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Lauter neue Gratis-Magazine: Vice, Nullzeit

22.06.2007, geschrieben von , 4 Kommentare

vice.thumbnail Lauter neue Gratis Magazine: Vice, NullzeitVorgestern wurde am sand­be­schüt­te­ten Gelände des Wiener Eislaufvereins tief­see­iges prä­sen­tiert: Nullzeit, das neue öster­rei­chi­sche Tauchermagazin, rief zur Premierenfeier. Danach lud Vice in den Project Space, um die Erstausgabe des –Ablegers gebüh­rend zu befei­ern. Beide Magazin sind gra­tis erhält­lich, auf hoch­wer­ti­gem Papier gedruckt und auf­wen­dig bebil­dert. Einmal geht’s um alle Aspekte des Tauchsports und ein­mal um kol­lek­tive Trend-Exploration.

Das Riepl’sche Gesetz kickt wie­der mal mit vol­ler Wucht ein: der Mann pos­tu­lierte zu Radiozeiten, dass neue Medien alte nie voll­stän­dig ver­drän­gen, son­dern deren Funktionen verändern:

In sei­ner Dissertation über Das Nachrichtenwesen des Altertums mit beson­de­rer Rücksicht auf die Römer stellte Riepl fest, dass ein­ge­bür­gerte Medien “nie­mals wie­der gänz­lich und dau­ernd ver­drängt und außer Gebrauch gesetzt wer­den […], son­dern sich neben die­sen erhal­ten, nur dass sie genö­tigt wer­den, andere Aufgaben und Verwertungsgebiete auf­zu­su­chen. (Wikipedia)

Wie so viele Gesetze der Publizistikforschung fast eine No-Na Meldung; zumin­dest die Funktion, musea­ler Ausstellungsgegenstand zu sein, wird jede über­kom­mene Medientechnik behal­ten… aber genug geschweift: das Internet ver­drängt Printmagazine nicht nur nicht, neue Vertreter der Spezies blü­hen auf, und alle gibt’s für lau. Das wie­derum ist wohl ein direk­ter Effekt der Aufmerksamkeitsökonomie und gibt irgend­wie jenen Outlaws mora­lisch Recht, die sich immer schon die Kronenzeitung am Sonntag aus dem Ständer geklaut haben und sich hart­nä­ckig wei­gern, ORF-Gebühren zu bezahlen.

Ganz schön weit unter Wasser

Ein dedi­zier­tes Tauch-Magazin gab’s in Öster­reich bis­lang nicht: Nullzeit schließt diese Lücke und berich­tet von tief­blauen Erlebniswelten. Das Projekt finan­ziert sich über , Hobbytaucher bekom­men ihre Ausgabe gratis:

Es ist Zeit für ein öster­rei­chi­sches Wassersportmagazin, das sich sowohl an Taucher wen­det, aber auch an Bootsfahrer, Windsurfer und Kiter. Und genau das bie­tet das neue null­zeit Magazin. Es wurde von Tauchern, Seglern und Surfern für die uns wich­tigs­ten Menschen geschrie­ben — eben Sie, unsere Leser. Jeder, der gerne eine gedruckte Ausgabe in Händen hal­ten möchte, kann null­zeit Magazin ab dem 1. Juli 2007 im gesam­ten öster­rei­chi­schen Wassersporthandel, bei aus­ge­such­ten Vereinen, Fitnesscentern und Schwimmbädern in ganz Öster­reich finden.

nullzeit.thumbnail Lauter neue Gratis Magazine: Vice, NullzeitNeu ist die Zeitung nur auf Papier. Als eMa­ga­zin erfolgte der Launch Mitte Mai, ab sofort gibt’s Nullzeit zwei­mo­nat­lich im Print, die PDF-Ausgabe wird wei­ter­hin im Netz ver­öf­fent­licht. Das kleine Format lässt nicht allzu viel Spielraum für spacy-Layouts, die Optik ist aber ins­ge­samt recht gut gelun­gen. Selbst bin ich zwar gerne von Wasser umge­ben, aller­dings kein Taucher — trotz­dem liest sich die Ausgabe inter­es­sant, ent­hält tolle Fotos und infor­miert über so exo­ti­sche Zeitvertreibe wie das Apnoe-Tauchen, wo es dar­auf ankommt, mög­lichst lange ohne Ausrüstung unter Wasser zu bleiben.

Nullnummer als pdf

Zur Tauffeier des neuen Verlagskindes am ver­gan­ge­nen Mittwoch kam auch Prof. Dr. Hans Hass, der gemein­sam mit sei­ner Frau nicht nur das moderne Gerätetauchen begrün­dete, son­dern in sei­nen fas­zi­nie­rend Dokus diese schwe­re­lose, blaue Unterwasserwelt Millionen Zusehern näher brachte — ich kann mich noch gut an seine Aufnahmen erin­nern, die mich als Zehnjährigen unglaub­lich faszinierten.

Weiß-Magazin? Weis-Magazin? Vice Mag!

