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Linkvermietung: Google macht dich zum Spitzel!

19.06.2007, geschrieben von , 3 Kommentare

Quasi-Monopolisten haben’s manch­mal viel zu ein­fach… auch wenn sie gerne von sich behaup­ten, nicht evil zu sein. Mit jener Art des Crowdsourcing, die tota­li­täre Regime seit Jahrhunderten heiß lie­ben, will nun die User zum Anschwärzen moti­vie­ren, wenn die Algorithmen ver­sa­gen. Aber alles der Reihe nach: die Erregung rührt daher, dass das große G mal wie­der die Richtlinien geän­dert hat: gekaufte ver­sto­ßen nun ganz offi­zi­ell gegen jenen impli­zi­ten Vertrag, den kein je frei­wil­lig mit Google abge­schlos­sen hat

Das offi­zi­elle Googleblog etwa erklärt ein­drucks­voll die neo­neue gegen ver­kaufte Links:

Links sind ein wich­ti­ger Faktor in unse­rer PageRank-Berechnung, da sie ange­ben, wie nütz­lich jemand eine Seite fin­det. Gekaufte Links sind zwar wun­der­bar für und , jedoch weni­ger hilf­reich für die Berechnung des PageRank. Das Kaufen und Verkaufen von Links mit dem Ziel, die Suchergebnisse zu mani­pu­lie­ren und Suchmaschinen in die Irre zu füh­ren, ver­stößt gegen unsere Richtlinien.

Google indi­ziert, ana­ly­siert und seziert eben längst nicht mehr bloß das Web und des­sen User, son­dern gibt den Löwenanteil jener Spielregeln vor, mit denen in Cash trans­for­miert wird. Dagegen mutet der sei­ner­zei­tige Microsoft-Anti-Monopol Prozess ja wie der viel­zi­tierte Lercherl-Gasausstoß an. Enter Advocatus Diaboli: Der wahre Grund für das Backlinkverbot könnte ganz ein­fach darin lie­gen, dass Google sol­che Services wie Linklift und Text-Link-Ads, wohl zu Recht als schärfste poten­ti­elle Konkurrenz für die haus­ei­ge­nen Cashcow-Produkte ansieht. Aber Verbote zei­gen bekannt­lich nur dann Wirkung, wenn sie Zähne haben — und Google weiß, dass das gute alte Spitzelsystem ganz ein­fach unschlag­bar ist:

Als Reaktion auf eure Nachfragen bie­ten wir jetzt inner­halb der Webmaster-Tools ein Berichtformular für bezahlte Links an. Um das Formular zu ver­wen­den, loggt euch ein­fach ein und gebt Informationen über die Sites an, die Links rein zum Zweck der Suchmaschinenmanipulation kau­fen und ver­kau­fen. Wir wer­den jeden Bericht prü­fen und auf Basis die­ser Feedbacks unse­ren und unsere Suchergebnisse ver­bes­sern. In man­chen Fällen kann es sein, dass wir gegen Sites ein­zeln vorgehen.

Die ange­bo­tene Lösung ist an Skurrilität kaum zu über­bie­ten — natür­lich wer­den die Links ja gerade ge– und ver­kauft, um eine bes­sere Platzierung zu errei­chen — die Textanzeigen rich­ten sich eben über­wie­gend an nicht-menschliche User:

Falls ihr Links zu Werbezwecken ver­kauft, dann gibt es viele Möglichkeiten, dies zu kenn­zeich­nen, wie zum Beispiel:

  • Einfügen eines rel=“nofollow”-Attributs in den href-Tag
  • Umleiten der Links auf eine Zwischenseite, die per robots.txt für Suchmaschinen gesperrt ist

Als Reaktion auf die Nachfragen also… wer’s glaubt. Im Klartext: viele, viele Berichte wer­den ein­tru­deln und SEOs wer­den ver­su­chen, sich gegen­sei­tig die ver­kauf­ten Links um den Schädel zu hauen. Google wird ein biss­chen abstra­fen oder damit dro­hen, ein biss­chen abzu­stra­fen. Und das wird rei­chen, um den Link-Kauf Markt gra­vie­rend zu ver­un­si­chern. Wer die­sen Beitrag für einen ver­spä­te­ten Aprilscherz hält, der lese nach im Originalposting im Google Webmaster Central Blog.

Aus die­ser Ände­rung der Richtlinien las­sen sich also meh­rere Schlüsse ziehen:

  • Google ist nicht mehr in der Lage, “echte” und “kom­mer­zi­elle” Links zu unter­schei­den. Lautete frü­her “keine hän­di­schen Eingriffe in den Suchalgorithmus” das höchste Credo, so ist mitt­ler­weile davon wohl nicht mehr viel geblieben.
  • Wenn die “Prüfung” der Berichte genauso “sorg­fäl­tig” erfolgt wie die Google auf Proteste gegen Adsense-Konto-Schließungen rea­giert, wird sich die Vernaderei als pro­ba­tes Mittel in –Schlachten eta­blie­ren.

