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Sind Chip und Google etwa keine Vertrauensperson?

Total Google Control

Total Google Control„Trusted Computing“ bedeutet übersetzt „Vertrauenswürdiges Rechnen“, oder noch besser „ehrenwerte Datenverarbeitung“, das hört sich doch gut an. Marketing-Labels schmeicheln dem Ohr, das liegt in ihrer Natur. Nicht nur in diesem Fall gilt aber: süßer die Botschaft nie klang, doch das Fertigprodukt enthält keine Vitamine mehr und kann zu schweren Vertrauensstörungen führen. Wird nun „do-no-evil“ Google das neue TCPA und MS in Firmenunion?

Filesharing, Contentswapping und offene Lizenzen: die Inhaltsindustrie find sich im Sog eines Malstroms, der ihr gar nicht schmeckt. Die verlorene Kontrolle will man mit Hilfe Friedrich Kittler’s 8. Muse* techné rückerobern. Alle Computer inklusive PDAs, Handys, Waschmaschinen und was sonst noch König Content wiedergeben kann, sollen zukünftig ab Werk mit einem kleinen Chip geimpft werden. Dagegen regte sich schnell Widerstand – und Benjamin Stephan und Lutz Vogel drehten vor ein paar Jahren einen sehr instruktiven Lehrfilm. Mittlerweile ist die TCPA Geschichte – das Gremium erwies sich letzlich als Fehlentwicklung und tat das, was man eben in einem solchen Fall macht: es gab sich einen neuen Namen.

Aufgrund des Veto-Rechts aller 200 Mitglieder erwies sich die TCPA als nicht handlungsfähig. Als Konsequenz wurde im April 2003 die offizielle Nachfolgeorganisation Trusted Computing Group (TCG) gegründet, die die bis dahin geschaffenen Spezifikationen übernahm und ihre Weiterentwicklung fortführt. (wikipedia]

Damit konnte man immerhin die Besitzer der Domain www.againsttcpa.com überlisten und die Arbeit in Ruhe fortführen – beziehungsweise Google interferierenden Filmemachern überlassen.

Eine brandaktuelle Produktion [via Spreeblick] ortet die kontemporären Datengefahren nämlich nicht im Chip, sondern im Netzeinstieg und widmet sich einer kritischen Betrachtung des Masterplans unserer Lieblingssuchmaschine. Dabei setzt er eine recht ähnliche Visualisierung ein wie seinerzeit die Anti-TCPA Regisseure. Absolut sehenswert, wenn auch in keiner Hinsicht zurückhaltend: denn Google engangiert sich jetzt auch im Bereich der Genomforschung – was, so die rhetorische Frage am Ende des Streifens, wenn die Firma neben den ganzen übrigen Daten nun auch noch die komplette DNA eines jeden einzelnen Menschen gespeichert hätte und wir alle völlig transparent wären?

Das hätte nun wirklich nicht sein müssen – doch ob diese abschließende Suggestivfrage des Films sich ungewohnt weit von der Wirklichkeit entfernt, um besondern aufzurütteln, oder ob die Autoren Anhänger des biologischen Totaldeterminismus sind, werden wir nie erfahren. Aber selbst frei von Bio-Logismen stellt sich schon langsam die Frage, ob Google das neue Microsoft geworden ist – und in viele kleine Suchmaschinchen zerschlagen werden sollte 🙂 So ändern sich eben Hegemonieszenarien innerhalb weniger Jahre – nur: Windows lässt sich ja durch Linux ersetzen, aber ein Ersatz.Google ist nicht in Sicht. Fragen wir doch mal MS’ens Miss Dewey, was sie dazu meint… und wie immer kommt nach Eingabe des Begriffs „Google“ ein hochphilosophischer und unbedingt passender Kommentar von der hübschesten Suchassistentin aller Zeiten:

If television was the opiate of the masses, I wonder what that makes the internet.

Dem ist nichts hinzuzufügen.


* techné, siehe Kittler, Friedrich: „Draculas Vermächtnis“

1 comments
lozman
lozman

Jemand, dessen Slogan "Do no evil" lautet, sollte man imho keinesfalls vertrauen.