Die Kolumne #77 (Mai 2007)

Neulich habe sie das fiktive Weibi-Magazin ganz gegen ihre sonstige Gewohnheit von hinten durchpflügt, nur um feststellen zu müssen, dass ihr Name nicht in der Liste der 200 Topf Frauen aufscheint. „Ein Affront gegen meine Koch-, Model- und Bettkünste,“ erbrüstete sich Tante Brigitte um mindestens eine BH-Größe, „sogar die analoge Halluzinelle des Herrn Ijon Tichy wird erwähnt – für schelmisch-reflektierte post-feministische Dienstbarkeit gegenüber ihrem Herrn.“

Fixerjobs flexibilisieren eine erbrochene Arbeitswelt.

Als gelernter Sozialwissenschaftler und bedingungsloser Anhänger jeglicher quantifizierender Wissenschaft blieb mir nur, mit meinem Standard-Totschlag Argument Nr. 26 (Tags: Diskussion, Topfrauen, Hitparade) zu antworten: „Liebe Brigitte, zur Lösung des Quantifizierungsproblem können Top-Frauen-Hitparaden einen multidimensionalen Ansatz verfolgen: Durch die Verwendung von quantitativer Forschung in Verbindung mit emotionalem und nutzerzentrierten Bewertungsdesign können die Vorteilspotentiale auch anhand ökonomischer Größen aufgezeigt werden. Aktuell wird diese Design-Measurement-Strategie noch in den wenigsten Top-Frauen-Rankings in dieser Form umgesetzt. Herausforderung ist häufig der damit verbundene Veränderungsprozess und ein zu starker Fokus auf die kurzfristig entstehende Überheblichkeit der Gereihtenn, statt sich auf die mittel- und langfristigen Synergie-, Umsatz- und Marketing-Potentiale auszurichten,“ bemühte ich mich zu kalmieren.

„Ich wette, Sascha Walleczek schlammrang sich mit Marika Lichter um den ersten Platz,“ giftelte Brigi meine Ausführungen auf den Mattenboden erlogener Tatsachen zurück, was mich zum Sticheln zwang: „Du bist ja nur neidisch, weil deine Einläufe bei weitem nicht so kraftvoll den reinigen wie die der Siegerin!“

„Meine Einläufe dienen ja auch nicht der Darmentgiftung, und schon gar nicht dem Abnehmen – frag ruhig nach in meinem Bekanntenkreis. Meine Einläufe ergänzen die moderne Leistungssportlerernährung um jene 10 Prozent fehlender tierischer Proteine, die oral nicht aufgenommen werden können.“

„Da könntest du ja ebensogut bei Steirisch Tauchen von der Südautobahn abfahren und ein paar Runden im Kürbiskernölbecken drehen. Ich bin sicher, du erinnerst dich noch lebhaft an die Zeit, als Ernährungsberaterin von David Hasselhoff. Die fettigen Details erspare ich uns beiden und den Leserinnen für’s erste.“

An dieser oder einer ähnlichen Stelle musste ich bereits einmal, um dem Leser den Fortgang der Geschichte zu verdeutlichen, auf Brigittens‘ unzureichendes lukullisches Talent hinweisen. (Kolumne 74, “ Der mit der Büffelwurst antanzt, steht auf tierische Action.“) Eine ob ihres Mitlesens während meines momentanen Tippens besonders unangenehme Pflicht – wenngleich ihr Anblick in schwarzen Strapsen vor Edelmetall-Kochgeschirren stets ein reizender ist. „Du hättest eben niemals die Nackt-Küchen-Model Karriere für die Nackt-Köchin Laufbahn aufgeben sollen, nicht wahr?“ schrieb ich. In diesem Moment beugt sich Brigitte über meine Schulter und fragt: „Schreibst du das jetzt oder fragst du mich?“ „Ich dokumentiere,“ antworten der fiktive Erzählcharakter dieser Kolumne und ich beiden Brigittes, „das ist der erste Echtzeit-Dialog in einem Printmedium, und du bist die berühmteste fiktive Kolumnenpersönlichkeit Ostösterreichs – da können Dick-und-Dünn BeraterIn noch so viele Listen anführen!“

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