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Yahoo’s Pipes need no cleaning

12.02.2007, geschrieben von , Keine Kommentare

pipes.thumbnail Yahoos Pipes need no cleaningPipes nennt sein neu­es­tes Spielzeug, das in der Mashup-Querstrich Content-Aggregation Szene der­zeit für Aufregung sorgt. Die Oberfläche der Online-Applikation ähnelt einer Mindmapping-Software — aus ver­schie­de­nen Informationsquellen und beding­ten Abfragen baut sich der Benutzer seine eige­nen Content-Kombinationen zusammen.

Als Quellen die­nen FlickR Fotos, Yahoo-Suchergebnisse bezie­hungs­weise jeder RSS-Feeds. Die ein­zel­nen Elemente wer­den mit Operatoren, Annotationen und/oder Filtern ver­bun­den und lie­fern die kom­bi­nier­ten Daten schließ­lich wie­derum in Form eines Feeds zurück. Hört sich abs­trakt an? Ist es auf den ers­ten Blick auch…

Aber weil, wie Herr Flusser stets schrieb, die Anhäufung von Wissen im Zeitalter der Datenbanken ohne­hin obso­let gewor­den ist, emp­fiehlt sich auf jeden Fall “Learning by Doing” — beim “Reverse-Engineering” beste­hen­der Pipelines ver­steht man am schnells­ten die Funktionsweise des Werkzeugs. Programmierkenntnisse sind dazu vor­erst nicht not­wän­dig, eine gewis­sen Einarbeitungszeit schon. Der Begriff “Pipe” stammt aus der *nix-Welt: Unix und Linux Benutzer fas­sen in einer soge­nann­ten “Pipe” meh­rere Kommandozeilentools zusam­men — quasi ein Makro mit mäch­ti­gen Einstellmöglichkeiten.

Und diese Mächtigkeit hat das Yahoo-Projekt mit sei­nem Namensgeber gemein. Im Handumdrehen las­sen sich Abfragen rea­li­sie­ren wie:

  • Alle freien Wohnungen in der Nähe einer bestim­men Adresse
  • ebay Updates über Auktionen / Artikel
  • Jede Form von per­so­na­li­sier­tem News-Feed

Der per­sön­li­che Nachrichten-Feed etwa bezieht nicht nur eine belie­big große Anzahl von Quellen ein, son­dern eli­mi­niert auch Dubletten:

In this example a variety of sour­ces are que­ried with the same term. The results are mer­ged into one feed. Next, all the items are sor­ted by what was most recently publis­hed. Finally, any items with iden­ti­cal tit­les are remo­ved and a new RSS feed is born!

Grafisch aggre­gie­ren

Die Bedienung hat die Yahoo-Experimentalabteilung sehr gut hin­be­kom­men — Drag-and-Drop und gra­fi­sche Bedienung erleich­tern den Einstieg unge­mein. Der spaß­hafte Charakter sollte kei­nes­wegs über die Mächtigkeit des Werkzeugs hin­weg­täu­schen: in der Tat spielt Pipes mehr Stückerl, als man auf Anhieb ver­mu­ten würde. Ein mehr als net­ter Nebeneffekt besteht in der didak­ti­schen Qualität des Werkzeugs: anschau­li­cher lässt sich das Thema “Content Syndication” nun wirk­lich nicht illus­trie­ren. Look and Feel sind neu, optisch gibt’s kei­ner­lei Ähnlich­keit mit dem gewohn­ten Yahoo-Look, doch das mag sich in Zukunft noch ändern.

Abgesehen von der Verwunderung dar­über, dass end­lich mal wie­der jemand ein inno­va­ti­ves Online-Produkt prä­sen­tiert, der nicht kurz dar­auf von Google auf­ge­kauft wird, bleibt natür­lich eine Frage offen: Kann eine der­art tief­grei­fende Auseinandersetzung mit dem gewünsch­ten Informations-Environment denn Massen-Appeal aufweisen?

