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Das digitale Donaufestival

16.04.2007, geschrieben von , Keine Kommentare
5. September 2007bis11. September 2007

ars.thumbnail Das digitale DonaufestivalZwischen den Angstszenarien einer per­fek­ten und der Begeisterung an media­ler Selbstdarstellung bil­det sich eine neue Alltagskultur aus. In der alles öffent­lich und nichts mehr pri­vat scheint. Panoptikum oder voll­en­dete Freiheit des/der Einzelnen?” fragt die 2007 und begibt sich “auf eine Spurensuche nach Bedeutung und Verhältnis von Öffent­lich­keit und Privatheit.” Von 5. bis 11. September wird die Stahlstadt Linz zur Medienmkunstmetropole.

Mehr Infos zu “Goodbye Privacy” fin­det man auf aec.at, dort gibt’s auch detail­lierte Presseunterlagen. FestivaltouristInnen auf­ge­passt: im September geht’s dann in die USA zu monchrom’s Arse Electronica; der X-Faktor dürfte bei zwei­te­rer Konferenz weit höher lie­gen. Böse Zungen behaup­ten ja seit den frü­hen Neunzigern, dass man die Themen der ars prä­zise wie ein Uhrwerk vor­aus­sa­gen könne: womit sich der inter­na­tio­nale Medienkunstdiskurs vor 5 Jahren befasst habe, sei jeweils eine halbe Dekade spä­ter Hauptthema der ars. Fest steht jedoch: das Privacy Thema gewinnt in Zeiten von Studivz Debakeln, Online-Applikationen, Social Services, aus­ge­feil­ten Suchalgorithmen und wach­sen­den Datenbergen bei gleich­zei­tig stei­gen­der Furcht vor Terrorismus eine bren­nende Aktualität: ins Thema ein­zu­stei­gen fällt nicht leicht, erfor­dert tech­ni­sches Interesse und ein­ge­hende Beschäftigung, die sich jeder auf­ge­klärte Bürger der Informationsgesellschaft nicht wird erspa­ren kön­nen — Bewusstseinsbildung tut not. Hier der Pressetext zur ars elec­tro­nica 2007:

GOODBYE PRIVACY
Das Ars Electronica Festival 2007

Feature dich selbst oder du bist raus aus dem Spiel

Zu jeder Zeit an jedem Ort prä­sent sein, jede/n errei­chen kön­nen und selbst erreich­bar sein — ges­tern in digi­tale Technologien pro­ji­zierte Sehnsüchte sind heute mani­feste Realität. Zugleich Sender und Empfänger, ist mitt­ler­weile jede/r mit jeder/m ver­knüpft. In einem immer fein­ma­schi­ge­ren, welt­um­span­nen­den Netzwerk. Mittels Avatare, Blogs und Taggings neh­men wir hier digi­tale Gestalt(en) an und legen uns mehr oder weni­ger fan­ta­sie­volle Second Identities zu. Allzeit prä­sent zu sein hel­fen uns Cyber Twins, unse­rem Persönlichkeitsprofil ent­spre­chend pro­gram­mierte Klone, die wäh­rend arbeits– und schlaf­be­ding­ter Absenzen unse­ren Platz im Chatroom ein­neh­men. Selbstdarstellung und Inszenierung des eige­nen Image lau­tet das Gebot der Stunde — fea­ture dich selbst oder du bist raus aus dem Spiel. Einst Gegenentwurf zur Öffentlichkeits-Gleichschaltung der Massenmedien, wer­den Individualisierung und Personalisierung à la Second Life, My Space, Flickr und YouTube nun ihrer­seits zum Mainstream. Rasend schnell ent­ste­hen dabei gänz­lich neue Öffent­lich­kei­ten. Mit neuen Spielregeln. Traditionelle Erfolgsrezepte grei­fen in die­ser “schö­nen neuen Welt” nur begrenzt. Attraktiv sein ist zu wenig. Es sind Originalität und Einzigartigkeit, die vir­tu­el­len Starstatus ver­spre­chen und immer wei­ter­ge­hen­den Exhibitionismus for­dern und för­dern. Im Zuge die­ser mas­sen­haf­ten (Selbst-)Inszenierung bil­det sich eine neue Alltagskultur aus, in der alles öffent­lich und nichts (mehr) pri­vat scheint. Eine neue Dimension zivi­ler Freiheit scheint Wirklichkeit geworden…

