AuctionAds funktioniert genau wie gewohnte Affiliate Programme: Seitenbetreiber registrieren sich und bauen einen Codeschnippsel in ihre Seite ein, der zukünftig kontextsensitive Werbeanzeigen einblendet. Der neueste Streich im Affiliate-Reigen zeichnet sich allerdings durch einige Besonderheiten aus und eignet sich möglicherweise sogar als Ersatz für Google Ads. Der Slogan “increase the bid on your site’s income” scheint jedenfalls durchwegs berechtigt zu sein – so man zufällig in den USA wohnt.
In der Affiliate-Marketing Szene ist Jeremy Shoemaker hinlänglich bekannt – vor allem unter seinem Pseudonym Shoemoney. Am gleichnamigen Blog gibt’s immer wieder Insider-Stories aus der us-amerikanischen Affiliate-Szene zu lesen. Über dem großen Teich geht die kommerzielle Post ganz anders ab als hier in Europa. Das mag mit einer verstärkten Goldgräberstimmung und mit dem klassischen vom Tellerwäscher-zum-Millionär Mythos zu tun haben, führt in jedem Fall allerdings zu wesentlich affirmativerem Umgang mit dem Thema Blog-Vermarktung. Jeremy stand zwar nie beruflich vor dem Waschbecken, der frühere Vertreter allerdings scheffelt seit Jahre hunderttausende Dollar im Netz – ohne Illegalitäten, Pornographie oder Abzocke. Wenn jemand eine Ahnung von Arbitrage Marketing hat, dann er. Dementsprechend groß waren die Erwartungen, als er sein neues Produkt ankündigte.
Warum kann AuctionAds genauso viel auszahlen, wie man als Publisher direkt bekommen würde und trotzdem selbst dabei verdienen? Das liegt an der Vergütungsstruktur des eBay-Partnerprogramms, denn die ist gestaffelt: je mehr Conversion man generiert, desto höher der ausgezahlte Prozentsatz. AuctionAds tritt gegenüber eBay als einzelner Account mit hohem Volumen auf und erreicht daher viel leichter eine hohe Provisionsstufe als ein einzelner Publisher. Die resultierende Differenz stellt sozusagen den abschöpfbaren Gewinn dar.
Antwort von Radio Eriwan: im Prinzip ganz simpel. Aber in der Tat – selbst der manuelle Einbau (für Infos zum WordPress-Plugin siehe unten) ist in zehn Minuten erledigt. Nach der Registrierung auf der Seite legt man die entsprechenden Channels (Werbeplätze) an und generiert anschließend einen oder mehrere Codes zum Einbau. Alle gängigen Bannerformate sind in der Auswahl enthalten, die Farben lassen sich frei anpassen. Essentiell sind die Keywords, die man in diesem Schritt wählt: sie entscheiden über die thematische Ausrichtung der Anzeigen.
Wie der Name durchaus nahelegt, geht’s hier ausschließlich um Anzeigen zu Online-Auktionen, die aktuelle auf Ebay laufen. Die größte FischVersteigerungshalle der Welt bietet natürlich eine riesige Auswahl an Auktionen aus allen Bereichen: von der seltenen rare-groove LP bis zum gut erhaltenen Opel Manta. In dem Wissen, dass visuelle Stimuli die Clickrate ganz beträchtlich erhöhen, besteht jede Anzeige aus Textlink, aktuellem Mindestpreis und einem Thumbnail-Bildchen. Bezahlt wird nicht pro Click, sondern pro erfolgreich vermitteltem Kauf – schlägt der Anzeigenleser auf eBay zu, registriert sich auf eBay oder/und ersteigert den Gegenstand seines Begehrens, so wird der Publisher finanziell beteiligt, und zwar nach folgendem Muser:
When your site’s visitors click on an Auction Ad listing and take an action on eBay you earn cash. Actions are defined as a Winning Bid, a Buy-it-Now or a confirmed user registration. AuctionAds is committed to paying out a minimum of 100% of eBay commission revenue. See eBay’s affiliate program for details on the payout.
