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Kids on TV: schwule Band von myspace getilgt

Gerade habe ich eine Pressemeldung von Chicks on Speed Records bekommen: die Profilseite der Band Kids on TV wurde wegen angeblich anstössiger Inhalte gelöscht – laut Pressetext finden die betroffenen MusikerInnen das ganze gar nicht witzig:

Am 1.März 2007 wurde ohne Vorwarnung oder Erklärung das MySpace-Band-Profil der Kids On TV aus Toronto wegen angeblich anstössiger Inhalte, gelöscht. Ein ungeheuerlicher Vorgang, hatte die Band doch zuletzt die gesamte Bewerbung der anstehenden Album-Release-Tour über Ihr Myspace-Profil abgewickelt und über 14.000 Kontakte gebildet (myspace-friends). Wie sich bei Nachforschungen herausstellte, passiert das nicht zum ersten Mal, und interessanterweise sind sehr häufig schwul-lesbische Künstler davon betroffen.

Was lernen wir daraus?

1. Wenn Firmen Infrastrukturen kontrollieren, können sie nun mal nach Belieben mit selbigen verfahren. Das mag moralisch, ethisch, rechtlich und in anderen Hinsichten verwerfliche sein, aber die Erfahrung zeigt: Shit happens. Die einzige Abhilfe wäre demnach Kontrolle über die eigene Infrastruktur; partizipative Plattformen, Bottom-Up G’schichterln oder noch besser, ein wenig visionär gedacht: neue Netzwerkprotokolle, die sowas wie Myspace als peer-2-peer Anwendung realisieren.

2. Die Pressemeldung kommt aus zuverlässiger Quelle, telepolis schreibt drüber – also geh ich mal stark davon aus, dass die Story stimmt. Könnte aber genauso gut eine nett durchdachte Viral-Marketing Aktion für eine neue Band sein, Storyboard: myspace beschuldigen, eine Kontaktseite mit zigtausend Contacts gelöscht zu haben, die gar nie existiert hat – solche David-vs-Goliath Scripts machen eben schnell die Runde, wie wir schon seinerzeit beim grandiosen Christian Mikunda auf der Uni gelernt haben. Wie geschrieben denke ich nicht, dass hier was faul ist im Staate Dänemark – aber allein die Tatsache, dass mir dieser Gedanke als potentielle Möglichkeit durch den Kopf geht, zeigt, wie hochgradig simulativ, durch-dramaturgisiert und viren-befallen unser Kommunikations-Environment sich inzwischen gestaltet.

Warum die Band (und einige andere Künstler) gesperrt wurden, verrät myspace/Google ganz im Sinne einer ehrlich-intransparenten Kommunikationspolitik natürlich nicht:

Die Band hat mittlerweile eine [extern] neue Seite aufgebaut, aber ihre 14.000 Kontakte sind weg. Warum sie gesperrt wurden, ist den Kids on TV ein Rätsel. Sie erhielten lediglich eine Email mit einem offensichtlichen Textbaustein, in dem es hieß, dass der Account wegen eines „Verstoßes gegen die Nutzungsbedingungen“ gelöscht wurde und dies „gewöhnlich“ darauf zurückzuführen sei, dass entweder Bilder mit anzüglichem oder gewalttätigem Inhalt oder Nacktbilder gezeigt wurden, oder dass der Nutzer zu jung sei, andere Nutzer belästigt oder gespamt, Werbung mit HTML- Codemanipulation überdeckt, Scripte verwendet oder Scores manipuliert habe. Zum Schluss hieß es „Your account cannot be restored. If you choose to return to MySpace, please follow the rules.“ [von telepolis]

Auf myspace gibt’s mittlerweile auch ein Profil, das sich mit solchen Löschungen beschäftigt – mal sehen, wie lange die Zensurvorwürfe online bleiben, bevor myspace auch dieses Profil löscht. Intro und Gayboy.at wissen mehr.

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