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Google-Suche — der direkte Weg zur Hausdurchsuchung

21.05.2007, geschrieben von , Keine Kommentare

Ach, was schwärm­ten unsere Vor-Apologeten wie Kevin Kelly sei­ner­zeit noch von Schwarm-, kol­lek­ti­ver und sons­ti­ger emer­gen­ter Netz-Intelligenz. Was momen­tan in emer­giert, sorgt aller­dings bei neti­zens aller­dings für wenig Freude, höchs­tens für Hausdurchsuchungen.

Achtung, deut­sche LeserInnen: HIER NICHT KLICKEN! Der Link führt näm­lich zu einer Google-Suche nach dem Schlagwort “Dussmann”. Und wer nach der Homepage der Facility-Managment Firma sucht, dürfte wohl ebenso pri­märe Bombenanschläge im Terroristenköpflein haben wie jene reni­ten­ten ver­deck­ten Zellen, die das große G nach dem Stichwort Irak befra­gen — und eins, zwei, drei, Polizeifinger im Po, Mexiko (*).

tele­po­lis berich­tet über Hausdurchsuchungen bei Kritikern des G8-Gipfels — die Kombination ein­zel­ner Informationsschnipsel (dort eine Bewerbung bei Tchibo, da eine der erwähn­ten Google-Suchen) füh­ren zu Erstellung detail­lier­ter poten­ti­el­ler “Täterprofile”, und so ‘ne Hausdurchschung ist schnell mal ange­ord­net, wor­aus  — und dem kann man wenig hinzufügen — folgert:

Unabhängig davon, ob man nun den Zaun oder die Reaktion auf den Zaun als Auslöser sieht, bleibt hin­sicht­lich der Hausdurchsuchungen die Frage offen, inwie­fern hier Verdachtsmomente zusam­men­ge­strickt wur­den. Zu schnell kann an Hand von weni­gen Informationen ein Verdacht auf­kom­men, zu schnell wer­den heut­zu­tage dar­auf­hin — so hat es den Anschein — auch Hausdurchsuchungen initi­iert. Wenn aber die weni­gen Informationen über das Fels-Mitglied für eine Hausdurchsuchung und zum Eintrag in die DNA-Datenbank aus­rei­chen, so stellt sich die Frage, wel­che Folgen die Vorratsdatenspeicherung haben wird, wenn sie tat­säch­lich in Deutschland ein­ge­führt wird.

Ein Nebeneffekt des gan­zen Über­wa­chungs­wan­hns: mit­teleu­or­päi­sche symbolisch-demokratische Staaten soll­ten sich lang­sam damit auf­hö­ren, sich ande­ren Scheindemokration über­le­gen zu füh­len. Russische Verhältnisse eben:

Beim –EU-Gipfel in Samara ist zudem das ein­ge­tre­ten, was Bürgerrechtler schon seit lan­gem als pro­ble­ma­tisch anse­hen und wovor sie warn­ten. Die Bundesregierung, die zuneh­mend mit eher faden­schei­nig erschei­nen­den Begründungen Rechte wie die Meinungs-, Informations– oder Versammlungsfreiheit beschnei­det, ver­liert zeit­gleich auch ihre Legitimation, andere Länder für deren Verhalten Kritikern, Demonstranten und Journalisten gegen­über zu tadeln oder die Beachtung der Menschenrechte anzu­mah­nen.
Als Kanzlerin Merkel Präsident Putin für die Behandlung Gary Kasparows und ande­rer Bürgerrechtler kri­ti­sierte, konnte Putin kon­tern und auf die Razzien bei G8-Kritikern hin­wei­sen. In Deutschland, so der Präsident, würde man doch die glei­chen Maßnahmen anwenden.

Dass die Privatsphäre im grie­chi­schen Sinne — Privatheit als Gegensatz zur Sphäre des “Politischen” ersatz­los ver­schwin­det, daran muss sich unsere Generation wohl gewöh­nen. Netzmedien erlau­ben frü­her unvor­stell­bar detail­lierte , auto­ma­ti­sierte Profile und befreien dem Staat end­lich von der uner­füll­ba­ren Aufgabe, jedem Bürger einen Agenten und die­sem wie­derum einen Meta-Agenten zur Seite zu stel­len. Das lässt sich doch alles präch­tig auto­ma­ti­sie­ren, und wer sol­che Ermittlungsmethoden kri­ti­siert, der hat ein­fach nicht ver­stan­den, dass geschützt wer­den muss. Aber was und wie eigent­lich vor wem?


(*) Angelehnt an Mickie Krauses der­bes neues Liedlein.

PS — die­ser Beitrag lan­dete am 24. Mai im Fangnetz der Presse.

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