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Linkvermietung: Google macht dich zum Spitzel!

Quasi-Monopolisten haben’s manchmal viel zu einfach… auch wenn sie gerne von sich behaupten, nicht evil zu sein. Mit jener Art des Crowdsourcing, die totalitäre Regime seit Jahrhunderten heiß lieben, will Google nun die User zum Anschwärzen motivieren, wenn die Algorithmen versagen. Aber alles der Reihe nach: die Erregung rührt daher, dass das große G mal wieder die Richtlinien geändert hat: gekaufte Links verstoßen nun ganz offiziell gegen jenen impliziten Vertrag, den kein Webmaster je freiwillig mit Google abgeschlossen hat

Das offizielle Googleblog etwa erklärt eindrucksvoll die neoneue Strategie gegen verkaufte Links:

Links sind ein wichtiger Faktor in unserer PageRank-Berechnung, da sie angeben, wie nützlich jemand eine Seite findet. Gekaufte Links sind zwar wunderbar für Werbung und Traffic, jedoch weniger hilfreich für die Berechnung des PageRank. Das Kaufen und Verkaufen von Links mit dem Ziel, die Suchergebnisse zu manipulieren und Suchmaschinen in die Irre zu führen, verstößt gegen unsere Richtlinien.

Google indiziert, analysiert und seziert eben längst nicht mehr bloß das Web und dessen User, sondern gibt den Löwenanteil jener Spielregeln vor, mit denen Aufmerksamkeit in Cash transformiert wird. Dagegen mutet der seinerzeitige Microsoft-Anti-Monopol Prozess ja wie der vielzitierte Lercherl-Gasausstoß an. Enter Advocatus Diaboli: Der wahre Grund für das Backlinkverbot könnte ganz einfach darin liegen, dass Google solche Services wie Linklift und Text-Link-Ads, wohl zu Recht als schärfste potentielle Konkurrenz für die hauseigenen Cashcow-Produkte ansieht. Aber Verbote zeigen bekanntlich nur dann Wirkung, wenn sie Zähne haben – und Google weiß, dass das gute alte Spitzelsystem ganz einfach unschlagbar ist:

Als Reaktion auf eure Nachfragen bieten wir jetzt innerhalb der Webmaster-Tools ein Berichtformular für bezahlte Links an. Um das Formular zu verwenden, loggt euch einfach ein und gebt Informationen über die Sites an, die Links rein zum Zweck der Suchmaschinenmanipulation kaufen und verkaufen. Wir werden jeden Bericht prüfen und auf Basis dieser Feedbacks unseren Algorithmus und unsere Suchergebnisse verbessern. In manchen Fällen kann es sein, dass wir gegen Sites einzeln vorgehen.

Die angebotene Lösung ist an Skurrilität kaum zu überbieten – natürlich werden die Links ja gerade ge- und verkauft, um eine bessere Platzierung zu erreichen – die Textanzeigen richten sich eben überwiegend an nicht-menschliche User:

Falls ihr Links zu Werbezwecken verkauft, dann gibt es viele Möglichkeiten, dies zu kennzeichnen, wie zum Beispiel:

  • Einfügen eines rel=“nofollow“-Attributs in den href-Tag
  • Umleiten der Links auf eine Zwischenseite, die per robots.txt für Suchmaschinen gesperrt ist

Als Reaktion auf die Nachfragen also… wer’s glaubt. Im Klartext: viele, viele Berichte werden eintrudeln und SEOs werden versuchen, sich gegenseitig die verkauften Links um den Schädel zu hauen. Google wird ein bisschen abstrafen oder damit drohen, ein bisschen abzustrafen. Und das wird reichen, um den Link-Kauf Markt gravierend zu verunsichern. Wer diesen Beitrag für einen verspäteten Aprilscherz hält, der lese nach im Originalposting im Google Webmaster Central Blog.

