgewandtheit, verleiht sich der in Barcelona lebende schottische Berliner Max Turner gleich ein post-ernsthaftes Superhelden Label: der Purple Pro hat den Green Planet erreicht, und er will und wird ihn rocken. Nicht, dass der Gespiele von Schneider TM und Kollaborateur Gonzalez’ ein popkulturell unbeleckter Akteur wäre: außergewöhnlich gut informierte Kreise vermeinen in ihm gar ein Mitglied der äußerst anonymen Puppetmastaz ausgemacht zu haben.
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Die Kolumne #72 (Nov/Dez 2006)

Ein gapheft (nicht “gafeft” lesen, sondern gap-heft) erscheint noch im Dezember diesen Jahres. Darin wird sich angeblich diese Kolumne befinden. Und im Jan/Feb nächsten Jahres feiern wir unser 10-Jahres-Jubiläum. Hier wie immer der Vorabdruck – n’joy!

Die Kolumne
Hitzewallungen im Spätherbst stützen und stürzen noch einen Klimawandel

“Früher hieß das Viertel nämlich Sackstadt, aber seit der Arenabesetzung hat sich eingebürgert, das Attribut der Heiligkeit mit dem Theoriepatron des Kommunismus in ein Namensschild zu werfen – et voilá: St. Marx,” wollte mir Tante Brigitte neuerdings einreden. Das konnte und musste ich so nicht stehen lassen. Zumal Sackstadt St. Marx heißt, weil der einheimische Kirchenschutzpatron, seiner Zeichens Heiliger Markus, gerne im Endlaut verschliffen wird. Die Bezeichnung des Ortsteil rekurriert also durchaus auf sakrale und nicht auf politische Gebäude.

Dennoch obsiegt stets die Neugier, obskure Information will ja bloß verbreitet und frei sein, sondern in unserer post-aufklärerischen Zeit bis an ihren simulierten Ursprung zurückverfolgt werden. “Hat dir das einer deiner Punk-Ex-Lover erzählt, als du noch…” “Hör auf zu tippen, das gehört hier nicht in die Kolumne. Nein, ich hab dieses ungeprüfte Wissen von jemandem, der sich über 10 Ecken kennt. Dich übrigens auch, und mich über neun.”

Wüsste ich nicht um Brigittchens Vorliebe für die rein digitale Auswahl ihrer Beischlafpartner, hätte ich natürlich nicht sofort erraten, dass meine Tante über Social Networking Plattformen sprach. (“Ich hab schon Businesskasperl auf Open BC getroffen, da wird’s feucht im Mund! Und stell dir erstmal vor, diese ganzen leckeren Asiaten via Xing, völlig unvorbereitet auf Flirts mit Wiener Vamps! Wenn die doch endlich den Button ‚alle gutaussehenden Männer zu meiner Kontaktliste hinzufügen’ einbauen würden…”)

Aller Affirmation zum trotz schienen mir die zehn Ecken dennoch übertrieben, zumal doch Stanley Milgram mit seiner Small World Theory behauptet, jeder Mensch auf dieser unserer Erde kenne sich über sechs Ecken selbst. Oder jeder kenne alle sechs Ecken mindestens eines anderen Menschen, oder dass man mindestens sechs Menschen braucht, um eine Ecke zu überqueren. Derselbe Psychologe hat in einem noch viel berühmteren Experiment später dann auch paarweise elektrische Schläge an Teilnehmer ausgeteilt: und zwar solange, bis diese endlich zugaben, sich über höchstens sechs Ecken zu kennen. Damit galt er als Wegbereiter der modernen Psychologie. Später dann konnte ein gewisser Freud zwar nachweisen, dass die Stromkabel gar nicht richtig angeschlossen und die meisten Teilnehmer des Experiments arbeitslose Schauspieler waren, aber da hatte die Idee sich die Idee von der kleinen Welt bereits nachhaltig im Kleinhirn aller PM-Leser und gap-Leserinnen festgefressen.