Auction Ads zahlt also mindestens so viel wie das hauseigene eBay Programm – da dürfte jemand wohl gute Prozentsätze verhandelt haben, denn die Betreiber des Netzwerks werden sicherlich nicht verhungern. Die bisherige Wachstumsrate kann sich sehen lassen: 17.000 Mitglieder registrierten sich in den ersten drei Monaten und erhielten bislang eine halbe Million Dollar an Provisionszahlungen. Nähere geo-spezifische aufbereitete Details erklärt der Maestro persönlich in seiner Videopräsentation:
Als langjähriger Blogger kennt der CEO von AuctionAds die Bedürfnisse von Blogautoren. Die von osCandy entwickelte Software basiert auf Jeremy’s Spec-Vorgaben und bietet im Gegensatz zu üblichen Quick-and-Dirty Plugins einen echten Mehrwert gegenüber der händischen Template-Pfriemelei:
- Content can be included in either above, below or within the content.
- A keyword text box is provided within the content editor, this allows unique keywords to be used for individual blog posts; this eases the need to create new ads each time.
- Keywords can be stored for future use. Just select pre-used keywords from the drop down menu and insert the comma or semicolon, done in a matter of seconds.
- Only displays ads to posts that keywords have been added to.
Kurz gesagt: das Plugin ermöglicht Keyword-Sets pro Artikel und den direkten Einbau der Ads in den Contentbereich. Die Amerikaner kennen da eben keine Scheu; zumindest hab ich noch auf keinem englischsprachigen Alphablog seitenlange Diskussionen darüber gelesen, ob die Kommerzialisierung von Weblogs denn überhaupt moralisch vertretbar ist.
Plugin-Download
Ich hab AuctionAds seit gut vier Woche laufen; die Anzeigen werden im Wechsel mit anderen Affiliate-Programmen eingeblendet. Insgesamt bekamen die Ads rund 20.000 PIs im Zeitraum von einem Monat. Zur Online-Applikation selbst kann ich nur sagen, dass hier erfahrene Profis am Werk waren: die Bedienung geht flott von der Hand, der Einbau war, wie oben bereits erwähnt, mit keinerlei Problemen behaftet.
Sehr gut gelungen ist auch die Auswertung, mit der man die Performance seiner Channels im Auge behält. Das Verhältnis von Pageimpressions zu Clicks ist für eine Anzeige in Bannerform, die noch dazu recht weit weg vom Hauptcontent positioniert ist, ausgesprochen akzeptabel. Verdient habe ich in diesem Zeitraum mit AuctionAds allerdings EUR 0,26 – und das trotz der erstaunlich hohen Clickrate. Das liegt daran, dass AA sich bisher ausschließlich an den amerikanischen Markt richtet: wer auf den Ad klickt, gelangt nicht direkt zur betreffenden Auktion, sondern zur landesspezifischen eBay-Seite mit voreingestellter Suche der Keywords der jeweiligen Anzeige. Der User sieht also zum Beispiel, dass ein vergoldeter USB-Zigarettenanzünder um 2 Dollar zu haben wäre, klickt auf die Anzeige zum kommt zur eBay-Österreich Suche nach “Hardware Musik Gadgets”. Das macht die AuctionAds weitgehend obsolet für Non-US Einwohner.
Die Frage, warum ich die Ads immer noch laufen habe, scheint bei diesem Resutat berechtigt. Es ging und geht mir dabei primär um das Testen einer innovativen Werbeform, die auf der Klick-Raten-Seite offensichtlich funktioniert, und da eBay ja ohnehin in den meisten Ländern verfügbar ist, kann es wohl nur ein kleiner Schritt zu einer Lokalisierung des Service sein. Daher vermute ich stark, dass Jeremy recht bald eine Option zur Auswahl des gewünschten eBay-Landes nachrüsten wird. Falls nicht, werden die AuctionAds am datenschmutz Blog jedenfalls bald wieder pausieren. Der CTR-Indikator zeigt im Vergleich zu anderen Werbeformen allerdings deutlich die Überlegenheit visueller Botschaften vor reinen Textanzeigen. Das offizielle Statement zum Thema Internationalisierung lautet wie folgt:
AuctionAds currently supports traffic from all countries in which eBay has a presence. Ad units currently only display ads in English, but all click traffic is geotargeted to the visitors country.