Gleiches aller­dings gilt für den Albtraum der per­fek­ten Über­wa­chung. Ob reale oder digi­tale Räume, immer dich­ter wird das Netz der Kameras, bio­me­tri­schen Sensoren, RFIDs, Logfiles und Trojaner. Videoüberwachung drängt den öffent­li­chen Raum zurück und beschränkt sich in Pilotversuchen nicht mehr auf blo­ßes Beobachten und Aufzeichnen, son­dern for­dert gege­be­nen­falls akus­tisch auf, sich vor­schrifts­mä­ßig zu ver­hal­ten. Riesige Datenbanken und hoch ent­wi­ckelte Algorithmen zur auto­ma­ti­sier­ten Verknüpfung und all unse­rer elek­tro­ni­schen Spuren ver­voll­stän­di­gen diese neue Qualität der Über­wa­chung. Nicht allein die Tiefe und hohe Auflösung unse­rer digi­ta­len Durchleuchtung schei­nen bedeut­sam. Sondern auch, dass die Verfügbarkeit von Technologien und gesam­mel­ten Daten zuneh­mend aus der Domäne öffent­li­cher Autoritäten hin zu indi­vi­du­el­len und kom­mer­zi­el­len Interessenslagen wan­dert. Absatzfördernde Information ist Ware, die ent­spre­chend hoch gehan­delt wird. Nicht bloß Technologie, Information und Kommunikation sind omni­prä­sent — wir selbst sind es. Zu jeder Zeit, an jedem Ort. Klassifizierbar durch umfas­sende Persönlichkeitsprofile, die wir auf unse­ren digi­ta­len Ausflügen hinterlassen…

Das Ars Electronica Festival 2007

GOODBYE PRIVACY fragt nach aktu­el­lem und künf­ti­gem Stellenwert und Verhältnis von Öffent­lich­keit und Privatheit. Danach, wel­che Strategien zur Schaffung von Privatsphäre in der trans­pa­ren­ten Welt digi­ta­ler Medien ent­wi­ckelt wer­den kön­nen. Was wir dem Eindringen der immer effi­zi­en­te­ren Kontroll– und Über­wa­chungs­tech­no­lo­gien ent­ge­gen­set­zen und wie wir den indi­vi­du­el­len Kontrollverlust über unsere digi­tale Persona ver­hin­dern kön­nen. Wie sich die vor­kon­fi­gu­rier­ten vir­tu­el­len Öffent­lich­kei­ten der Entertainmentindustrie auf­bre­chen lie­ßen und wirk­lich von uns selbst gestal­tet wer­den kön­nen. Wie wir die kul­tu­relle Vielfalt unse­rer Gesellschaften in die neu ent­stan­de­nen und neu ent­ste­hen­den sozia­len und öffent­li­chen Räume tra­gen und aus den kul­tu­rel­len Paradigmen der Web 2.0 Communities eine soziale Dynamik gene­rie­ren kön­nen, die auch in der rea­len Welt Relevanz entfaltet.

GOODBYE PRIVACY lädt KünstlerInnen, Netzwerk-NomadInnen, TheoretikerInnen, TechnologInnen und Rechtsgelehrte ein, Antwort(en) auf diese und wei­tere Fragen zu geben. In der für Ars Electronica typi­schen Art wird diese Recherche in Form von Symposien, Ausstellungen, Performances und Interventionen über klas­si­sche Konferenz– und Kulturräume hin­aus in die ganze Stadt getra­gen. Und in die vir­tu­elle Welt von Second Life.

Den Auftakt bil­det die öster­rei­chi­sche RichterInnenkonferenz am 4. und 5. September. Sie fragt nach den Grundrechten in der digi­ta­len Welt, nach dem Spannungsverhältnis von Datenschutz und Privatsphäre einer­seits und Informations– und Kommunikationsfreiheit ande­rer­seits. Die Tagung ver­folgt einen inter­dis­zi­pli­nä­ren und inter­na­tio­na­len Ansatz. Das dies­jäh­rige Symposium kura­tie­ren Ina Zwerger () und Armin Medosch (Künstler und Autor). Die Hochschulpräsenz wurde dem Basler Institut für Prozessgestaltung HyperWerk HGK FHNW über­tra­gen. HyperWerk beschäf­tigt sich mit dem tech­no­lo­gi­schen Zurückfinden nach einer von Bildschirm und Maus domi­nier­ten digi­ta­len Abstraktionsphase zu anfass­ba­ren Dingen. Genauer, zum „neo­ana­lo­gen Design”, das eine sol­che digi­tale Anfassbarkeit gestal­tet. HyperWerk ist Teil von „acar2”, einem Netzwerk aus Hochschulen, Handwerksinitiativen und Unternehmen, das eine Akademie zur Zukunft des Handwerks aufbaut.

2007 arbei­tet Ars Electronica wie­der mit einem Netzwerk loka­ler - und Kulturvereine und Institutionen zusam­men. Darüber hin­aus fun­gie­ren ORF Oberösterreich und Ö1 als Partner.

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