“Jetzt hör endlich auf mit deinen Sexecken,” unterbrach Brigitte abrupt, “diverse Erlösungslehren behaupten, dass sich die meisten Menschen nämlich überhaupt gar nicht kennen. Da bringen die neuen Medien also schon unglaubliche Fortschritte in punkto Selbstkenntnis, auch wenn sie vorwiegend zur Hervorrufung und anschließenden Befriedigung unserer animalischen Bedürfnisse mißwendet werden.” “Deine Scharmoyanz übertrifft einmal mehr den Gipfel des Vorstellbaren,” seufzte ich hingerissen. “Charme, ok. Aber Scham und Larmoyanz?” hakte (huk?) sie erfreut nach. “Dass du mir missbilligendes Reflexionsvermögen und ein bildungssprachliches Lehnwort für sentimentale Rührseligkeit zutraust, ehrt meine Weiblichkeit.”

Achtung, Vegetarier: Experten erwarten für das nächste Sommerloch den Gammeltofuskandal. Diverse asiatische und vegetarische Lokale proben bereits für die große Welle der Empörung – nicht, dass ihr denkt, ihr kommt völlig ungeschoren davon!

Gesprochene Sprache durchsuchen

audioclipping betaTextdateien lassen sich problemlos durchsuchen und indizieren, während Multimedia-Inhalte wie Videos und Soundfiles bloss anhand des Dateinamens und allfälliger Metadaten auffindbar sind. Daran hat sich seit der Web-Steinzeit allen neuen Technologie zum Trotz nicht viel geändert. Doch bevor sich alle User endgültig an die Textwüste gewöhnt haben, präsentiert eine kleine deutsche Firma die Technologie für den großen Lauschangriff.

Spracherkennung stellt Algorithmen vor große Herausforderungen. Der umgekehrte Weg, die Sprachsynthese, kommt bereits seit Jahren zum Einsatz, etwa in automatisierten Telefon-Auskunftssystemen. Will man jedoch gesprochenen Text erkennen, so muss die Software mit einem breiten Spektrum von verschiedenen Tonlagen, Sprechgeschwindigkeiten, verschiedenen Hintergrundgeräusch und anderen Paramentern umgehen können – ganz zu schweigen von verschiedenen Sprachen.

Die Texterkennung von Songs gestaltet sich äußerst schwierig – muss der Computer doch erst einmal Musik- und Stimmanteile unterscheiden. Podcasts und Nachrichten jedoch bestehen meistens vorwiegend aus gesprochenem Content, und genau hier tritt die Audioclipping-Technologie der Firma Com Vision aus Mecklenburg-Vorpommern auf den Plan. Bis zu 85% Erkennungsrate erreicht das System nach Auskunft des Herstellers:

Zwar könne der Computer auch heutzutage kein druckreifes Protokoll schreiben wie ein Stenograf, räumt Mainka ein. Selbst die moderne Software verstehe nur 85 Prozent der gesprochenen Sprache korrekt. Ein Kunstgriff führe aber zum richtigen Ergebnis: “Wir suchen auch nach ähnlichen Wörtern”, erklärt der Cheftechniker. “Damit sind wir in der Lage, jede Textstelle wiederzufinden. [Spiegel online]

Die Analyse von 60 Minuten Sprache dauert dabei derzeit rund 8 Minuten. Auf Audioclipping.de indiziert Com Vision monatlich rund 15.000 Radiostunden und bietet eine Stichwortsuche mit kostenloser Trefferliste. Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele: neben PR-Heinis professionellen Medienbeobachtern und Suchmaschinenbetreibern interessieren sich auch bereits Archivare und natürlich stets von der Flut der mitgeschnittenen Telefonate schier erschlagene Geheimdienste. [via Ohr kauft mit]

WP-Plugin: Link Indication

WordPress-Plugin: Link Indication | Download
Funktion: Kennzeichnet mittels grafischer Symbole externe Links, fügt auf Wunsch bei allen externen Links target=”_blank” hinzu

Autor Michael Wöhrer über sein Plugin:

Das von mir geschriebene Plugin Link Indication kennzeichnet externe Links mit entsprechenden css-Klassen automatisch. Außerdem werden Links zu Wikipedia, IMDb, FTP, mailto und interne Links unterstützt. Weiter kann für externe Links target=”_blank” automatisch aktiviert werden. Die Auszeichnung erfolgt dabei zur Laufzeit, d.h. der Autor muss sich nicht darum kümmern.

Klingt simpel, bedeutet meiner Meinung nach jedoch einen großen Usability-Gewinn für jedes Blog: denn der User sieht auf eine Blick, ob ein Link zu einer externen Seite führt oder am Blog bleibt. Durch frei anpassbare URLs lassen sich für bestimmte Seiten spezielle Symbole anlegen. Wer also häufig auf die gleiche Webseite wie zB Wikipedia oder del.icio.us verlinkt, der kann für diese URLs spezielle Grafiken vorsehen.

