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Marlene Lobis: Datenschutz und Informationskubismus

Den folgenden Gastkommentar hat Marlene Lobis geschrieben. Er bezieht sich auf die zwölfte Folge des elektrischen Reporters, in der Peter Glaster über „Datenschutz und Informationskubismus“ spricht.
Ich wache mit Kopfschmerzen auf; waren wohl doch zu viele „Caipis“ gestern. Trotz des Wissens, ein katerproduzierendes Getränk in ungesunder Menge (obwohl, wie viel ist gesund?) zu mir zu nehmen, habe ich fröhlich konsumiert. Nicht Komasaufen, wie es grade zur Genüge diskutiert wird, nein, aber langfristig doch nicht gut für meine Hirnzellen. Und für die Leber sowieso nicht. Und: Beim Alkohol spüre ich (spätestens) am nächsten Morgen den direkten Effekt.

Das Wissen, dass jeder Schritt der „Informationssuche“, den wir im Internet beschreiten, das Schlaraffenland für Datensammler darstellt, ist zwar mehr oder weniger bewusst schon da. Das Internet ist aber mittlerweile zu einem so selbstverständlichen Lebensbegleiter geworden, dass dieses Wissen in den Hintergrund rückt und das Netz zunehmend genutzt wird und wir bereitwillig oder nichts ahnend unsere Daten hergeben. Was will schon jemand über mich wissen, Max Mustermann und Otto- Normalverbraucher?

Peter Glaser beschreibt in dieser Folge des „Elektrischen Reporters“ den Internet- User als einen „Eingeborenen, der mit Glasperlen abgefertigt wird“. Wir wissen nämlich nicht, welchen unermesslichen Wert unsere Daten für Datenhaie und Werbetreibende haben. Beispielsweise spricht es doch für sich, dass „Amazon“ nicht zugänglich ist für Untersuchungen zu deren Datenverwendung.

Unter dem Deckmantel „Do no evil“ liegt auch Google als kostenloser Dienst nicht weiter unter Verdacht, unsere Daten zu missbrauchen. Doch der weitgehend ungeregelte Internetraum bietet genug Möglichkeiten für die Datenfetischisten, an die gewünschte Info zu kommen. Registrierung ist in so vielen Fällen notwendig um den Dienst zu nutzen; und auch wenn wir nur einen Teil der (richtigen) Daten eingeben, entwickelt sich das ehemals pixelige Phantombild des Max Mustermann zu einem relativ scharfen Userschema, mit jedem Klick erhöht sich sozusagen die Auflösung und Schärfe der Umrisse. Und so wird man als User mit einem Profil behaftet im Sinne der jeweiligen Internetnutzung.

Von dem Datenraub, der hier schematisch betrieben wird, spüre ich nicht unmittelbar etwas, so Glaser, es bedroht weder meinen Körper noch meinen Alltag, und so ist es einfach die Gefahr zu ignorieren. Die Potenz einer solchen Datenaufschichtung, eines solchen „Profilbildes“ bemerke ich erst dann, wenn ich in einer Firma einen Job nicht bekomme, weil die Personalabteilung mein ökonomisches Verständnis und meine Überlebensfähigkeit auf „Second Life“ heran zieht oder meine Eigendarstellung auf „myspace“. Oder wenn mein Kreditrahmen nie über ein gewisses Maß hinausgehen wird, weil ich auf „bedenklichen“ Seiten surfe. Auch das ist „Informationskubismus“ – ICH bin von allen Perspektiven aus beobachtet.

Das Internet verändert sich im Minutentakt, Gesetze zum Datenschutz und Medienregulierungsbehörden haben kaum eine Chance in diesem „Jungle called Internet“. Und keiner tut was, so scheint es. Aber was kann ich auch tun? Also ignoriere ich weiter. Die einzigen direkt spürbaren Folgen sind vielleicht die Kopfschmerzen über nervende Spam- Mails, aber die vergehen schließlich schneller als jene von Caipirinha.

2 comments
Manfred
Manfred

Wenn man Träume googelt sieht man sie, doch wie die erste Liebe verstecken sie sich hinter einer Glasscheibe... :idea: :?:

Manuel E.
Manuel E.

Tja caipi und kopfschmerzen. Was soll man als Unternehmensberater dazu sagen... Manche Dinge ändern sich nie. Viele Grüße von einem ehemaligen Ritten-Bewohner aus Stuttgart!