Aus dieser Änderung der Richtlinien lassen sich also mehrere Schlüsse ziehen:

  • Google ist nicht mehr in der Lage, „echte“ und „kommerzielle“ Links zu unterscheiden. Lautete früher „keine händischen Eingriffe in den Suchalgorithmus“ das höchste Credo, so ist mittlerweile davon wohl nicht mehr viel geblieben.
  • Wenn die „Prüfung“ der Berichte genauso „sorgfältig“ erfolgt wie die Google auf Proteste gegen Adsense-Konto-Schließungen reagiert, wird sich die Vernaderei als probates Mittel in SEO-Schlachten etablieren.

Google is climbing the shitrope

„The shitrope is a rope covered with shit. Criminals try to climb it, but they just slip downwards,“ erklärt Jim Lahey den Trailer Park Boys eine seiner Lieblingsmetaphern. Sollte man also aufhören, Linkkauf/-verkauf Services zu nutzen? Das wäre wohl wesentlich zuviel vorauseilender Gehorsam. Näheres lässt sich allerdings erst in paar Monaten sagen, wenn die neue Bannbulle beginnt, Wirkung zu zeitigen. Auf längere Sicht kann die einzig tragbare Lösung nur in der Schaffung mehrerer Alternativen zu Google liegen, der Weg zur perfekten Suchmaschine allerdings ist angesichts der Omnipräsenz und taktisch klugen Einkaufslust des Marktführers mit spitzen Steinen gepflastert und zumindest mittelfristig wohl eher ein Wunschtraum denn ein realistisches Antimonopol-Szenario. Die Diskussion zur betreffenden News auf Yigg ist jedenfalls absolut lesenswert. Zitat von Grobe Kelle:

Da sieht man mal wieder, das Google ein großes Problem hat, sie können Links nicht mehr einordnen. Die erste Verzweiflung wurde durch den Aufruf von rel=“nofollow“ im Bezug auf Blogkommentare sichtbar. Ich kann nur hoffen, das die mal jemand mit Erfolg verklagt. Anstelle von „Don’t be evil“ würde sich eher „Wir sind voller Scheiße“ eignen!

btw: ich hab gehört, der Navigator hat massig Backlinks gekauft. Und der Dings auch und die Susi, also raus aus dem Index 😈

3 comments
Yvonne
Yvonne

Also ich finde den (hoffentlich richtig interpretierten) Grundgedanken von Google garnicht schlecht. Es wäre schön, wenn man auf Seite 1 der Suchergebnisse mal wieder die Sites finden würde, die tatsächlich am beliebtesten sind. Bei vielen Suchbegriffen ist es leider so, das die ersten 50 Treffer nur Schrott sind. Bei einigen der Seiten kann man sich sicher sein, das die ihren hohen Rang nur durch schummeleien erreicht haben. Das nervt und führt auf Dauer dazu, das User andere Suchmöglichkeiten nutzen. Trotzdem ist dieser "Verpetzen" Aufruf natürlich lächerlich. Google muss einen anderen Weg finden, die Suchergenisse wieder Objektiv zu gestallten!

ritchie
ritchie

Also ich seh das so: wenn's Google darum gehen würde, könnten sie ganz andere Maßnahmen setzen, als die User gegenseitig zum Vernadern auffordern. Und die ganze Argumentation ist angesichts der "paid" Platzierungen im Suchergebnis auch sehr heuchlerisch; aber an denen verdient G eben direkt.

Liliana
Liliana

Also hab ich das richtig verstanden, dass Google seine Suchergebnisse etwas entkommerzialisieren will? Ich denke mal so eine große Suchmaschine hat es mittlerweile auch etwas schwerer: Viele tun ja so ziemlich alles um dort gut gelistet zu sein - haben aber eben auch nicht immer inhaltlich was zu bieten. Wir suchen bestimmte Dinge einfach lieber bei kleineren Suchmaschinen, weil man dort noch vermehrt gute Ergebnisse findet. Und inzwischen sind die social bookmarks Seiten auch so beliebt, dass man teilweise dort auch bessere Seiten findet und v.a. schneller als würde man über Google suchen. Mag schade sein für die Link-Kaufleute, aber das ist nicht der Sinn einer Suchmaschine. Ich will etwas finden und zwar weder Werbung noch irgendwelche weiteren "diese Seiten könnten sie interessieren" Linklisten, die noch nichtmal etwas mit dem Thema gemeinsam haben.

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