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Kommentar: Kultur kann man so oder so hören

18.05.2007, geschrieben von , 2 Kommentare

Wenn die IFPI dem öster­rei­chi­schen Unterrichtsministerium Lehrmaterial zum Thema Kreativindustrie zur Verfügung stellt, dann ist der Einseitigkeitsverdacht nicht weit. Doch gerade im Unterricht muss die Meinungsvielfalt gewahrt blei­ben — wo blei­ben die didak­ti­schen Initiativen der Musikpiraten Musikanten? Petra vom Projekt Wissensallmende, die ich bei der Freie Netze Konferenz in Linz ken­nen gelernt hab, bat mich um einen Kommentar zur Causa.

Musik ist eine Ware, die von Produzenten her­ge­stellt wird, die für ihre Mühen gerecht ent­lohnt zu wer­den haben.” Das ist die eine Wahrheit über akus­ti­sche Kulturproduktion, jene, die von Vertretern der Major Labels, also der Großverkäufer, immer wie­der vehe­ment ver­tre­ten wird. Ein ver­nünf­ti­ger Standpunkt — warum auch einen ande­ren wäh­len, wenn man Musik ver­kau­fen möchte? Der Denkfehler beginnt erst dort, wo aus der Umdrehung die­ser Sichtweise ein ein­zig mög­li­ches Endresultat extra­hiert wird: keine Knete, keine Harmonie mehr. Keine Einzige. Muckmäuschstille klingt wie ein Orchester dage­gen: wenn nie­mand mehr eine Münze in die Jukebox wirft, hebt sich die Nadel, und alle ver­las­sen die Kneipe.

Aber wie das mit Standpunkten ist, gibt’s halt immer meh­rere davon: man­che Phantasten glau­ben gar, Musiker täten wei­ter­hin fröh­lich musi­zie­ren, weil’s ihnen Spaß macht. Und dann ent­ste­hen plötz­lich sol­che Konstrukte wie Creative Commones , net.labels, auf denen Gratis-Musik en masse ver­trie­ben wird und ähnli­che anti­the­ti­sche Strukturen. Das Schöne dabei: ob das alles auf Dauer funk­tio­niert, ist völ­lig egal. Ob die Majorindustrie bald oder spä­ter baden geht, ob net­la­bels über­le­ben oder nicht, ob mys­pace zukünf­tig die wich­tigste Talentvermittlungsplattform wird: die nächs­ten Jahre werden’s zei­gen. Fest steht momen­tan nur, dass wir der­zeit meh­rere Optionen haben, dass Musik auch anders als über das klas­si­sche Major-System ver­trie­ben wer­den kann.

Ob sich Startum daher zukünf­tig in klei­ne­rem Maßstab abspielt, ob Live-Performances gegen­über Albenverkäufen an Stellenwert gewin­nen, ob die Konsumenten dazu über­ge­hen, direkt an dei Produzenten zu bezah­len, weiß der­zeit nie­mand. Auch nicht die IFPI. Und des­we­gen mag das öster­rei­chi­sche Unterrichtsministerium zwar große Freude mit gra­tis zur Verfügung gestell­ten Unterrichtsmaterialien haben — aller­dings lässt man ja auch nicht Lebensmittelkonzerne die Biologiebücher ver­fas­sen: in der Schule soll­ten die Schüler mit der Vielfalt von Kulturproduktion zumin­dest als Option bekannt gemacht wer­den, mit der Möglichkeit neuer Distributionsnetze. Lehrmaterialien, die von der IFPI bereit gestellt wer­den, ent­hal­ten vor allem eine Botschaft: mp3s zu kopie­ren ist böse. In den Händen des rich­ti­gen Lehrers und mit pro­pe­rem Material kon­ter­ka­riert, mögen sich die Pakete als wahre didak­ti­sche Perlen erwei­sen. Schöner wär’s halt, wenn zumin­dest die Regierung im Sinne ihres Kulturförderungsauftrags gleich von vor­n­er­hein auf eine aus­ge­wo­gene Darstellung in den Lehrmaterialien ach­tet und ganz schnell jedes Paket mit einer Infomappe ergänzt. Dies hat die Initiative Ideen sind etwas wert wohl (unfrewil­lig) rich­tig erkannt, wenn sie in Über das Projekt schreibt:

Die Fähigkeit audio­vi­su­elle Medien “rich­tig” zu sehen, zu hören und zu bewer­ten hilft uns mit dem Informationsangebot der kom­ple­xer wer­den­den Medienwelt bes­ser umge­hen zu können.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 2 Kommentare zu "Kommentar: Kultur kann man so oder so hören" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • fadi Identicon Icon

    Als einer der vom Musikmachen leben muss, hänge ich fol­gende Gedanken an die­sen blog-post an:

    1* Audio-Files die zb. von Wipeoutonline auf MySpace zu hören sind, ver­kau­fen sich auch recht gut über iTu­nes, etc.
    Also gilt die Regel immer noch: Zuerst muss man Musik hören, damit man daran Gefallen fin­den kann und zum Käufer wer­den kann.
    Natürlich gibt es auch Benutzer, die das Netz nach Freibier abgra­sen, kei­nen Beitrag leis­ten und nichts zurück geben.
    Die KonsumentInnen bestim­men das Angebot, bestim­men wer noch pro­du­zie­ren kann und will, ob der Lieblings-Sound über­haupt am leben bleibt.

    2* Klar will ich von mei­ner Musik leben! Ware ist sie sowieso, ganz gleich in wel­chem Kontext. In der Romantik hat sich das Bürgertum ein recht kru­des Künstler-Bild zusam­men­ge­zim­mert. Der Künstler als eine von Gott beseelte Kunstmaschine, die gar nicht anders kann, als Kunst zu schaf­fen. Das hat natür­lich immer den Preis gedrückt. Und die­ser Preiskampf ist natür­lich noch nicht zu Ende. Gratis der Endpunkt.

    3* Der letzte welt­weite Star war Napster. Ist doch zum wei­nen, oder?

    4* Schallplattenfirmen als Teil eines Mischkonzerns ope­rie­ren im Quartalstakt. Da kann nie lang­fris­ti­ger Erfolg ent­ste­hen. Die Erfolglosigkeit ist somit projektiert.

    5* Ich gehe jetzt ins Kino. Natürlich ins Programm-Kino. Da weiß ich in was und wen ich investiere.

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 21. Mai 2007 um 13:14

    Sehr schön zusam­men­ge­fasst :-) Zu Punkt 1): nie­mand hatte Panik, dass die Popmusik auf­hö­ren würde zu exis­tie­ren, weil die Songs im Radio gespielt wur­den & die Zuhörer alles auf Kassette hät­ten auf­neh­men kön­nen. Im Gegenteil: das Radio erwies sich als pri­mär Kauf-Motivator; kei­ner kauft die Katze im Sack. Aber das i-net scheint noch zu neu zu sein für die meis­ten und wird häu­fig sehr unent­spannt betrachtet.

    Und ich denke auch, dass letzt­end­lich die Konsumenten ent­schei­den; die Strategien der Major Labels waren es ja letzt­end­lich, die Napster zum Star machten…

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