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Google-Suche – der direkte Weg zur Hausdurchsuchung

Ach, was schwärmten unsere Vor-Apologeten wie Kevin Kelly seinerzeit noch von Schwarm-, kollektiver und sonstiger emergenter Netz-Intelligenz. Was momentan in Deutschland emergiert, sorgt allerdings bei netizens allerdings für wenig Freude, höchstens für Hausdurchsuchungen.

Achtung, deutsche LeserInnen: HIER NICHT KLICKEN! Der Link führt nämlich zu einer Google-Suche nach dem Schlagwort „Dussmann“. Und wer nach der Homepage der Facility-Managment Firma sucht, dürfte wohl ebenso primäre Bombenanschläge im Terroristenköpflein haben wie jene renitenten verdeckten Zellen, die das große G nach dem Stichwort Irak befragen – und eins, zwei, drei, Polizeifinger im Po, Mexiko (*).

telepolis berichtet über Hausdurchsuchungen bei Kritikern des G8-Gipfels – die Kombination einzelner Informationsschnipsel (dort eine Bewerbung bei Tchibo, da eine der erwähnten Google-Suchen) führen zu Erstellung detaillierter potentieller „Täterprofile“, und so ’ne Hausdurchschung ist schnell mal angeordnet, woraus telepolis – und dem kann man wenig hinzufügen – folgert:

Unabhängig davon, ob man nun den Zaun oder die Reaktion auf den Zaun als Auslöser sieht, bleibt hinsichtlich der Hausdurchsuchungen die Frage offen, inwiefern hier Verdachtsmomente zusammengestrickt wurden. Zu schnell kann an Hand von wenigen Informationen ein Verdacht aufkommen, zu schnell werden heutzutage daraufhin – so hat es den Anschein – auch Hausdurchsuchungen initiiert. Wenn aber die wenigen Informationen über das Fels-Mitglied für eine Hausdurchsuchung und zum Eintrag in die DNA-Datenbank ausreichen, so stellt sich die Frage, welche Folgen die Vorratsdatenspeicherung haben wird, wenn sie tatsächlich in Deutschland eingeführt wird.

Ein Nebeneffekt des ganzen Überwachungswanhns: mitteleuorpäische symbolisch-demokratische Staaten sollten sich langsam damit aufhören, sich anderen Scheindemokration überlegen zu fühlen. Russische Verhältnisse eben:

Beim Russland-EU-Gipfel in Samara ist zudem das eingetreten, was Bürgerrechtler schon seit langem als problematisch ansehen und wovor sie warnten. Die Bundesregierung, die zunehmend mit eher fadenscheinig erscheinenden Begründungen Rechte wie die Meinungs-, Informations- oder Versammlungsfreiheit beschneidet, verliert zeitgleich auch ihre Legitimation, andere Länder für deren Verhalten Kritikern, Demonstranten und Journalisten gegenüber zu tadeln oder die Beachtung der Menschenrechte anzumahnen.
Als Kanzlerin Merkel Präsident Putin für die Behandlung Gary Kasparows und anderer Bürgerrechtler kritisierte, konnte Putin kontern und auf die Razzien bei G8-Kritikern hinweisen. In Deutschland, so der Präsident, würde man doch die gleichen Maßnahmen anwenden.

Dass die Privatsphäre im griechischen Sinne – Privatheit als Gegensatz zur Sphäre des „Politischen“ ersatzlos verschwindet, daran muss sich unsere Generation wohl gewöhnen. Netzmedien erlauben früher unvorstellbar detaillierte Überwachung, automatisierte Profile und befreien dem Staat endlich von der unerfüllbaren Aufgabe, jedem Bürger einen Agenten und diesem wiederum einen Meta-Agenten zur Seite zu stellen. Das lässt sich doch alles prächtig automatisieren, und wer solche Ermittlungsmethoden kritisiert, der hat einfach nicht verstanden, dass geschützt werden muss. Aber was und wie eigentlich vor wem?


(*) Angelehnt an Mickie Krauses derbes neues Liedlein.

PS – dieser Beitrag landete am 24. Mai im Fangnetz der Presse.

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