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Die Link-Kauf-Affäre: von Blogrolls und Pageranks

Blogrolls, Trackbacks und Kommentarlinks waren eigentlich mal dazu gedacht, relevante Themen miteinander zu verlinken und die Diskussion zwischen Weblogs zu fördern. In Zeiten der allgegenwärtigen Suchmaschinenoptimierung werden Bloglinks allerdings plötzlich zu begehrten Ware – denn je mehr Links auf eine Zielseite zeigen, desto höher deren Popularität in Suchmaschinen.

Die Jagd nach Links nimmt dabei zuweilen etwas kuriose Ausmaße an: 71grad berichtet aktuell von einer, gelinde gesagt, seltsamen Anfrage: für zwanzig Euro bot ihm Stereopoly einen Backlink an – zur Erhöhung des Pageranks. Lennard lehnte dankend ab:

Die Aufwandsentschädigung für das Setzen des Links plus Tipps zur Optimierung meiner Seite (was für SEO nötig ist) in Höhe von monatlich 20 Euro halte ich etwas sehr hoch, um ganz ehrlich zu sein. Wenn dir meine Seite zusagt, dann kannst du selbstverständlich einen Link setzen, ich freue mich natürlich darüber. Nur blogge ich aus purem Vergnügen ohne finanziellen Anreiz, so dass viele Besucher zwar aus langjähriger Webmastererfahrung schön sind, mir diese spezielle Maßnahme der Optimierung aber unnötig erscheint.

Der Adminartinator kommentiert die Sache gewohnt eloquent:

So, Butter bei die Fische. Meinen recht guten PageRank 5 mache ich ab sofort zu Geld, daher kosten Links in meiner Blogroll ab sofort 49 EUR pro Monat. Ein Schnäppchen, wie ich finde. Halt, das war natürlich nur Spaß. Wer allerdings meint, eine solche Aktion wäre völlig fiktiv, der liegt falsch. So läuft der Hase neuerdings in der Bloggeria.

Eigentlich alles, was es zu dem Thema zu sagen gibt – ich würde auch kein Geld bezahlen für Bloglinks zu meiner Seite – und die Blogs, die ich regelmäßig lese, werden sowieso in der Blogroll festgehalten, in die erweiterte Linkliste eingetragen (der Platz auf der Startseite ist begrenzt) und/oder via RSS abonniert sowie zu technorati Favorites hinzugefügt. Schließlich freu ich mich ja auch drüber, wenn jemand dasselbe mit datenschmutz macht. btw: Fave this blog at technorati!.

Andersrum betrachtet wird aus der Sache für BlogautorInnen allerdings ein Schuh, oder besser gesagt ein Geschäftsmodell. Man bezahlt nicht für Links aufs eigene Blog, sondern vermietet welche – und zwar normalerweise nicht an andere Hobby-Blogger, sondern an Firmen, die ihren Online-Media-Mix mit Backlinks auffetten. Enter paid Linktrading:

Link-Marktplätze: Text Link Ads, Linklift

Eine neue Werbeform feiert ihren Siegeszug quer über eine ganze Armada von Blogs: die Kommerzialisierung des Linktradings zielt anders als klassische Ads darauf ab, den Pagerank der Zielseite zu erhöhen. Webmaster, die eine Seite mit entsprechendem Pagerank betreiben, vermieten monatsweise Links an die Käufer – der Code ist dabei so in die jeweilige Wirtsseite eingebettet, dass Suchmaschinen den gekauften Link erkennen und auswerten, was bei über Javascript eingebundenen Anzeigen nicht unbedingt der Fall ist.

Zwei Plattformen haben sich auf diese Form des Linkhandels spezialisiert: da wäre zum einen Text Link Ads, der amerikanische Vorreiter und zum anderen Linklift, ein deutscher Anbieter, der die Businessidee geklont hat. Beide System kommen hier auf datenschmutz zum Einsatz – Linkvermietung macht nicht reich, bietet aber eine relativ angenehme Low-Maintenance Möglichkeit zur Refinanzierung der Serverkosten für BlogautorInnen.

Selbstverständlich schneidet dabei die jeweilige Plattform einen prozentuellen Anteil des Linkpreises mit – die Teilnehmer profitieren dafür von den bekannten Vorteilen der Syndikation, für WordPress bieten beide Firmen spezielle Plug-Ins an, mit denen Installation in Windeseile abgewickelt ist. Nicht jede Seite kann am Marktplatz teilnehmen – entsprechender Pagerank ist die Voraussetzung für die Aufnahmen.

Selbst verkauft die/der Webmistress/Master

Den „cut the middleman“ Ansatz verfolgt ein brandneues WordPress-Plugin: Textlink Adder erlaubt den On-Site Verkauf von Links: Die Idee dahinter: wer eine ansprechende Seite findet, auf der er gern seinen Link platzieren möchte, klickt einfach auf „Purchase Links“ und bezahlt via Paypal die Monatsmiete, die der Betreiber festgelegt hat.

Ich bin über’s red SEO Blog auf das Plugin gestoßen – in der Theorie hört sich die Idee nicht schlecht an, in der Praxis werd ich auf meiner Testinstallation demnächst mal damit rumspielen und anschließend berichten.

Werbung, kein lächelndes Aas?

Ich schreib seit Ausgabe Nummer 2 bei the gap mit – was als Fanzin begonnen hat, entwickelte sich mittlerweile zu einem respektablen österreichischen Popkulturjournal. Ohne Werbung – und natürlich ohne zahllose unbezahlte Stunden aller Beteiligten – wär das Heft nie über die Startphase hinausgekommen. Meine persönlichen Berührungsängste mit der Kommerzialisierung dieses Blogs sind daher denkbar gering.

Mich nerven zwar bei anderen Blogs riesige Ads, die den Lesefluss störend im Text platziert sind, und ich mag keine Seiten, die mit Bannern zugemüllt sind. Ein paar passende Ads, überlegt positioniert, in Kombination mit vermieteten Links, die natürlich nicht in der Blogroll, sondern deutlich als Werbung gekennzeichnet positioniert sind, erscheinen mir dagegen durchaus als geeigneter Werbemix – und gegen eine Refinanzierung der Serverkosten hat wohl kein Blogautor etwas einzuwenden.

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