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bruit: Gert und Nachtstrom im Interview

17.07.2007, geschrieben von , 5 Kommentare

bruit bruit: Gert und Nachtstrom im InterviewAm Samstag habe ich über den sonn­täg­li­chen Launch des net­la­bels bruit berich­tet und ein Interview ange­kün­digt — Mica war noch schnel­ler, hier meine vir­tu­elle Unterhaltung mit den zwei Labelgründern und einige Hörbeispiele aus dem aktu­el­len Repertoire.

rit­chie: Einerseits bie­ten net­la­bels durch kos­ten­güns­tige Veröffentlichungen rie­sige Chancen, ande­rer­seits besteht gerade durch die gerin­gen Eintrittshürden die Gefahr, in der Masse an Labels unter­zu­ge­hen. Wie möch­tet ihr euch von ande­ren Labels abheben?

bruit:: Also erst­mals sind die Downloads von unse­rem Label Frei (aller­dings nicht , wir ent­wi­ckeln da gerade eine ent­spre­chende Lizenz); wir ver­ste­hen uns grund­sätz­lich als Präsentationsplattform für Künstler, die teil­weise schon viele Releases auf ande­ren Labels her­aus­ge­bracht, für unser Label aller­dings exklu­siv kom­po­niert haben.

Von infla­tio­nä­ren Seiten wie .com unter­schie­den wir uns zual­ler­erst mal durch unser schma­les Angebot; und das ist wirk­lich hand­ver­le­sen; wir wür­den auch keine ein­ge­sand­ten Demos akzep­tie­ren. Wichtig für uns ist, dass WIR auf die Künstler zuge­hen, die wir ent­de­cken und gut fin­den, und sie um einen Release für bruit bit­ten. Das ist sozu­sa­gen auch unsere Qualitätskontrolle. Es wird auch in Zukunft keine “Releaseschwemme” auf bruit geben.

?: Der Fokus eures Programms liegt auf expe­ri­men­tel­ler Elektronik — wie wür­det ihr die Kriterien beschrei­ben, die ein Track erfül­len muss, um ein poten­ti­el­ler Release-Kandidat für *bruit* zu sein?

bruit2 bruit: Gert und Nachtstrom im Interview!: Der Fokus auf die expe­ri­men­telle Elektronik hat sich für den Labelstart eher zufäl­lig erge­ben; da ist in Zukunft eine Ausweitung auf andere Styles auf jeden Fall drin­nen. Für uns ganz wich­tig sind ori­gi­nelle, in sich schlüs­sige Konzepte, die sich ein Künstler für einen bruit-Release aus­denkt. Alles was wir der­zeit auf bruit prä­sen­tie­ren, war für uns “alte Hasen” in gewis­sem Sinne Neuland– ob es nun die trick­rei­chen har­mo­ni­schen Schwankungen eines Robert Lepenik, der High-Speed –Noise eines Jon Eriksen oder das kon­se­quente “zwi­schen zwei Stühlen” von Gerald Schauder aka Kabelton ist (der sich absicht­lich nie zwi­schen avan­cier­tem und furzt­ro­cke­nen Technobeats ent­schei­det), das sind die Experimente die uns inter­es­sie­ren. Spannend ist auch, wenn ein gstan­de­ner Elektronikmusiker für bruit ein ande­res Instrument bedient– wie Maru mit sei­nem Gitarren-Doom-Inferno…

?: Was war der Grund dafür, dass ihr euch ent­schie­den habt, ein eige­nes zu grün­den, anstatt eure eige­nen Releases auf ande­ren net­la­bels zu veröffentlichen?

bruit11 bruit: Gert und Nachtstrom im Interview!: Erstens war dies ein schon lange geheg­ter Wunsch von uns Brüdern, mal gemein­sam ein Label zu machen. Zweitens geht es uns ja auch um Größeres, denn bruit ist ein­fach ein “neues Element” in unse­rem Portal Listening.at, wel­ches ja bereits seit län­ge­rem aus einem wöchent­li­chen , einem rie­si­gen Sendungsarchiv (wo auch unsere Vorgängersendung “Hörbar Abstrakt” zu fin­den ist) und einem Blog besteht. Das ist alles noch sehr aus­bau­fä­hig, um zu einer gro­ßen Anlaufstelle für die­je­ni­gen zu wer­den, die sich für musi­ka­li­sche Nischen interessieren.

?: Ihr seid beide schon seit Jahren in der Elektronik-/Kunstszene aktiv. Wie wür­det ihr die net­la­bel– oder über­haupt die Label-Entwicklung der letz­ten Jahre beschreiben?

!: Kleine (phy­si­sche) Labels abseits des Mainstreams tun sich seit län­ge­rem ja unglaub­lich schwer, so es sie denn über­haupt noch gibt. Ich erin­nere nur an den Tod von Mego oder Cheap, um nur mal an Wien zu den­ken. Und da man sich heut­zu­tage eh sowieso mehr oder weni­ger alles im Netz anhört bzw. her­un­ter­lädt, hat sich die Entscheidung zum “Netlabel” eigent­lich ganz natür­lich ergeben.

