datenschmutz - Social Marketing, Pro-Blogging und medien.kultur.technik
 
Karola und Helge Manchmal wählten wir auch exotische Fortbewegungsmittel. Sebastian Pichelhofer Georg Koch (Herold) Kopfloser Saurier
datenschmutz RSS Feed
- zufriedene Leser
RSS jetzt abonnieren
Twitter
38005 Followers
auf Twitter folgen
datenschmutz Adventkalender: jeden Tag 1 Stofftier zu gewinnen!

Vom Verschwinden der Schriftkultur

06.03.2007, geschrieben von , 1 Kommentar

Frank Hartmann führte für tele­po­lis ein Interview mit Mihai Nadin über die Fortschreibung der Buchkultur unter ver­än­der­ten Bedingungen. Der Semiotiker und Systemforscher wurde 1938 in Rumänien gebo­ren und lehrt inzwi­schen an der Universität Texas, wo er das Institute for Research in Anticipatory Systems leitet.

Mihai Nadins fünf­bän­di­ges Werk Jenseits der Schriftkultur steht auf Projekt Gutenberg zum Download bereit. Er for­dert eine indi­vi­dua­li­sierte Technik, die sich dem User anpasst anstatt vice versa, und sieht in der gegen­wär­ti­gen kul­tu­rel­len Produktion noch immer das Paradigma des Buches als vorherrschend:

Doch weder meine Entscheidung, das [Buch] anzu­bie­ten, noch das Angebot von Google ver­dient die Bezeichnung “Medienrevolution”. Als Publikationsmedium ist das Internet eine wich­tige tech­ni­sche Errungenschaft. Wenn man von einer Revolution spricht, so würde das einem völ­lig neuen Verständnis vom Buch ent­spre­chen, oder von jeder vor­stell­ba­ren media­len Ausdrucksform wie Musik, Tanz, Film, Theater, usw. Wenn wir von Medien als Produkten spre­chen, dann blei­ben wir Gefangene des indus­tri­el­len Modells und sei­ner Marktmechanismen.

Dennoch ist die tra­di­tio­nelle Schrift/Buchkultur dabei, ihre hege­mo­niale Stellung einzubüßen:

Die Revolution aber ver­steckt sich hin­ter der Tatsache, dass das Buch weni­ger rele­vant ist als je zuvor, und dass es wei­ter­hin an Relevanz ver­lie­ren wird. Damit ändert sich auch unser Verständnis des­sen, wie und warum wir schrei­ben, wie wir Wissen tei­len und über wel­che Formen wir die Dynamik wis­sen­schaft­li­cher, tech­no­lo­gi­scher und künst­le­ri­scher Wirklichkeiten vermitteln.

Nadin kri­ti­siert ele­gant die Absurdität der gegen­wär­ti­gen Situation: ein Urheberrecht bzw. im anglo-amerikanischen Raum ein Copyrightkonzept, das aus Zeiten stammt, in denen die Medienproduktion völ­lig ande­ren Bedingungen unter­lag, kann nur Probleme verursachen:

Vor allem die Autoren sind noch nicht wil­lens, die enor­men Möglichkeiten zu nut­zen, die ihnen das Publizieren übers Internet bie­tet. Eine ver­al­tete Gesetzeslage schützt das so genannte geis­tige Eigentum, doch dabei dreht sich doch alles um die Kontrolle durch all jene, die die­ses Eigentum nicht geschaf­fen haben, son­dern nur an des­sen Verwertung inter­es­siert sind. Es ist ein absur­des, Konsumations-getriebenes Marktmodell.

Im Gegensatz zu unkri­ti­schen Apologeten einer neuen Medienrevolution zeich­net sich Nadins Ansatz durch eine expli­zite Ablehnung tech­no­lo­gi­scher Determination aus:

Technologien, egal ob digi­tale, nukleare, bio­lo­gi­sche, nano oder wie immer sie hei­ßen mögen, kön­nen die Werte nicht bestim­men, die uns als Individuen oder als Gemeinschaften defi­nie­ren. Nicht Werte ent­ste­hen durch Technologie, son­dern diese kommt als Ausdruck unse­res Wertesystems zustande. Darum ist Technologie nie bestim­mend — nicht ein­mal, wenn sie ver­dammt schlecht ist.

Interview auf telepolis

Keine ähnli­chen Beiträge.


Bisher haben meine Lieblingsleser 1 Kommentar zu "Vom Verschwinden der Schriftkultur" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
Kommentar schreiben

:frog: :frog2: :frog3: :frog5: :frog6: :dirtfrog: :frog4: :frog4o: :frog7: :artfrog: :darkfrog: :elkfrog: :frogface: :frogonleaf: :leefrog: :littlefrog: :princefrog: :coolfrog: :coolfrogjump: :mrt: :smoking666: :borg: :ninja: :satan: :saint: :elvis: :king: :pimp: :pirat: :mrdj: :elk: :cool: :geek: :weird: :mad: :sad: :-? :shock: :anonym: :angel: :kiss: :love2: :coffee2: :white2: :dog: :cat: :ccocktail: :beer: :thumbdown: :thumbup:

0 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • Ping me, please! Einfach /trackback/ an die URL anhängen.
?
datenschmutz.tribe
         Login | Registrieren
via RSS Feed datenschmutz RSS Feed
als Newsletter
aweber
AlbanianArabicBasqueBelarusianBulgarianCatalanChinese (Simplified)CroatianCzechDanishDutchEnglishFrenchGermanItalianPortugueseRussianSpanish
datenschmutz q+a
Stellen Sie mir Ihre Frage zu Social Marketing, Blogging und Co. — ich ant­worte dem­nächst hier am Blog.
Neueste Beiträge