Ebenfalls als Nummer eins und auch gra­tis neu am öster­rei­chi­schen Printmarkt: das Vicemag. Niko Alm gibt her­aus, Stefan Häckel chef-redaktioniert. Vice ist bereits in zahl­rei­chen Ländern zum belieb­ten Lifestyle-Kompagnon gewor­den, ver­bin­dende the­ma­ti­sche Klammer sind Trends:

Was vor zwölf Jahren als Subkultur-Fanzine begann, ist mitt­ler­weile zu einem der ein­zig­ar­tigs­ten Medienunternehmen der Welt gewor­den. Vice ist das erste kos­ten­lose inter­na­tio­nal ver­brei­tete Lifestyle– und Szene– Magazin der Welt, mit einer der­zei­ti­gen welt­wei­ten Auflage von 866.000 Exemplaren, davon 100.000 in Deutschland. Die Vice-Leser erken­nen neue Trends, machen sie sich zu Eigen, und stel­len so auf der gan­zen Welt die Weichen in Sachen Style und Kultur. In der Marktforschungsanalyse The Cassandra Report wurde Vice in den letz­ten drei Jahren als der No. 1-Trendsetter-Titel genannt.

Schräge Fotos, locke­rer Schreibstil und keine Berührungsangst mit schwie­ri­gen Themen machen Vice zu einer Art FHM für die Dibo-Generation, über­zeu­gen kann man sich davon am zuge­hö­ri­gen Blog, Zitat:

Wenn du denkst, dass kon­zep­tio­nelle Kunst Gewichse ist, dann holt sich Martin Creed gewal­tig einen run­ter. Er hat vor ein paar Jahren den Turner Preis für die Installation ‘The lights going on and off’ gewon­nen. (Interview mit Martin Creed

Neben Kunst und Kultur kom­men auch poli­ti­sche Themen, eben Vice-mäßig auf­be­rei­tet, kei­nes­wegs zu kurz:

Woher kommt Kokain, und wer baut das Zeug an? Niemand, denn in Bolivien wer­den Koka-Blätter ange­baut, nur wir Deppen im Westen machen Blow draus. Der fesche VBS-Korrespondent Trace Crutchfield ist nach Bolivien gefah­ren um sich dort umzu­se­hen. Und ja, er trifft sogar Evo Morales. Fünf Episoden knall­har­ter war­ten auf euch. (Bolivian Marching Power)

Ein Teil der Inhalte wird für die Österreich-Ausgabe pro­du­ziert, ein Teil syn­di­ziert. Die eng­lisch­spra­chi­gen Artikel kön­nen die hier­zu­lande eher düs­tere Fremdsprachensituation ten­den­zi­ell nur ver­bes­sern und zeich­nen sich ebenso durch Wortwitz aus, der aller­dings bei wei­tem nicht so verkrampft-bemüht wirkt wie beim FHM. Außerdem rich­tet sich Vice the­ma­tisch zu etwa glei­chen Teilen an Männlein und Weiblein.

Am bes­ten in der ers­ten Ausgabe gefie­len mir das Interview mit dem Verteidiger Saddam Husseins und die Story über den erfolg­rei­chen Verkauf diver­ser Exkremente und natür­lich die Fixrubrik “DOs and DON’Ts”, in der die große Kunst des Fauxpas zele­briert wird. Vice ist gra­tis in aus­ge­wähl­ten Shops erhältlich.

Vice mit Imatra Voima

Legendär sind die nur mit Einladung betret­ba­ren Vice-Parties bereits in ande­ren Ländern; und das wer­den sie hier­zu­lande auch ganz schnell wer­den. Super Line-Up auf zwei Floors, viele, viele hüb­sche Menschen bei­der­lei Geschlechts (yeah! I did it! Ich hab nicht Partygirls geschrie­ben!) und Gratisdrinks: diese Antithese zur über­teu­er­ten Landdisco kann eini­ges. Wer beim nächs­ten Mal dabei sein will, muss sich recht­zei­tig eine Einladung über die Vice-Homepage sichern. Kost’ nix, wie so oft im Leben muss man nur zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen (vir­tu­el­len) Ort sein.

Am Mittwoch jeden­falls erbeb­ten die zwei Floors des Projekt Space unter den mäch­ti­gen Bässen von Imatra Voima, Pungent Stench, The Killians, DJ Pure, Wolfy & Jim, Reznik & Nic Jagger sowie Felix the Houserat und Paul Raal. Absolut Vodka floss dabei in Strömen — die ein­zig wir­kungs­volle Strategie gegen die Hochtemperaturen am bis­her hei­ßes­ten Abend des Jahres. Gelungenes Erstlingsheft, per­fekte Party. Vice rockt.

ist auch neu

Okay, nicht ganz neu, das Heft trägt aber erst­mals in schi­ckes gras­grü­nes Westerl und schreibt in der top­ak­tu­el­len Ausgabe Nummer #77 schwer­punkt­mä­ßig über Tirol (“Piefke Sage Revisited”), Testosteron-Legende Hugh Hefner (Untertitel: Pornopop-Schickschnack. Gestern: Playboy. Heute: ein ana­chro­nis­ti­scher alter Herr der Softsexindustrie.), Philippovitsch Quehenberger und David “Twin Peaks suckt” Lynch. Die , die Sie, lie­ber Leserin, natür­lich längst hier gezo­gen (aber nicht inha­liert!) haben, ist natür­lich auch mit dabei. Und die­ses runde Paket gibt’s völ­lig umsonst an der Popchronik-Ausgabestellen Ihres Vertrauens und in der Premium-Version (für die Non-Ballungsgebietler) auch käuf­lich erwerb­bar bei Dealern bunt bedruck­ter Papiere.

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