Blogvorstellung: Nick Fox-Giegs fesselnde Animationskunst

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foxgiegIt’s like spiders – intermittent video podcast nennt der kanadische Digitalkünstler Nick Fox-Gieg sein Blog. Auf Kunstfestivals in Rotterdam und Ottawa sowie im Centre Pompidou wurden seine Arbeiten bereits gezeigt – ich bin gestern zufällig auf die Seite gestoßen und wurde sofort in einen synergetischen Bild-Ton-Kosmos voll handwerklichem Geschick und Humor richtiggehend eingesogen.

Nick Fox-Gieg hat definitiv einen Fan mehr, seit ich gestern über ein Interview mit Jessica Delphino auf das Video zu I wanna be famous stieß. Das Podcast-Blog wird relativ im Quartalsrhythmus aktualisiert – bislang gibt’s rund 15 Videos, von denen ich die folgenden Beispiele ganz besonders empfehlen möchte. Den Stil Nick Fox-Giegs zu beschreiben fällt schwer, da die einzelnen Animationen sehr unterschiedliche Techniken und Visualisierungen nutzen. Allen Arbeiten haben freilich ein sehr genaues Gefühl für Bild-Ton Synchronizitäten und ausdrucksstarke, einprägsame visuelle Codes gemeinsam.

The Foxhole Manifesto

foxholeDiese Animation entstand als visuelle Begleitung zu einem Gedicht von Jeffrey McDaniel – die Tonspur stammt von einer Lesung des Autors. In „The Foxhole Manifesto“ macht sich McDaniel Gedanken über einen zeitgemäßen Gott, die Fox-Gieg mit symbolhaft reduzierten Schwarz-Weiß Animationen und dynamischer, geometrischer Bildsprache illustriert. Die erheiternde Schlussfolgerung nach so vielen Gottesbildern bringt athe- und monotheistisches Weltbild sogar unter einen Hut – oder zumindest beinahe:
The Foxhole Manifesto

The Story of Enoch

enochEin Mann erfährt „aus zuverlässiger Quelle“, dass die Erde ganz gewiss untergehen wird – doch ob durch Wasser oder Feuer, bleibt ungeklärt. In einem solchen Fall baut man am besten zwei Türme und speichert in Ihnen alles Wissen der Welt… mehr soll nicht verraten werden über diese stark kontrastierend, lebhaft animierte Kurzgeschichte zu einer biblischen Begebenheit:
The Story of Enoch

The little Bird of Disaster

Ein Vöglein müsste man sein… aber nicht einer dieser Seuchenvögel, die immer nur Unheil prophezeien und deren Vorhersagen sich so lange konsequent bewahrheiten, bis ein beherzter Held Appetit auf Grillhendl bekommt. Definitiv mein Favorit: die Animation wurde im Rahmen eines Workshops entwickelt und „live“ aufgeführt: das bedeutet in diesem Fall, dass die Charaktere in Echtzeit animierte Video-Puppen sind, kontrolliert durch eine spezielle Software:

The Little Bird of Disaster was developed at The Kitchen’s 2003 summer workshop. The speaking characters are real-time „video puppets,“ controlled with Mark Coniglio’s Isadora software. The piece was actually performed, like they say, in front of a live studio audience (you can hear them in the background).

Diesen Film kann man allen ZukunftsforscherInnen nur wärmstens ans Herz legen:
The little Bird of Disaster

Wie einleitend geschrieben sind alle Kurzfilme ohne Ausnahme absolut sehenswert: die gelungene Verbindung von Schnitt- und Animationstechnik, Sounddesign und extrem reduziertem, aber umso nachdrücklicherem Storytelling sichert Nick Fox-Gieg in meiner persönlichen Hitparade der Digital Artists eine Platz ganz, ganz weit vorne: schauen Sie sich das unbedingt an!
Nick Fox-Gieg: It’s like spiders

3 comments
irina
irina

Die Geschichte von Enoch erinnert mich an einen Schulkameraden :lol: Aber im ernst: fetter Style, gefällt mir sehr gut.

triplehippie
triplehippie

grandios! die würfelanimation ist das totale highlight :shock:

alphakolonne
alphakolonne

Danke für den Tipp... die Filme sind ja der Wahnsinn. Ich muss mal googeln, ob's da noch mehr gibt.