Konzertreview: Hier kamen die Hörner

Am 12. Juni gastierten die Delinquent Habits zum zweiten Mal in Wien. Die Tex-Mex Rapper aus LA rockten vor 8 oder 9 Jahren schon mal die Arena, kurz nach ihrem großten Hit „Here come the Horns“. Inzwischen ist viel Wasser die Donau herabgeflossen, aber die gewohnten Zutaten funktionieren immer noch genauso gut anno dazumal.

Pete und ich waren damals in der Arena und haben im Anschluss ans Konzert das Trio bzw. Quartett interviewd. Sick Pimp, ein Freund der Band, stand damals auf der Bühne – er könne nicht rappen, erzählte Sen Dog, wäre aber zur Crew im engeren Sinne zu zählen und seine Aufgabe bestehe einfach darin, die Leute durch seine intoxizierte Bühnenpräsenz während des Konzerts zum Partymachen zu ermuntern. Das hat uns damals genauso fasziniert wie die unfassbare Live-Präsenz und die gewaltigen stimmlichen Skills der MCs.

Kaum eine andere Musikrichtung ist bei der Live-Performance so gefährdet, ins Mittelmaß der Lächerlichkeit abzurutschen wie der gute alte Sprechgesang. Meiner empirischen gap-Erfahrung der letzten zehn Jahre folgend, würd ich mal behaupten, dass von rund 100 Rappern, die einen brauchbaren Take im Studio zusammenbringen, nur höchstens 10 live auf der Bühne nicht völlig abstinken. Die Delinquent Habits gehören zu den Großmeistern des Party Hip Hop, und obwohl der Band seit längerer Zeit kein Top Ten Hit gelang, war der Planet Music recht gut gefüllt. Eigentlich wollten wir uns das Konzert ja primär aus nostalgischen Gründen anhören – mit einer so gelungenen Bühnenshow hätte ich eigentlich nicht gerechnet. Aber Quality Control funktioniert bei dem Trio, das gestern abend stimmlich durch die großartige Michelle aufpoliert wurde: keine Rapperin, sondern eine Soul-/Rock-Röhre, deren beachtliches Stimmvolumen den Flow der beiden MCs perfekt ergänzte. DJ OG verzichtete auf Scratch-Showeinlagen, dafür war jeder Cut perfekt am Punkt – 90 Minuten ohne einen einzigen Durchhänger, alte Hits in neuen, gepimpten Versionen, großartige Texte und friedlicher Party-Vibe: solides und motivierendes Handwerk macht eben viel mehr Spaß als langweiliges Gangsta-Gepose – ich freu mich schon auf’s nächste Mal, idealerweise nicht erst in zehn Jahren.

Ach ja, eine Anregung an die Location: die zunehmende Popularität von Alkopops bedingt einen bisher nie dagewesenen Zuckerspiegel am Boden; bei DA war Stillstehen zum Glück kaum möglich … wenn man allerdings mal eine Minute die Beine nicht bewegt und sich beim anschließenden Fußheben fast den Schuh auszieht, ist das ein zuverlässiger Indikator dafür, dass eine Bodenreinigung kein Fehler wäre.

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