Nimmt man die par­ti­zi­pa­tive Komponente des Web ernst, dann hat Yahoo imho hier den rich­ti­gen Schritt getan: ein Interface, das viele Freiheitsgrade erlaubt, erfor­dert einen gewis­sen Einarbeitungsaufwand. Der Verzicht auf Scriptsprachen macht Yahoo Pipes dabei auch für all jene inter­es­sant, die auf gra­fi­sche Interfaces nicht ver­zich­ten wol­len oder kön­nen. Die vie­len User-generated Pipes erleich­tern den Einstieg unge­mein — und gerade für Blog-Autoren bie­ten sich völ­lig neue Möglichkeiten für zum Beispiel Live-Blogrolls in Form ein­ge­bun­de­ner RSS-Feeds. Von Yahoo Pipes wird man in den nächs­ten Monaten noch eini­ges hören.

Zu mäch­tig oder genau richtig?

In Blogistan rufen die Pipes unter­schied­li­che Reaktionen her­vor: Frank Helmschrott spricht zwar von Web 3.0, fin­det den Service über­di­men­sio­niert und zu sehr an die Programmier-Metapher angelehnt:

Abgesehen davon, dass ich der­zeit einen sol­chen Dienst nicht brau­che, kann ich mir nicht vor­stel­len, dass ich in Zukunft einen so gro­ßen Nutzen dar­aus zie­hen kann, als dass es den Aufwand des Einlernens Wert wäre. Wenn es jemals nütz­lich ist diverse Webalerts zu kom­bi­nie­ren — was ich mir durch­aus vor­stel­len könnte — dann wohl eher in einem eige­nen Dienst, als in einem so modu­la­ren Portal, was irgend­wie einer Programmiersprache gleicht.

Spreeblick frei­lich kann dem Point-and-Click Interface eini­ges abgewinnen:

Denn glich das pro­gram­mie­ren von web­zwo­nul­li­gen Mashups bis­lang eher einer Art Geheimwissenschaft, las­sen sich jetzt Mashups ganz läs­sig zusam­menkli­cken. Auch von Menschen wie mir, die vom Programmieren nun mal wirk­lich über­haupt keine Ahnung haben.

Bleed sieht die Sache am de:bug blog ganz ähnlich und in Zeiten der all­ge­gen­wär­ti­gen Informationsflut auch ganz pragmatisch:

Pipes aller­dings lässt einen alle mög­li­chen Filter ein­bauen, und damit ziem­lich obskure spe­zi­elle und vor allem auto­ma­ti­sierte Suchen bas­teln, die selbst die — jeden­falls bei mir — kom­ple­xen Email-Filter über­tref­fen. Wer intel­li­gen­tere Feeds haben will, der wird sich wohl in den nächs­ten Wochen mit Pipes beschäftigen.

Das RSS-Blog mag die Pipes eben­falls und sieht die Innovation vor allem in der Umsetzung mit typi­schen Technologien:

Was dabei die Yahoo! Anwendung aus­zeich­net ist die Oberfläche und die Entwicklungsumgebung, die zur Verfügung gestellt wird. Ob das jetzt das Web3.0 ist, wage ich aller­dings stark zu bezwei­feln. Denn eigent­lich wird bewähr­tes mit neuen Mitteln (Ajax) umge­setzt und auf vor­han­dene Quellen (RSS) angewendet.

Die aus­führ­lichste Review mit vie­len Hintergrundinfos hat Tim O’Reilly im Radar gepos­tet — er bezeich­net die Applikation als Meilenstein in der Geschichte des Internet:

Yahoo!‘s new Pipes ser­vice is a miles­tone in the history of the inter­net. It’s a ser­vice that gene­ra­li­zes the idea of the mas­hup, pro­vi­ding a drag and drop edi­tor that allows you to con­nect inter­net data sour­ces, pro­cess them, and redi­rect the out­put. Yahoo! descri­bes it as “an inter­ac­tive feed and mani­pu­la­tor” that allows you to “create feeds that are more power­ful, use­ful and rele­vant.” While it’s still a bit rough around the edges, it has enor­mous pro­mise in turning the web into a pro­gramma­ble environ­ment for everyone.

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