To clarify: at this time no ads are displayed from other countries’ eBay sites. When a non-US visitor clicks an ad, they are taken to a search page of items from the same keywords. As ad impression volume builds from specific countries, we will consider adding local ad display. Our statistics and testing shows that this converts extremely well for international users.
Naja… “extremely well” ist wohl ein Euphemismus; und baldige “echte” Internationalisierung tut Not.
Wir Österreicher sind beim Affiliate-Marketing dank der Sprachverwandtschaft mit Deutschland ja immer benachteiligt, wenn’s um Produkte geht, die nur für das Alpenland relevant sind: wie etwa Mobilfunkprodukt einheimischer Anbieter. Ich hab hier auf datenschmutz rund 92% deutsche Leser, 5% Österreicher und einige Schweizer; große Systeme wie Adwords (die hier nicht laufen!) zeigen ohnehin die nach IP zugeteilten landesspezifischen Werbungen an; für kleinere Web 2.0 Start-Ups ist’s nicht einfach, hier mitzuhalten. Generell würde ich meinen, dass im Bereich Affiliate-Marketing das Thema “Lokalisierung” von zunehmender Bedeutung ist – Bidvertizer bietet bereits länderspezifische Anzeigen an. Aber so geht’s einem eben, wenn man im Nischenmarkt eines weltumspannenden Netzes seinen Stand aufbaut!
In Blogistan gibt’s bereits einiges an Feedback: Max findet auch, dass AuctionAds Potential hat, JohnTP hat ein paar Tipps, und SEOfm hat den Maestro interviewed.
Update: Hauke hat ein Plugin geschrieben, das automatisch alle eBay-Links durchsucht:
Der AuctionAdder durchsucht die Posts und Kommentare deines WordPress Blogs nach URLS welche auf eBay verweisen und ergänzt diese durch deinen persöhnlichen AuctionAds Code.
Keine ähnlichen Beiträge.
Herr Shoemaker weiß schon, was er da tut:
direkt antworten
na mal sehen wann es für Deutschland richtig funktioniert!
direkt antworten
Hört sich gut an. Aber ich weiß nicht ob sich solche “Geniestreiche” in letzter Konsequenz langfristig bewähren. Ich hab das Gefühl, dass solche Aktionen im Moment auch gern wieder zerbröselt werden, weil sie nicht unbedingt im Sinne des Ursprünglichen Anbieters sind…
direkt antworten
Prinzipiell hast du natürlich recht; allerdings basiert AuctionAds ja auf Zusammenarbeit mit eBay, die haben sicher nix dagegen nach ihren aktuellen Querelen mit Google, ganz im Gegenteil.
direkt antworten
Sieht auf jedenfall gut aus, braucht aber eben noch ein bisschen, bis es sich richtig gut durchsetzt. ich persönlich überzeugen Auction Ads nicht unbedingt. Ja, die Idee ist gut, aber es gibt doch auch bessere Möglichkeiten, etwas Geld zu verdienen mit seinem Content.
direkt antworten
Die Bilder machen’s halt aus… jedenfalls eine sehr smarte Reaktion auf den “Longtail” und meines Wissens das erste Business-Modell, das auf Provisions-Staffelung abzielt.
direkt antworten
Alles in allem ne nette Idee. Die Staffelung dabei finde ich auch sehr spannen. Gibt es bereits deutsche Seiten die soetwas machen?
Grüße Gabi
direkt antworten
Soweit ich weiß, gibt’s da nichts Derartiges… und AuctionAds funktioniert wirklich nur für englisch-sprachige Seiten ordentlich.
direkt antworten