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FilmKritik: Pulse

20.02.2007, geschrieben von , Keine Kommentare

Bei “Pulse” han­delt es sich um das Remake des in Korea rela­tiv erfolg­rei­chen Thrillers “Kairo” — oder, bes­ser gesagt, des­sen euro­päi­sche Adaption. Die Rezension erscheint in leicht gekürz­ter Form im Ray Kinomagazin, Februar 2007. Kurzfassung für Eilige und Klickfaule: ich hoffe, die Rezension ist unter­halt­sa­mer als der Film. Denn um den durch­zu­ste­hen, braucht man hohe Langweileresistenz.

Regie: Jim Sonzero Kamera: Mark Plummer Drehbuch: Wes Craven, Ray Wright Schnitt: Robert K. Lamber, Bob Mori, Kirk K. Morri Musik: Elia Cmiral Produktion: Michael Leahy, Daniel S. Levine, Stephen Maloney u.a. Special Effects: Kevin Carter, Hosh Hakian Darsteller: Kristen Bell (Mattie Webber), Ian Somerhalder (Dexter McCarthy), Christina Milian (Isabell Fuentes), Rick Gonzalez (Stone), Jonathan Tucker (Josh Ockman), Lamm Levine (Tim Steinberg), Ron Rifkin (Dr. Waterson) pulsethemovie.net

Allfällige Ängste vor zell­schä­di­gen­der Wirkung diver­ser Strahlungsquellen sind Kinkerlitzchen gegen die Schrecken jener elek­tro­ni­schen Frequenz, mit der die Protagonisten von Pulse die hung­ri­gen Geister der Verstorbenen beschwören.

Ein über­ta­len­tier­ter und expe­ri­men­tier­freu­di­ger Hacker fängt sich einen aus­ge­spro­chen selt­sa­men Computervirus ein, der los­ge­löst von jeg­li­chen phy­si­ka­li­schen Gesetzen nicht nur ver­netzte Rechner, son­dern auch gleich Handys, Fernseher und über­haupt so gut wie jedes elek­tro­ni­sche Gerät befällt. Bald stellt sich her­aus, dass kein übereif­ri­ger Nerd am Werk war, son­dern die Toten einen Weg gefun­den haben, in die Welt der Lebenden zurück­zu­keh­ren, und die­ser Ausflug soll keine Butterfahrt wer­den: vam­pirar­tig sau­gen sie ihren Opfern direkt und blitz­schnell die Lebenskraft aus, wor­auf diese ent­we­der Suizid bege­hen oder wahl­weise nach weni­gen Tagen zu Asche zer­fal­len. Was als hor­ri­ble Randepisode im klei­nen Kreise eini­ger befreun­de­ter Studenten begnnt, wei­ter sich schon bald zu einer natio­na­len Krise aus, die schließ­lich im Rückzug der Zivilisation in die Natur endet — die Städte gehö­ren der Invasionsarmee, gegen die kein Kraut gewach­sen scheint. Denn wie schon Michael McManus als Brunnen-G Kai in “Lexx” wusste: “You can’t kill a dead man.”

Auf der Habenseite des Films stünde also eine eigent­lich aus­bau­fä­hige Story mit hohem Zeitgeist Faktor. Stünde — denn jeg­li­ches Potential für gepfleg­ten Grusel ver­spielt der Film durch den voll­stän­di­gen Verzicht auf eigen­stän­dige Ideen und fes­selnde Rhythmik. Fairerweise muss aber ange­merkt wer­den, dass es sich bei “Pulse” um das Remake des süd­ko­rea­ni­schen Thrillers “Kairo” aus dem Jahr 2001 han­delt. Einfach nur von einem miss­lun­ge­nen Kulturkreis-Transfer zu spre­chen, griffe den­noch wesent­lich zu kurz: zwar bezieht “Kairo” seine Spannung aus sub­ti­le­ren dra­ma­tur­gi­schen Methoden als das Remake, die über­aus dröge Grundstimmung des Originals und die gera­dezu him­mel­schrei­end lang­wei­lige, weil völ­lig vor­her­seh­bare Inszenierung des Schreckens haben aber durch­wegs beide Filme gemein­sam. Kein Wunder also, dass Pulse über weite Passagen wie eine unfrei­wil­lige Genre-Parodie wirkt.

Diese zwei­fel­hafte Komik speist sich aus einer post­mo­de­ren Tour-de-Force durch die jün­gere us-amerikanische Horrorfilmtradition: die pani­sche Hilflosigkeit von Scream gepaart mit dem Techno––Faktor von “The Ring” (hier lau­fen die mys­te­riö­sen Visuals eben auf einem Computerscreen statt von VHS) ergibt aber bloß ein lang­wei­li­ges Amalgam, dem selb­stän­di­ges Profil fehlt — das hat sich der Regisseur wohl spä­tes­tens beim Schnitt eben­falls gedacht. Und der Versuch, diese Mängel mit dem Über­stra­pa­zie­ren von bil­li­gen Lautstärke– und Schockeffekten zu kom­pen­sie­ren rückt die dra­ma­tur­gi­schen Mängel bloss noch deut­li­cher in den Vordergrund.

Das miss­lun­gene Kabinett des digi­ta­len Schreckens hat zwar auch seine guten Momente, die jeder IT-Nutzer aus dem eige­nen Leben kennt: etwa wenn der Hauptdarsteller die ver­meint­lich rich­tige Antivirus-Software in den Mainframe-Rechner ein­spielt und das Problem kurz­fris­tig gelöst scheint — bis zum nächs­ten Reboot. Dennoch weist die durch­schnitt­li­che Anti-Viren Homepage höhe­ren Unterhaltungswert auf als “Pulse”.

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