Noch nie lag so viel auf jener Stadt, wel­che die Verpackung klas­si­scher Würste zu einem Teil ihres Namens gemacht hat. Zwar hat der noch gar nicht begon­nen, das tut vor­aus­ei­len­den Krawallen indes kei­nen Abbruch. Manchmal muss es aber gar nicht nackte Gewalt sein — was den DarmstädterInnen die­ser Tage in den Briefkasten flat­terte, erin­nert an eine Schlingensief-Aktion und erfreut die Herzen fried­lie­ben­der G8-Gegner.

Ein hoch­of­fi­zi­ell aus­se­hen­der Brief fun­giert als Stein des Anstoßes, wie die Frankfurter Rundschau berichtet:

(dpa/lhe). Eine Fälschung als gegen den G8– Gipfel: In haben Unbekannte in Schreiben mit Briefkopf der Stadt die Bevölkerung auf­ge­ru­fen, wäh­rend des Gipfels “auf unnö­tige Mobiltelefonate” zu ver­zich­ten. Dies helfe den Behörden, ter­ro­ris­tisch rele­vante Gespräche zu erken­nen, hieß es in dem Brief, der am Donnerstag im Stadtgebiet ver­teilt wurde. Polizei und Staatsanwaltschaft haben Ermittlungen gegen Unbekannt aufgenommen.

Doch damit nicht genug — das Schreiben for­derte die DarmstädterInnen wei­ters auf, nach Einbruch der Dunkelheit unauf­ge­for­dert (!) ihre Ausweispapiere vor­zu­zei­gen. daf­acto, das Darmstädter Rathaus-Journal, weiß genaue­res und darf sich dank des G8-Gipfels wohl auch eines neuen Besucherrekords erfreuen:

Auch wird auf­ge­for­dert, “nach Einbruch der Dunkelheit der Polizei unauf­ge­for­dert Ausweispapiere vor­zu­zei­gen”. Zudem müss­ten Abonnenten bestimm­ter über­re­gio­na­ler Tageszeitungen und Wochenzeitungen “mit der Über­prü­fung ihres Briefverkehrs sowie ver­spä­te­ter Zustellung rech­nen”. Das Bürger– und Ordnungsamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt weist dar­auf hin, dass es sich bei die­sem Unsinn um eine anonyme Fälschung han­delt. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt hat die Polizei ein­ge­schal­tet, die ihre Ermittlungen bereits auf­ge­nom­men hat.

Sebastian Schuster hat einen Scan des Briefes auf sei­nem Blog. Auch wenn die Polizei nicht zu schmun­zeln ver­mag: die Unbekannten, die hier am Werk waren, haben die klas­si­sche Technik des Hoaxes benutzt: nicht bloß, um Aufmerksamkeit zu bekom­men, son­dern in ers­ter Linie, um eine sehr direkte Art der Bewusstseinsbildung zu betrei­ben. steht heut­zu­tage an der Tagesordnung, der Sicherheitsaufwand bei G8-Gipfeln ist gewal­tig — so hoch, dass der inkri­mi­nierte Brief vie­len gar nicht als Fälschung erschie­nen sein wird. Und wenn die Aktion bei den Betroffenen ein Gefühl der Beklemmung und Unfreiheit her­vor­ruft, dann haben die G8-Gipfel Gegner viel mehr erreicht als durch bru­tale Straßenschlachten mit der Polizei.