UPDATE: Alfred Worm verstorben

Österreichs „Aufdecker der Nation“ ist in der Nacht von gestern auf heute unerwartet verstorben, wie der ORF berichtet. Herzprobleme waren der Grund für das Dahinscheiden der Journalistenlegende im 62. Lebensjahr. Seine Berühmtheit gründete sich auf die Überzeugung, dass Journalismus weit mehr tun müsse als nur Pressemeldungen abzuschreiben, dass nur mit sorgfältiger Recherche und viel Eigeninitiative die Medien zur vierten Gewalt in der Demokratie werden und als Korrektiv funktionieren könnten.

Investigativen Journalismus nennt man das Feld, in dem Herr Worm vor allem durch die Aufdeckung der Schmiergeldaffäre im Zusammenhang mit dem Bau des Wiener Allgemeinen Krankenhauses bekannt wurde. Sabrina hat einen Nachruf verfasst, aus dem hier zitiere:

ich durfte alfred worm einmal in einer lehrveranstaltung am institut für publizistik erleben. seine leidenschaft für den beruf, sein mut, den dingen auf den grund zu gehen, nicht locker zu lassen und für die eigene meinung zu kämpfen, auch wenn sie polarisiert, waren sehr beeindruckend. als jahrelanger chefredakteur von „news“ war ihm die unvereinbarkeit von wirtschaftlichen zwängen und qualitätsjournalismus durchaus bewusst, dennoch hat er sich immer bemüht, dass trotzdem das möglich beste dabei herauskommt. erst vor kurzem wurde er zum in einer gala als „journalist des jahres 2006“ ausgezeichnet.
der österreichische journalismus verliert einen herausragenden vertreter. was bleibt ist sein vermächtnis, themen trotz zeitdruck nicht nur oberflächlich zu behandeln und wenn es nötig ist auch mal jemanden auf die füße zu treten. zumindest starb er so, wie es sich wohl jeder wünschen würde: er schlief in seinem bett ein und wachte nicht mehr auf.

Update: Am Österreich-Blog der Zeit veröffentlichte Florian Klenk einen kurzen, aber sehr treffenden und berührenden Nachruf:

Manchmal saß er auch unten im Café in der Wiener Marc Aurelstraße, wo einst das profil und heute noch der Falter beheimatet sind. Wenn dem kleinen Falter ein journalistischer Coup gelang, dann streckte er den Daumen nach oben und gratulierte . Das machte stolz. Weil Alfred Worm soetwas wie ein public watchdog der unterentwickelten österreichischen Demokratie war.
Seine persönliches Drama war, dass er seine letzte Heimat nur bei News finden konnte und wollte. Die Zeitschrift schlachtet heute auf ihrer Webpage sogar seinen Tod aus.

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