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Die Kolumne #73 (Jan 2007)

18.01.2007, geschrieben von , 1 Kommentar

Die Gnadenfrist des zwei­mo­na­ti­gen Erscheinungsrhythmus ist vor­über — the gap erscheint ab 2007 näm­lich monat­lich. Jeder Redakteur wurde auf­ge­for­dert, seine Manuskripte von ein– auf zwei­fa­chen Zeilenabstand zu ändern, damit sich das con­tent­mä­ßig auch schön aus­geht. Et voila — hier die erste von 12 2007er Kolumnen — sie erscheint in unse­rem 10-Jahres-Jubiläumsheft, in Stores ab Anfang Februar.

Die #73
Es gibt kein Außen im Innen

An die­ser Stelle hätte schon längst in aller Deutlichkeit gesagt wer­den müs­sen: Daredevil* in sei­ner ein­zig­ar­ti­gen Randständigkeit trägt den Superheldenstatus mit der Würde eines Alfred Gusenbauer und ver­si­chert sich selbst und der Zuhörerschaft stets aufs Neue: “Ich bin nicht der Böse!”

Denn die Studiengebühren decken immer­hin die Kosten ihrer Eintreibung, was man so von den Eurofightern ver­mut­lich nicht behaup­ten kann. Nur der Volkswirtschaftler wird hier­zu­lande Bildung zukünf­tig noch als meri­to­ri­sches Gut bezeich­nen. Theoretisch. Es fliegt, es fliegt… der freie Zugang auf die Uni… denen in den Schoß, die gern per Sozialarbeit für sechs Euro pro Stunde die für­sorg­lich vor­aus­be­zahl­ten 360 Euros wie­der abar­bei­ten möch­ten. Ich musste dabei wei­ger­lich an die Stories von Tante Brigitte den­ken. Die ver­brachte in den 80ern jede freie Woche vor­zugs­weise in kom­mu­nis­ti­schen Albanien, wo einem die Regierung nun wirk­lich wenig Anlass gab, sich als Tourist zu füh­len: wer ein Visum erhal­ten wollte, musste sich dazu ver­pflich­ten, halb­tags am Bauernhof den Einheimischen bei agra­ri­schen Hilfstätigkeiten zur Hand zu gehen.

Praktische Arbeit kann eben gar nicht hoch genug bewer­tet wer­den: unsere Studentengeneration, die the gap vor 10 Jahren quasi noch locker neben dem, wenn nicht gar wäh­rend des Vorlesungsbetrieb(es) aus der Hüfte geschos­sen hat, musste weder Studiengebühren bezah­len noch Zwangsfron leis­ten, obwohl einer unse­rer dama­li­gen Chefredakteure sogar Fronhofer heißt. Wir lun­ger­ten ein­fach nur den gan­zen Tag vor den Colaautomaten im Neuen Institutsgebäude rum und war­te­ten dar­auf, dass ein ver­wirr­ter ange­hen­der Theologe 10 Schilling ein­warf, dann aber noch vor dem Knopfdruck gehetzt zur nächs­ten Glaubensprüfung enteilte.

Ein Inländer-Rum befüll­ter Flachmann fand sich stets, und so ver­brach­ten wir die ers­ten fünf, sechs Semester stän­dig leicht bedu­selt vor den schwe­ren Holztüren des Hörsaals NIG3 und dach­ten uns unsere Pamphlete über west­ös­ter­rei­chi­sche Indiepopper und nord­deut­schen Hip Hopper aus, berich­te­ten zwi­schen­durch über Veranstaltungen, die wir angeb­lich auf­ge­zo­gen hät­ten und erschnorr­ten uns jedes Rezensionsalbum ein­zeln. Erst viele Jahre danach soll­ten wir ins eigene Penthouse-Büro ein­zie­hen, und noch viel spä­ter unser ers­tes ech­tes Interview füh­ren — mit den Magazingründern Thomas und Manuel, es erscheint, glaube ich, in die­sem Heft.

Nein, natür­lich alles nur Mythenbildung: selbst­ver­ständ­lich steckt hin­ter the gap genau wie in die­ser Kolumne bein­harte, berech­nende Knochen– und Zwerchfellarbeit. Hart stra­pa­zierte Tastaturen, Beziehungen, Gummidichtungen, Digitalkameras und Diktiergeräte spre­chen eine deut­li­che Sprache, und die nächs­ten zehn Jahre Popgeschichte brau­chen schließ­lich auch wie­der ihre Chronisten — sonst wer­den sie am Ende nie pas­siert sein. Und daran möch­ten wir nun wirk­lich nicht schuld sein.

***

Das Wort des Monats fand sich an einer uner­war­te­ten Stelle: in einer Werbebroschüre für Lebensmittel ita­lie­ni­scher Provenienz, gar nicht gut ver­steckt im Kästlein mit den obli­ga­to­ri­schen Abnehmetipps: “Essen Sie Ihre Pasta stets al dente! Je wei­cher die Nudeln gekocht sind, umso höher und somit nega­ti­ver ist die in ihrem Körper.” Gewiss ein fas­zi­nie­ren­des Phänomen, mit dem der geneigte Pastafan so womög­lich nicht gerech­net hätte. Wie leicht kann sowas in schlank­heits­be­wuss­ten Zeiten zum Trend wer­den — und kon­se­quent ser­viert unser ita­lie­ni­scher Lieblingskellner die Spaghetti Carbonara zukünf­tig nur noch unge­kocht, um jeg­li­che unnö­tige zu ver­mei­den. Wer jedoch die ganze Nacht tan­zen möchte, braucht kein Guarana mehr: er ste­cke sich ein­fach ein Fläschen Nudelbrei ins Partygebäck: Wachheit bis in die frü­hen Morgenstunden garantiert…


* Eine Ausnahmeerscheinung im ame­ri­ka­ni­schen Marvel-Universum: der blinde Superheld, der kämpft wie ein Ninja und sich aus­schließ­lich mit­tels sei­nes Sonars und sei­nes über­durch­schnitt­li­chen Hörvermögens ori­en­tiert. Er ist der.… Schutzteufel!

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Bisher haben meine Lieblingsleser 1 Kommentar zu "Die Kolumne #73 (Jan 2007)" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • phrank Identicon Icon
    phrank sagte am 22. Januar 2007 um 20:18

    Der Term “Energieanflutung” hat tat­säch­lich das Zeug zum Kultwort, wusste gar nicht, dass sowas in der Pasta steckt. In fer­nen Zeiten nannte man das Phänomen schlicht “Sättigungsbeilage”

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