Die Installation verläuft recht problemlos: nach dem Upload des Plugins werden dem CSS-File des eigenen Themes einige Zeilen Code hinzugefügt, anschließend müssen nur noch die gewünschten Icons ins Image-Verzeichnis des aktuellen Themes geladen werden. Praktischerweise stellt der Autor auf der Downloadpage gleich eine recht umfangreiche Sammlung passender Icons zur Verfügung. Konfiguriert wird Link Indication vollständig über die zugehörige Optionen-Seite: neben der Zuordnung der Grafiken kann man hier auch einstellen, ob das Plugin nur innerhalb von Beiträgen oder auch in Kommentaren wirksam werden sollen.

Außerdem trifft der Blogbetreiber hier die Entscheidung über das umstrittene _blank-Attribut. Damit öffnen sich alle externen Links in einem neuen Fenster bzw. neuen Tab. Das W3C Konsortium empfiehlt zwar, dieses Attribut nicht mehr einzusetzen, da die Wahl dem User überlassen bleiben soll. Da ich selbst beim Surfen die Neues-Fenster-Variante eindeutig bevorzuge, schließe ich mich den _blank-Rebellen an und freue mich über diese nützliche Zusatzfunktion, die das händische Eintippen für jeden weiterführenden Link komplett erspart.

Das Plugin kommt auf datenschmutz seit einiger Zeit zum Einsatz – so sieht das Ergebnis für verschiedene Links aus:

interner Link | externer Link | wikipedia-link

gaposlovakia @ Dondrine #1

gaposlovakia FlyerAm kommenden Dienstag zelebrieren die gaposlovakia DJs zum ersten Mal in der Dondrine ihren Slogan: Pro nekonformni Diskoteky. Um in den Worten von Didi Bruckmeyer zu sprechen: This is just a little warning from for the pimps! Ab sofort brennen wir die Kirchengasse 20 jeden letzten Dienstag im Monat nieder – mit Beats und Clickz und Katz Cuts natürlich, rein metaphorisch.

Bei der Dondrine handelt sich’s um ein Abschiedsgeschenk der Mouse-on-Mars, das sie hier in Wien in der Kirchengasse vergessen hat.
7. Bezirk, Kirchengasse 20. Zwischen 21 und 2 Uhr. Expect ‘lectronic madness von IDM über Dub bis Hardcore Techno.

Timetable:
21:30-23:00 Terence Repeat-Until [gaposlovakia, Leitstrahl]
23:00-0:30 noxukao [gaposlovakia, crystal-matters]
0:30-2:00 Paul Raal [gaposlovakia]

 

gaposlovakia Flyer

GAPOSLOVAKIA was born way long time ago – some say, the crew is older than the sun, moon and stars. Even though it’s virtually impossible to find out any actual facts of it all, GAPOSLOVAKIA have proven many times that they are not only hard edged workhorses, but also that they enlighten people like fire in the most ideolotical way.
Beats are here for all, and we came to distribute them. If you’re not believing there is no return from the inner regions of GAPOSLOVAKIA tundra.

gaposlovakia auf myspace
die dondrine

Potentielle Startseite: Original Signal

OS ScreenDie Google-Suche findet ohnehin in der Toolbar ihren Platz – kein Grund also, dem großen G die Startseite zu überlassen. Originalsignal.com hat sich ganz der Syndikation “primärcontentgenerierender” Seiten verschrieben und gerade einen Relaunch hinter sich. Die Hauptthemen (Web, Technology, World, Business, Enterntainment) sind in Subportale unterteilt, das Listen-Layout sorgt für rasche Übersicht.

Integrierte Social Tools (most popular headlines), Widget- und Mobile-Kompatibilität und die unvermeidbaren RSS Feeds runden das Angebot ab, denn OriginalSignal.com möchte sich dem User als Startseite schmackhaft machen. Wer auf die üblichen Reuters-Styles verzichten kann, einen Faible für zarte Farben und meine Menge Information auf einen Blick erfassen kann, der sollte einen genaueren Blick auf die Seite werfen. Die Reihenfolge der Listen lässt sich frei einstellen und wird via anonymen Cookie gespeichert – Login Funktion ist zumindest derzeit keine vorgesehen – und auch nicht nötig.

