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Der gebloggte ÖVP-Parteitag: die Resultate

Erfolg, Misserfolg? Der richtigen Ton(fall) oder Missethon? Quantitativ schaute einiges heraus an Nachberichterstattung beim live gebloggten Parteitag der ÖVP, die Zentralperspektive über alle Artikel gibt’s auf technorati.

Ein Highlight politischer Berichterstattung sind Helge’s Sieben Gründe, warum die ÖVP für mich unwählbar bleibt, Zitat:

4. Positionierung als Sicherheitspartei. Die ÖVP befindet sich mit den Rechtsparteien in einem unschönen Wettbewerb, wer Bürger- und Asylrechte stärker beschneidet. Mehr Sicherheit = weniger Freiheit. Österreich ist sicher genug, nicht aber frei genug.

Wahre Worte findet derselbe Autor auch zum Thema Instrumentalisierung:

Ich habe die Einladung trotzdem angenommen, denn die Instrumentalisierung läuft auch in die Gegenrichtung. Ich weiß, dass hier viele Funktionäre von der ÖVP mitlesen. Ich werde die Gelegenheit nutzen, euch meine Position zu einigen eurer Positionen zu verraten. Und vor allem: Es beginnt die Ära der partizipativen, vernetzten Demokratie. Auch wenn es mehr Sinn machen würde, wenn Politiker selbst bloggen und mit der Blogosphäre ins Gespräch treten als wahllos ein paar Blogger einzuladen – die Aufmerksamkeit wird der bloggenden Zunft nutzen. Auch wenn wir uns dafür ein bisschen instrumentalisieren lassen müssen

Heinz Wittenbrink findet so manche Formulierung unfreiwillig komisch:

Ein paar skurrile Sager stehen zum Glück nicht für die große Mehrheit der Statements („Wir bauen auf einen Wertekanon, der nicht von den Minaretten und den Muezzinen verkündet wird, sondern von den Glocken und den Kirchtürmen in unserem Land“.) Andreas Khol lässt es sich nicht nehmen, in wenigen Sätzen das Gegenteil der Botschaft von Wilhelm Molterer zu verkünden, aber das scheint niemand zu kümmern.

Und Tom Schaffar wiederum lässt wenig gute Haare an der Eigenpräsentation der Partei:

Ich würde mittlerweile gerne etwas Positives schreiben, einfach um nicht nur als Meckerer aufzutreten. Ich will auch etwas anderes als Mitschriften von Reden bieten. Der Terminplan an „wichtigen“ Reden ist allerdings ziemlich vollgestopft – und die sind nunmal einfach grauenhaft. Wer sich hier eine Öffnung der ÖVP erwartet hat, wurde bisher enttäuscht. Es dominiert das Nichtssagende und ernüchternd Altbekannte. „Modern denken, menschlich Handeln“, scheint auf der Videowall dauerhaft auf – Molterer wurde mit einer Roboteranimation angekündigt. Keine Bewegung auszumachen. Ja sogar Standpunkte sucht man mühsam.

Selbst der ansonsten recht diplomatische Dieter Rappold hat so seine Probleme mit den Witzchen des Andreas Khol:

Oh mein Gott – da wird mir wirklich schlecht. Es folgen Verweise aufs Alte Testament und rückwärtsgewandtes Wertegefasel – Kohl meint, wer nach allen Seiten offen ist, der ist nicht ganz dicht – ja Herr Kohl, das gebe ich gerne zurück, fragt sich wer da nicht ganz dicht ist…

Georg Pichler schlägt mit seiner Berichterstattung teilweise in dieselbe Kerbe – In-Group Witzchen scheinen bei Außenstehenden nun mal tatsächlich nicht besonders gut anzukommen:

Wortspiel am Rande: „Die Grünen sind bekanntlich eng verbandelt mit dem Begriff NGO. Ich finde, das passt sehr gut: ‘Non-Governmental Organization‘.“ Soll ich lachen oder weinen? Ich glaube Tom unterdrückt neben mir gerade einen aufkommenden Brechreiz mit Mineralwasser.

Rein quantitativ betrachtet hat die ÖVP mit ihrer Einladungsaktion für den Gegenwert von ein paar Zugtickets und Übernachtungen eine Menge Resonsanz im Netz bekommen – dass diese dann großteils doch negativ ausfällt, steht auf einem anderen Blatt. Ist jede Werbung gute Werbung? Wenn das Ziel darin besteht, dass sich möglichst viele Bürger mit den Inhalten der eigenen Partei auseinandersetzen, dann ja. Wenn die Absicht freilich in der Generierung positiver Eindrücke bestanden hat, dann ging der Schuss ins Netz wohl eher nach hinten los. Mal sehen, ob’s beim Experiment bleibt oder ob Blogger hinkünftig gern gesehene Gäste auf Parteiveranstaltungen sein werden. Die Medienabteilung der ÖVP hat vorerst wohl mit der Auswertung der Berichte und Kommentare zu tun – ein qualitativ-meinungsforschender Mehrwert lässt sich auf jeden Fall generieren.

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