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Die Link-Kauf-Affäre: von Blogrolls und Pageranks

08.05.2007, geschrieben von , Keine Kommentare

Blogrolls, Trackbacks und Kommentarlinks waren eigent­lich mal dazu gedacht, rele­vante Themen mit­ein­an­der zu ver­lin­ken und die Diskussion zwi­schen Weblogs zu för­dern. In Zeiten der all­ge­gen­wär­ti­gen Suchmaschinenoptimierung wer­den Bloglinks aller­dings plötz­lich zu begehr­ten Ware — denn je mehr auf eine Zielseite zei­gen, desto höher deren Popularität in Suchmaschinen.

Die Jagd nach Links nimmt dabei zuwei­len etwas kuriose Ausmaße an: 71grad berich­tet aktu­ell von einer, gelinde gesagt, selt­sa­men Anfrage: für zwan­zig Euro bot ihm Stereopoly einen Backlink an — zur Erhöhung des Pageranks. Lennard lehnte dan­kend ab:

Die Aufwandsentschädigung für das Setzen des Links plus Tipps zur Optimierung mei­ner Seite (was für nötig ist) in Höhe von monat­lich 20 Euro halte ich etwas sehr hoch, um ganz ehr­lich zu sein. Wenn dir meine Seite zusagt, dann kannst du selbst­ver­ständ­lich einen Link set­zen, ich freue mich natür­lich dar­über. Nur blogge ich aus purem Vergnügen ohne finan­zi­el­len Anreiz, so dass viele Besucher zwar aus lang­jäh­ri­ger Webmastererfahrung schön sind, mir diese spe­zi­elle Maßnahme der Optimierung aber unnö­tig erscheint.

Der Adminartinator kom­men­tiert die Sache gewohnt eloquent:

So, Butter bei die Fische. Meinen recht guten PageRank 5 mache ich ab sofort zu Geld, daher kos­ten Links in mei­ner Blogroll ab sofort 49 EUR pro Monat. Ein Schnäppchen, wie ich finde. Halt, das war natür­lich nur Spaß. Wer aller­dings meint, eine sol­che Aktion wäre völ­lig fik­tiv, der liegt falsch. So läuft der Hase neu­er­dings in der Bloggeria.

Eigentlich alles, was es zu dem Thema zu sagen gibt — ich würde auch kein Geld bezah­len für Bloglinks zu mei­ner Seite — und die Blogs, die ich regel­mä­ßig lese, wer­den sowieso in der Blogroll fest­ge­hal­ten, in die erwei­terte Linkliste ein­ge­tra­gen (der Platz auf der Startseite ist begrenzt) und/oder via RSS abon­niert sowie zu Favorites hin­zu­ge­fügt. Schließlich freu ich mich ja auch drü­ber, wenn jemand das­selbe mit daten­schmutz macht. btw: Fave this blog at tech­no­rati!.

Andersrum betrach­tet wird aus der Sache für BlogautorInnen aller­dings ein Schuh, oder bes­ser gesagt ein Geschäftsmodell. Man bezahlt nicht für Links aufs eigene Blog, son­dern ver­mie­tet wel­che — und zwar nor­ma­ler­weise nicht an andere Hobby-Blogger, son­dern an Firmen, die ihren Online-Media-Mix mit Backlinks auf­fet­ten. Enter paid Linktrading:

Eine neue Werbeform fei­ert ihren Siegeszug quer über eine ganze Armada von Blogs: die Kommerzialisierung des Linktradings zielt anders als klas­si­sche Ads dar­auf ab, den Pagerank der Zielseite zu erhö­hen. , die eine Seite mit ent­spre­chen­dem Pagerank betrei­ben, ver­mie­ten monats­weise Links an die Käufer — der Code ist dabei so in die jewei­lige Wirtsseite ein­ge­bet­tet, dass Suchmaschinen den gekauf­ten Link erken­nen und aus­wer­ten, was bei über Javascript ein­ge­bun­de­nen Anzeigen nicht unbe­dingt der Fall ist.

Zwei Plattformen haben sich auf diese Form des Linkhandels spe­zia­li­siert: da wäre zum einen Text Link Ads, der ame­ri­ka­ni­sche Vorreiter und zum ande­ren Linklift, ein deut­scher Anbieter, der die Businessidee geklont hat. Beide System kom­men hier auf daten­schmutz zum Einsatz — Linkvermietung macht nicht reich, bie­tet aber eine rela­tiv ange­nehme Low-Maintenance Möglichkeit zur Refinanzierung der Serverkosten für BlogautorInnen.

Selbstverständlich schnei­det dabei die jewei­lige Plattform einen pro­zen­tu­el­len Anteil des Linkpreises mit — die Teilnehmer pro­fi­tie­ren dafür von den bekann­ten Vorteilen der , für bie­ten beide Firmen spe­zi­elle Plug-Ins an, mit denen Installation in Windeseile abge­wi­ckelt ist. Nicht jede Seite kann am Marktplatz teil­neh­men — ent­spre­chen­der Pagerank ist die Voraussetzung für die Aufnahmen.

Selbst ver­kauft die/der Webmistress/Master

Den “cut the midd­le­man” Ansatz ver­folgt ein brand­neues WordPress-Plugin: Textlink Adder erlaubt den On-Site Verkauf von Links: Die Idee dahin­ter: wer eine anspre­chende Seite fin­det, auf der er gern sei­nen Link plat­zie­ren möchte, klickt ein­fach auf “Purchase Links” und bezahlt via Paypal die Monatsmiete, die der Betreiber fest­ge­legt hat.

Ich bin über’s red SEO Blog auf das Plugin gesto­ßen — in der Theorie hört sich die Idee nicht schlecht an, in der Praxis werd ich auf mei­ner Testinstallation dem­nächst mal damit rum­spie­len und anschlie­ßend berichten.

, kein lächeln­des Aas?

Ich schreib seit Ausgabe Nummer 2 bei the gap mit — was als Fanzin begon­nen hat, ent­wi­ckelte sich mitt­ler­weile zu einem respek­ta­blen öster­rei­chi­schen Popkulturjournal. Ohne Werbung — und natür­lich ohne zahl­lose unbe­zahlte Stunden aller Beteiligten — wär das Heft nie über die Startphase hin­aus­ge­kom­men. Meine per­sön­li­chen Berührungsängste mit der Kommerzialisierung die­ses Blogs sind daher denk­bar gering.

Mich ner­ven zwar bei ande­ren Blogs rie­sige Ads, die den Lesefluss stö­rend im Text plat­ziert sind, und ich mag keine Seiten, die mit Bannern zuge­müllt sind. Ein paar pas­sende Ads, über­legt posi­tio­niert, in Kombination mit ver­mie­te­ten Links, die natür­lich nicht in der Blogroll, son­dern deut­lich als Werbung gekenn­zeich­net posi­tio­niert sind, erschei­nen mir dage­gen durch­aus als geeig­ne­ter Werbemix — und gegen eine Refinanzierung der Serverkosten hat wohl kein Blogautor etwas einzuwenden.

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