Google is clim­bing the shitrope

The shi­trope is a rope covered with shit. Criminals try to climb it, but they just slip down­wards,” erklärt Jim Lahey den Trailer Park Boys eine sei­ner Lieblingsmetaphern. Sollte man also auf­hö­ren, Linkkauf/-verkauf Services zu nut­zen? Das wäre wohl wesent­lich zuviel vor­aus­ei­len­der Gehorsam. Näheres lässt sich aller­dings erst in paar Monaten sagen, wenn die neue Bannbulle beginnt, Wirkung zu zei­ti­gen. Auf län­gere Sicht kann die ein­zig trag­bare Lösung nur in der Schaffung meh­re­rer Alternativen zu Google lie­gen, der Weg zur per­fek­ten Suchmaschine aller­dings ist ange­sichts der Omnipräsenz und tak­tisch klu­gen Einkaufslust des Marktführers mit spit­zen Steinen gepflas­tert und zumin­dest mit­tel­fris­tig wohl eher ein Wunschtraum denn ein rea­lis­ti­sches Antimonopol-Szenario. Die Diskussion zur betref­fen­den News auf Yigg ist jeden­falls abso­lut lesens­wert. Zitat von Grobe Kelle:

Da sieht man mal wie­der, das Google ein gro­ßes Problem hat, sie kön­nen Links nicht mehr ein­ord­nen. Die erste Verzweiflung wurde durch den Aufruf von rel=“nofollow” im Bezug auf Blogkommentare sicht­bar. Ich kann nur hof­fen, das die mal jemand mit Erfolg ver­klagt. Anstelle von “Don’t be evil” würde sich eher “Wir sind vol­ler Scheiße” eignen!

btw: ich hab gehört, der Navigator hat mas­sig gekauft. Und der Dings auch und die Susi, also raus aus dem Index :twisted:

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Bisher haben meine Lieblingsleser 3 Kommentare zu "Linkvermietung: Google macht dich zum Spitzel!" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Liliana Identicon Icon

    Also hab ich das rich­tig ver­stan­den, dass Google seine Suchergebnisse etwas ent­kom­mer­zia­li­sie­ren will?
    Ich denke mal so eine große Suchmaschine hat es mitt­ler­weile auch etwas schwe­rer: Viele tun ja so ziem­lich alles um dort gut gelis­tet zu sein — haben aber eben auch nicht immer inhalt­lich was zu bie­ten. Wir suchen bestimmte Dinge ein­fach lie­ber bei klei­ne­ren Suchmaschinen, weil man dort noch ver­mehrt gute Ergebnisse fin­det. Und inzwi­schen sind die social book­marks Seiten auch so beliebt, dass man teil­weise dort auch bes­sere Seiten fin­det und v.a. schnel­ler als würde man über Google suchen.
    Mag schade sein für die Link-Kaufleute, aber das ist nicht der Sinn einer Suchmaschine. Ich will etwas fin­den und zwar weder Werbung noch irgend­wel­che wei­te­ren “diese Seiten könn­ten sie inter­es­sie­ren” Linklisten, die noch nicht­mal etwas mit dem Thema gemein­sam haben.

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 19. Juni 2007 um 13:03

    Also ich seh das so: wenn’s Google darum gehen würde, könn­ten sie ganz andere Maßnahmen set­zen, als die User gegen­sei­tig zum Vernadern auf­for­dern. Und die ganze Argumentation ist ange­sichts der “paid” Platzierungen im Suchergebnis auch sehr heuch­le­risch; aber an denen ver­dient G eben direkt.

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  • Yvonne Identicon Icon

    Also ich finde den (hof­fent­lich rich­tig inter­pre­tier­ten) Grundgedanken von Google gar­nicht schlecht. Es wäre schön, wenn man auf Seite 1 der Suchergebnisse mal wie­der die Sites fin­den würde, die tat­säch­lich am belieb­tes­ten sind. Bei vie­len Suchbegriffen ist es lei­der so, das die ers­ten 50 Treffer nur Schrott sind. Bei eini­gen der Seiten kann man sich sicher sein, das die ihren hohen Rang nur durch schum­me­leien erreicht haben. Das nervt und führt auf Dauer dazu, das User andere Suchmöglichkeiten nut­zen.
    Trotzdem ist die­ser “Verpetzen” Aufruf natür­lich lächer­lich. Google muss einen ande­ren Weg fin­den, die Suchergenisse wie­der Objektiv zu gestallten!

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  • datenschmutz.net (30. Juni 2007)
    Text-Link-Ads: “Inlinks” versteckt Textanzeigen im Content Text-Link-Ads bietet ausgewählten Seiten ab sofort die Möglichkeit, Textanzeigen direkt im Kontext zu schalten. Diese so genannten InLinks sollten “vermietete” Links ununterscheidbar machen von “echten”. TLA erhofft ...
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