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Wissen wie verwalten?

19.04.2007, geschrieben von , 1 Kommentar
28. April 2007
15:00bis20:00

Am 28. April lädt die Initiative für freies Wissen und freie Netze im alten Rathaus in zum Kongress Freies Wissen. Freies Linz. Die Organisatoren möch­ten das Augenmerk der Besucher auf die ökono­mi­schen Rahmenbedingungen des pri­mä­ren Rohstoffs der Informationsgesellschaft len­ken. Über die Einladung, dort einen Workshop zu gestal­ten und im Anschluss daran an der teil­zu­neh­men, hab ich mich sehr gefreut — also viel­leicht sieht man sich ja Ende April im alten Linzer Rathaus.

Wissen währt am längs­ten, so die theo­re­ti­sche Hoffnung. In der Tat wäh­ren die Urheberrechte häu­fig län­ger als die von Informationen: zu Recht, sagt der Hausverstand, denn die Besitzer geis­ti­gen Eigentums haben adäquat ent­lohnt zu wer­den — dem Hausverstand darf man aber spä­tes­tens nicht mehr unein­ge­schränkt trauen, seit er roll­kra­gen­be­wehrt als Werbetestimonial für Supermarktketten auf­tritt. Natürlich spielt die Frage nach den Besitzrechten an geis­ti­gen Werken am Weg in die Informationsgesellschaft eine zuneh­mend dring­li­che Rolle: waren in der Vor––Ära mate­ri­elle Datenträger wie etwa Musikkassetten oder Audio-CDs stets unab­kömm­li­cher Bestandteil media­ler Distribution, ver­brei­tet sich im Netz Information unab­hän­gig von mate­ri­el­len Datenträgern. Diese genuin neue Distributionssituation bedeu­tet für Wirtschaft und Konsumenten eine Transitionsphase — die tech­ni­sche Entwicklung hat die Gesetzgebung längst über­holt. Zugleich wird die Bedeutung des Zugangs zu Wissen immer evidenter.

Die Frage nach dem kol­lek­ti­ven Umgang mit die­sen Themen ist alles andere als tri­vial: wer­den, wie in den USA bereits gesche­hen, bestimmte mathe­ma­ti­sche Lösungsverfahren paten­tiert, so dür­fen diese nicht mehr frei an Hochschulen unter­rich­tet wer­den — und wenn die Lehre nur mehr so frei ist, wie die Wirtschaft erlaubt, kommt William Gibson’schen Zukunftsvision mul­ti­na­tio­na­ler Corporations als Nachfolger der Nationalstaaten ihrer Realisierung einen Schritt näher.

Man braucht aller­dings nicht über den gro­ßen Teich zu sprin­gen, um die Spannungsfelder zwi­schen wirt­schaft­li­cher Verwertbarkeit von Ideen einer­seits und deren freier Verbreitung ande­rer­seits zu illus­trie­ren. Die öster­rei­chi­sche IFPI etwa (Interessenvertretung der Phonographischen Industrie) inves­tiert hart durch Albenverkäufte ver­dien­tes Geld in eine breit ange­legte Imagekampagne: bereits in den Pflichtschulen sol­len, so der Wille der Musikindustrie, die AnstaltsinsassInnen mit der “rich­ti­gen” Auffassung indok­tri­niert wer­den: Bezahlmusik ist gut, Tauschbörsen sind böse — für die Produktion ent­spre­chen­der Unterrichtsmaterialien lässt man gerne den Rubel rollen.

Was aus der Sicht der Contentindustrie legi­time PR dar­stellt, bekommt spä­tes­tens dann eine scha­len Beigeschmack, wenn der betref­fende Standpunkt als umfas­sende und allein gül­tige Darstellung der Materie prä­sen­tiert wird: dass Musik nicht zwangs­läu­fig Ware sein muss, dass Kulturproduktion auch ohne wirt­schaft­li­chen Background zumin­dest denk­bar bleibt, bleibt aus­ge­klam­mert — und das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und ent­blö­det sich nicht, die Kampagne mit dem spre­chen­den Namen Ideen sind etwas wert auch noch zu unter­stüt­zen — und dies, obwohl alter­na­tive Ansätze wie “” sys­te­ma­tisch aus­ge­blen­det bleiben.

Die Warenwirtschaft der Zukunft wird sich wohl zwangs­läu­fig umstel­len müs­sen: wo die Exklusivität des Konsums nicht mehr gege­ben ist, müs­sen alt­her­ge­brachte ökono­mi­sche Modelle zwangs­läu­fig schei­tern. Das Internet hat eine neue Kultur des Informations-Tauschens her­vor­ge­bracht: ob diese kri­mi­na­li­siert oder glo­rif­ziert wird, ist und bleibt in ers­ter Linie eine Willens-, und keine juris­ti­sche Frage. Die Freies Wissen will die Diskussion dazu ansto­ßen — und lädt im Gegensatz zur Content-Industrie alle Interessierten dazu ein, sich an der Diskussion zu beteiligen.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 1 Kommentar zu "Wissen wie verwalten?" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • jizz Identicon Icon
    jizz sagte am 19. April 2007 um 21:38

    Wow, wie soll die Jugend von heute ihre Meinung abge­ben, wenn man schon zum Kommentieren zwei­stel­lige Kopfrechnungen aus­füh­ren muss? :evil:
    Aber im Ernst: gute Sache, diese Konferenz. Wenn ich in Linz bin, werd ich auch vor­bei­schauen und falls jemand von der IFPI dort ist, eine Torte mit­brin­gen. Oder bes­ser noch eine Stinkbombe.

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