OriginalSignal.com

[via bloggingpro]

WP-Plugin: Maintenance Mode

WordPress Plugin: Maintenance Mode | Download
Funktion: Aktivieren eines “Wartungsmodus”: während Updates durchgeführt werden, können nur Admins auf das Blog zugreifen, alle anderen User sehen eine einstellbare Nachricht.

Es gibt Momente, da muss selbst das aktivste Blog mal kurzfristig pausieren: wer Software-Updates einspielt, an seinen Templates bastelt oder kleinere Umbauarbeiten nicht im Livebetrieb durchführen will, dem sei das Wartungs-Plugin empfohlen. Plugin-Autor Michael Wöhrer hat die perfekte Lösung parat: Nach der einfachen Installation und erstmaligen Aktivierung werden zuerst die Optionen eingestellt: konkret die wahlweise ein- oder zweisprachige Nachricht, die Besuchern mitteilt, dass das Blog derzeit gewartet und nach x Minuten wieder erreichbar sein wird.

Weiters legt man den Userlevel fest, der notwändig ist, um auch während einer Wartungspause auf das Blog zuzugreifen. In der Regel wird man diese Einstellung bei “Admin” belassen, allerdings kann man auch problemlos zB allen Autoren weiterhin Zugriff gewähren. Zusätzlich lassen sich hier bestimmte Pfade definieren, auf die auch während der Wartungspausen weiterhin zugegriffen werden kann. Sind die Updates abgeschlossen, wird das Plugin deaktiviert, und die Welt kann wieder mitlesen.

Die auf den rollenbasierenden Recht aufbauende Architektur des Plugins zeigt sich sehr gut durchdacht: so steht zugriffsberechtigten Usern während der Wartungspause nicht nur das Backend, sondern auch das komplette Frontend uneingeschränkt zur Verfügung – wichtig, um diverse Updates gleich live zu begutachten.

Kuler: so macht Farbwahl Spaß

KulerAdobe.com veröffentlichte eine neues Online-Tool: Kuler ist ein Color-Picker, der selbst weitgehend farbenblinden Webmaster die Zusammenstellung eines passenden Schemas gewaltig erleichtert: im Modus “Create” wählt man eine Basisfarbe und eine zugehörige “Regel” aus der Farbenlehre wie komplentär, monochrom etc. – der Algorithmus erstellt zur Ausgangsfarbe automatisch vier weitere Vorschläge, die in Summe ein Fünfer-Farbschema ergeben.

Wer seiner eigenen Wahrnehmung vertraut, der kann jede Farbe mittels komfortabler RGB-Schieberegler einzeln nachjustieren. Gefällt das Ergebnis schließlich, so speichert man die resultierende Kombination unter einem selbstgewählten Namen ab und versieht sie mit passenden Tags. Wie sich’s in Zeiten von Social Web gehört, hat Adobe eine Abstimmungsfunktion integriert – basierend auf deren Ergebnissen präsentiert Kuler die beliebtesten Schemata auf einen Blick.

Wer nach Theorie dürstet, der findet bei den weiterführenden Links einführende Texte zu den farbtheoretischen Grundlagen. Will man sich das relativ mühsame Übertragen der Farbwerte via copy-paste (wahlweise als HSV, LAB CMYK, RGB oder Hex) ersparen, muss man sich registrieren und kann fortan seine Kuler-Daten zur direkten Verwendung in Adobe Creative Suite 2 Anwendungen downloaden. Die komplette Kuler-Applikation wurde in Flash realisiert und zeigt, dass für eine ganze Reihe von Aufgaben anstatt lokaler Software zukünftig wohl verstärkt smarte Online-Applikationen zum Einsatz kommen. [via nonsmokingarea]

Amazon Noir – Interview mit Hans Bernhard

Amazon NoirIn ihrer aktuellen Aktion verwendeten die bekannten Netzkünstler UBERMORGEN.COM die “Search-Inside-the-Book” Funktion von Amazon.com, um komplette Bücher von der Webseite des Online-Händlers zu spidern und “in ihr traditionelles Interface zu überführen”. Verpackt in einen klassischen Krimiplot der vierziger Jahr trägt die Aktion den Titel Amazon Noir.
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Archiv aller Browserversionen

