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Buchrezension: Wege ins Wissen

01.06.2007, geschrieben von , Keine Kommentare

freieswissen Buchrezension: Wege ins WissenBuchrezension: Dobusch, Leonhard / Forsterleitner, Christian (Hg.): Freie Netze / Freies Wissen. Wien 2007

GNU, Linux, die Free Software Foundation, , Verlage und Co. gehö­ren drin­gend ent-geekt. Denn die Spielregeln der Informationsgesellschaft, die wir in die­sen Momenten fest­le­gen, wer­den unser kul­tu­rel­les und poli­ti­sches Leben zukünf­tig gra­vie­rend beein­flus­sen.

Neoliberale Markt-Selbstregulation ver­lässt sich auf die Hoffnung, das Regulativsystem Geld könne Verteilungsproblematiken wesent­lich effi­zi­en­ter abfe­dern als jeg­li­che poli­ti­sche Regulierung. Wenn aller­dings wis­sen­schaft­li­che Verfahren paten­tier­bar wer­den, von den Majors nur mehr als Ware gehan­delt wird und die Plattenindustrie sich nicht ent­blö­det, Plakatkampagnen mit inhaf­tier­ten –DownloaderInnen zu star­ten, bekom­men immer mehr Menschen Zugang zu immer mehr Information und eine Vorstellung davon, wel­ches Potential Netzmedien inne woh­nen könnte. Denn die Kluft zwi­schen Produzenten und Konsumenten wird immer klei­ner — bis, im Fall der Popmusik etwa, irgend­wann die Nachfolgeplattformen von mys­pace jene Funktionen über­neh­men, die der­zeit die Existenzberechtigung der Major Labels bilden.

Der Gedanke, dass nicht nur das Einkommen von Künstlern sichert, son­dern zugleich die Kunstproduktion gra­vie­rend behin­dert, ist kei­nes­wegs neu: Folgt Kulturproduktion doch stets den Regeln des Remixens und Rekombinierens, manch­mal ex-, manch­mal impli­zi­ter. Der luft­leere Raum des aus sich selbst krea­ti­ven Genies über­dau­ert dage­gen als fik­tive Konstruktion eines erstark­ten Bürgertums sogar in einer Zeit, in der Apologeten neuer Medien längst das ema­zi­pa­to­ri­sche Potential “sozia­ler Medien” beschwö­ren. Mit dem Schlagwort sind kol­lek­tive Wissensplattformen (Wikipedia) ebenso gemeint wie der Trend zum Mikro-Publishing (Weblogs) und der Beginn der Nutzung des als dia­lo­gi­sches Medium, wie Vilém Flusser lange vor der tech­ni­schen Realisierung die­ses Versprechens prophezeite.

Die gesetz­li­chen Spielregeln, die tech­ni­schen Möglichkeiten, Ideen und Ansätze zu einem alter­na­tive Urheberrecht wur­den bis­her vor allem in uni-nahen und tech­no­lo­gie­las­ti­gen Diskursen the­ma­ti­siert. “Freie Netze” ist der über­aus gelun­gene Versuch, die vie­len Facetten eines Themenkomplexes, der jeden Einwohner der Informationsgesellschaft gra­vie­rend betrifft, auf eine brei­tere Diskussionsbasis zu stel­len. In neun Kapiteln explo­rie­ren die bei­den Herausgeber gemein­sam mit Gastautoren sub­stan­zi­elle Themen im Umgang mit kol­lek­ti­vem Wissen: von “Open Courseware”, also frei ver­füg­ba­ren Kursinhalten an Universitäten, über die Freiheit der bis zur Bedeutung freien Wissens für den urba­nen Raum reicht das Themenspektrum. mit Medien– und Rechtsexperten zeich­nen ein dif­fe­ren­zier­tes Bild, die lie­be­volle Gestaltung macht das Schmökern im zu einem Vergnügen. “Freie Netze” eig­net sich somit her­vor­ra­gend als Nachschlage-Kompendium, als Einführung und nicht zuletzt als didak­tisch wert­volle Literatur etwa für den Medienunterricht — und das, ohne die Budgets unse­rer Schulen belas­ten: Dem Thema ange­mes­sen wähl­ten die Autoren eine Creative Commons Lizenz  — auf der Webseite gibt’s alle Kapitel ein­zeln oder das kom­plette PDF zum Gratis-Download, außer­dem infor­miert ein Blog über aktu­elle Projekte in Linz: http://www.freienetze.at

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