Mehr Browser, als die Internetpolizei erlaubt – naja, nicht gerade die Internetpolizei, aber zumindest die Standardisierungsgremien. Wer dennoch schon immer mal der Frage nachgehen wollte, wie FlickR im 16-Bit-Netscape Navigator 0.4 gerendert wird, dem sei dringend ein Besuch des Browser Archives empfohlen. Von “A” wie Air Mosaic Demo bis “W” wie World Wide Web Nexus von Tim Berners-Lee* findet sich dort eine Menge Software, die in den letzten 15 Jahren Webseiten dargestellt hat.
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openBC wurde Xing…

…und behauptet zumindest dem Namen nach nicht mehr, “open” zu sein. In diversen Blogs wurde disktuiert über Prös und Cöns des neuen Designs; soweit ich bei rascher Durchsicht sehen konnte, sind die Funktionalitäten völlig gleich geblieben. Und die Logik der Geschlossenheit ebenfalls.

Diverse Diskussionen, ob Xing denn nun eine Web 2.0 Applikation sei, scheinen ziemlich müssig angesichts der Tatsache, dass die größte Business-Community der Welt nun einfach nur ein wenig anders aussieht. Wenn, dann ist openBC/Xing wohl so etwas wie die Antithese zu Web 2.0:

  • Registierung und Account sind gratis.
  • man kann Kontakte verwalten, ein Profil anlegen, wird gefunden.
  • das war’s dann auch schon mit “socializing”.

In weiterer Folge bleibt nur die Premium-Mitgliedschaft, und die funktioniert deshalb, weil der Umfang der Free-Version sowas von eingeschränkt ist, dass von sinnvoller Benutzung eigentlich keine Rede sein kann. Größtes Ärgernis: die Plattform erlaubt das Versenden privater Messages, wie sie auf jedem Diskussionsforum üblich sind, nur den zahlenden Mitgliedern.

Die einzige Qualifikation des Netzwerks liegt in der beträchtlichen Zahl der Mitglieder – und falls man als Non-Premium-Member jemanden kontaktieren möchte, der seine E-Mail Adresse nicht freigegeben hat, dann bleibt immer noch das Gästebuch. So der potentielle Geschäftspartner dieses denn aktiviert hat – das nenn’ ich doch ein Bekenntnis zu öffentlicher Kommunikation. Ob dieses Konzept restlos aufgeht, bleibt allerdings fraglich: meinen rund 150 Kontakten hab ich gestern den ersten Premium-User hinzugefügt.

Xibupfoao (Xing, the business platform formerly known as openBC)

Edit, 22.11.: Der Werbeblogger findet die doch recht gravierende Veränderung der Benutzerführung bei des Kaisers Xing neuen Kleidern minder gelungen, Bloglevel 21 zeigt ebenfalls wenig Freude über das neue Design.

CD-Review: Marsmobil – Minx

Minx-CoverMit Minx vereint Roberto Di Gioia Rück- und Vorwärtsgewandtheit zu einem Sammelsurium organischer Klänge, das beiden beteiligten Labels zu höchster Ehre gereicht: denn die Klangteppiche, sich hier ausbreiten, sind von bester Qualität und äußerst feinmaschig gewoben. Marsmobil bedient sich zwar stilsicher und kenntnisreich an der trashigen Klang-Ästhetik der 60er und 70er Jahre Synthies, führt diese allerdings mit kontemporären Produktionsmitteln und einem außergewöhnlichen Gespür für Songwriting fort. Weiterlesen

Ein Blog ist ein Blog ist ein Blog

Unlängst hab ich im Publizistikforum in meiner Funktion als datenschmutz Marketing-Manager Werbung gemacht für’s Stereotyp Gewinnspiel – dabei kam dann eine kleine Diskussion über die generelle Sinnhaftigkeit von Blogs raus.

Wer selbst ein Blog schreibt, sieht die ganze Thematik wohl durch eine gefärbte Brille, die äußere Form “Blog” allerdings tendiert durchwegs dazu, Aversionen auszulösen, unübertrefflich konzise zusammengefasst von Userin Sumsie:

blogs sind für mich sinnfrei

Die Kommunikationswissenschaft ist sich dazu wie meist vorerst unschlüssig – ins klassische One-to-Many Modell samt seinen regulatorischen Rahmenbedingungen (besonderer rechtlicher Status von Journalisten, Pressefreiheit etc…) passen Web-Strukturen ohnehin nicht mehr. Darkguy von Kuntradio formuliert das so:

[…] Auch im Rahmen des Studiums wird man ja immer mehr mit der Thematik konfrontiert und es gibt enormen Streit darum wie journalistisch brauchbar ein Blog ist – aber kaum jemand differenziert hinreichend.

Ein Systematikum der traditionellen Medien ist jener Bereich, den man als “Sorgfaltspflicht” des Journalisten bezeichnet – der gesamte Komplex seiner Verpflichtungen, sein möglichstes zu tun, um den Wahrheitsgehalt der von ihm verbreiteten Informationen zu überprüfen. Die Medien als vierte Macht und Kontrollinstanz der Demokratie liefern in der Therie den Schmierstoff für’s reibungslose Funktionieren der Demokratie*.

Die Unterscheidung zwischen Massen- und Individualmedien spielt historisch eine bedeutende Rolle in dieser Konstruktion: auch wenn Bert Brecht in den dreißiger Jahren ein Zweikanal-Radio forderte, es sollte immerhin bis zur Jahrtausendwende dauern, das Versprechen nach “Empowerment” der passiven Rezipienten auf technischem Wege zu realisieren**. Die resultierende Bandbreite an kommunikativen Strukturen und Inhalten lässt sich allerings nicht über einen Kamm scheren, wie Darkguy fortsetzt:

Es ist ein Unterschied, ob es eben ein “Befindlichkeitsblog” (das Wort kannte ich gar nicht, umschreibt es aber ziemlich gut) ist, in dem Lieschen Müller ihre Katze vorstellt, ob es sich quasi um einen Berufsblog (ist ja auch gerade in der IT-Branche sehr beliebt, zB Entwickler die über den aktuellen Entwicklungsstand ihrer Projekte bloggen) handelt, oder ob Online-Medien relevante Zeitgenossen quasi weil es hip ist ihre Kommentare in Blog-Form publizieren lassen. Dann gibt es noch Blogs von Privatpersonen, die teilweise interessante Beiträge schreiben die nichts mit deren Privatleben zu tun haben, und die je nach eigenem Interessensschschwerpunkt sehr interessant sein können.

Ich möchte dem noch hinzufügen: nicht zuletzt dank “geschickter” Verlagspolitik und immer engerer Verquickung von Werbung und redaktionellen Inhalten kämpfen traditionelle Massenmedien mit einem Glaubwürdigkeitsproblem. Die sogenannten “Informationsleistung” hat sich wirtschaftlichen Interessen nicht nur einmal unterzuordnen. Ich denke, die wenigsten Blogger (so sie einen gesunden Sinn für Realität besitzen) gegen ihrer Tätigkeit aus primär ökonomischen Erwägungen nach, und ich lese täglich die großteils erfreulichen Auswirkungen dieses Settings auf die Berichterstattung. Insofern hab ich dem Fazit Darkguys auch wenig hinzu zu fügen:

Inwiefern ein Blog für den einzelnen relevant ist kommt also auf die Thematik und den/die AutorIn an, weniger ob jetzt in Form eines Blogs, eines Kommentares oder eines Artikels publiziert wird.


*) Für eine komprimierte Darstellung dieser historischen Entwicklung und Theorierichtung siehe Noelle-Neumann/Schulz: Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation, Frankfurt 1994

**) Ich würde gern mal Friedrich Kittler on Blogs lesen, Stichwort: Materialitäten der Kommunikation

Blogistan-Rückblick KW47

Windows-Vista vs. Linux – längst kein ideologischer Streit mehr: Fadi Dorninger erklärt sehr anschaulich den elendigen unglaublich anstößigen Punkt 5 der EULA (End User License Agreement) zu Windows Vista: wer von XP nicht auf Linux umsteigt, ist selber schuld, aber Aufklärung tut not. Wir ahnten ja schon länger, dass Open Source eine runde Sache ist – eine brandneue Studie des Fraunhofer Instituts bestätigt nun hochoffiziell, dass die meisten IT-Verantwortlichen an Kosteneinsparungen durch freie Software glauben. Nein, es handelt sich keineswegs um eine doppelte Nullaussage: erstens ist nicht a priori gesagt, dass Gratis-Software auch weniger IT-Kosten bedeutet. Immerhin kauft man mit kommerziellen Produkten ja auch Support und Schulungen ein. Zweitens: glauben heißt in diesem Fall eben auch entscheiden, somit zeigt diese Studie in erster Linie vor allem rapide abnehmende Skepsis gegenüber quelloffener Software – sowohl im KMU-Sektor als auch im Bereich der öffentlichen Hand. Fein. [via contentschmiede]

Wochenthema aus der Sektion “Gambling Hardware”: der multiple Release der Sony Playstation 3 in Amerika und Asien, Europäer müssen sich noch bis März gedulden – oder auf ebay mitbieten – was sind schon knapp 2 1/2 tausend Dollar für ein wenig digitalen State-of-the-Art Spaß? Ebenfalls neue Kleider trägt der Kaiser der Businesskontaktbörsen: goodbye openBC, hallo xing. Wie das “Knüpfen internationaler Kontakt einfacher werden soll”, darauf bin ich allerdings sehr gespannt.

Peter hat die Zukunft des Unterhaltungsfernsehens gesehen: Standard IT Procedures. Prädikat: potentielle neue Lieblingsserie. Und zuletzt eine Warnung vor “the man”: wer mit dem Handy unterwegs ist, kann ganz genau geortet werden, von jedem und überall: Handy-Positionen orten. Schon erschreckend, wozu Nationalstaaten in der Lage sind, nicht wahr? A propos: das käme dabei raus, wenn Locals Landesflaggen “überarbeiten”. [via werbeblogger]

Periodensystem der Elemente de luxe

PeriodensystemIn unserem Oberstufen-Chemiebuch seinerzeit zierten die guten alten Elemente in klassischer Darstellungsweise die Innenumschlagseite. Unser Lehrer säte gleich zu Beginn Misstrauen gegen verbrieftes Wissen, denn er hat uns sofort erklärt, dass die Chemie eine recht fluide Wissenschaft ist, Annahmen ständig revidiert werden und auch die Maßzahlen im Peridodensystem dauerender Verfeinerung dank neuer Erkenntnisse und Messmethoden unterworfen sind. Und dass die Messwerte in unserem Buch spätestens nach dem Komma bloß historisches Wissen vermittelten.

Später während des Physikstudiums hörten wir dann von Prof. August Hengge denselben Stoff auf Uni-Niveau, während unser Ex-Physik Prof, der großartige Dr. Jäger, uns gleich zu Beginn klar machte, dass die Physik gerade dabei sei, die Chemie von der Grundlagen- hin zur Anwendungswissenschaft zu transformieren. Wie dies? Die Teilchenphysik erklärt mittlerweile chemische Reaktionen. Die Bausteine der Atome interagieren nach einem wohl nie ganz zu enträtselnden Masterplan, aber der Physik ist’s gelungen, einige Ausschnitte davon mittels schlüssiger Erklärungen zu modellieren. Zumindest die anorganische Chemie wird damit zu einer Publizistik unter den Naturwissenschaften: Man forscht, aber die Erklärungsmodelle liefern andere.

Doch was ich eigentlich sagen wollte: Chemie hin, Physik her: Popscience stellt der interessierten Öffentlichkeit einen wunderschönen Periodic Table of the Elements online zur Verfügung, der sich vor allem durch fotografische Abbildungen fast aller Grundstoff auszeichnet. Nawikunst, quasi.

Willkommen auf unserem Planeten, Interface aus der Zukunft!

Derzeit arbeite ich für die die Februar-Ausgabe von the gap an einer Story über digital dj-ing. Konkret geht’s dabei um den Wandel des Interfaces: simulierten die ersten DJ-Programme noch zwei “klassische” Turntables, verlassen neue Produkte wie Musikmeister diese Metapher und führen ein sequencer-artiges Interface ein; dieser Interface-Wandel wird elektronische DJ-Sets stark verändern, so meine Arbeitshypothese.

Gerade eben hab ich allerdings auf youtube ein faszinierendes Video gesehen – gegen dieses Interface sehen Traktor und Co. ganz schön alt aus. Damit lassen sich zwar keine Tracks verlegen, sondern ein berührungssenstiver Tisch dient als haptische Bedienoberfläche und Sensor für darauf platzierte Gegenstände, welche die Funktion von Klangerzeugern, Effektgeräten etc. einnehmen. Mit anderen Worten: es handelt sich um einen unglaublich flexiblen Klangerzeuger Das sieht dann so aus:

YouTube Preview Image

[via dreggsblog]