?: Wie sieht die Planung der nächs­ten Schritte mit *bruit* im Detail aus?

!: Zwei Sachen sind uns für die nähere Zukunft ganz wich­tig: Zum einen möch­ten wir die Vernetzung der bruit-Artists unter­ein­an­der för­dern und wür­den uns freuen, wenn da Neues, Kreative ent­steht. Zum ande­ren wol­len wir auch begin­nen, uns um Liveauftritte für unsere Musiker zu küm­mern, da die Situation bei expe­ri­men­tel­le­rer Musik hier ja nicht ganz ein­fach ist.

?: Denkt ihr, dass Online-Labels Musikern Chancen auf Einkommen bie­ten, oder sehr ihr die Online-Distribution pri­mär als Marketing-Kanal, wo eigent­lich nur gra­tis Musik eine Chance hat?

bruit3 bruit: Gert und Nachtstrom im Interview!: Marketing-Kanal ist ein Wort mit schlech­tem Karma, finde ich :)) Präsentationsplattform mit Zukunftschancen gefiele mir da wesent­lich bes­ser. Ich (Nachtstrom) kann da nur von mir spre­chen, ganz bewusst soll es bei unse­rem Label bzw. Portal NICHT um Geld gehen, das ist ein rei­nes “Labour of Love”, für uns sowie die gefea­tur­e­ten Künstler. Wenn sich aller­dings für irgend­je­mand von uns finan­zi­elle Zukunftschancen erge­ben wür­den, hätte ich ganz sicher nichts dagegen.

bruit
Listening Blog

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Bisher haben meine Lieblingsleser 5 Kommentare zu "bruit: Gert und Nachtstrom im Interview" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Martin Staudinger | Werbeplanung.at Identicon Icon

    Liebe bruit-Macher,

    erst­mals Gratulation zur Gründung. Eine große Bitte — auch wenn schlecht für Karma und Hörgenuß: Veröffentlicht ein­fach mp3-files. Wollte mir gerade Künstler von Euch anhö­ren — lei­der spie­len Eure “.ogg-files” mein iTu­nes ein­fach nicht. Kurz auf Hilfetext geklickt … aber hab’ ein­fach keine Lust jetzt halbe Stunde her­um­zu­spie­len. Klar: Mein Problem, dass ich Windows & iTu­nes nutze … ABER ich möchte Eure geile Musik hören und es wäre schade, wenn Ihr Eure Präsentationsplattform durch tech­ni­sche Einschränkungen so klein macht, dass es halt nur auf 1 bis 2 % der Rechner ohne Tricks auto­ma­tisch läuft! Also viel Erfolg mit dem Netlabel und mp3-Files! :wink:

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 18. Juli 2007 um 10:23

    @Martin: ideo­lo­gisch ist das ogg-Format ja hoch­gra­dig über­le­gen — freier Codec, keine Fraunhofer-Patentrechte etc… aller­dings spielt hier wie­der wie so oft die nor­ma­tive Kraft des Faktischen rein: zwar exis­tie­ren für alle gän­gi­gen Software-Player Ogg-Plugins, aber gerade bei der Hardware-Unterstützung mangelt’s enorm; nur ganz wenige Player kön­nen Ogg abspie­len. Ich hab mal über­legt, selbst alles in ogg zu archi­vie­ren, aber mich auf­grund des­sen dage­gen ent­schie­den. Die nor­ma­tive Kraft des Faktischen spricht für mp3… der “net cul­ture Hausverstand” aller­dings für ogg.

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  • Martin Staudinger | Werbeplanung.at Identicon Icon

    … genau: meine erfah­run­gen aus der ver­mark­tung: es macht kei­nen sinn sich gegen nor­ma­tive kräfte zu stem­men auch wenn der “net cul­ture haus­ver­stand” ande­res empfiehlt.

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  • verena Identicon Icon
    verena sagte am 20. August 2007 um 13:49

    Diese Einstellung finde ich sehr schade und mei­ner Meinung nach macht es natür­lich durch­aus Sinn sich gegen nor­ma­tive Kräfte zu stem­men. Noch dazu dau­ert es ca. 3 Minuten sich den VLC zu instal­lie­ren, der ogg Files pro­blem­los abspielt, und diese Zeit kann man als enga­gier­ter Hörer doch bestimmt erüb­ri­gen.
    Mit bes­ten Grüßen

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 20. August 2007 um 16:53

    @Verena: nein, das sehe ich über­haupt nicht so. Ich müsste dann meine kom­plette Sammlung “dop­pelt” archi­vie­ren, damit ich die Tunes auch beim Auflegen mit Laptop ver­wen­den kann und meine trag­ba­ren Player sie abspie­len…
    Und den VLC mag ich über­haupt nicht, aber das wär kein Problem: für alle belieb­ten SW-Player gibt’s ja eh plugins, aber die Hardware und die “ernst­haf­ten” Musikprogramme unter­stüt­zen ogg häu­fig ent­we­der gar nicht oder nur lücken­haft.
    Dass die Klangquali von ogg bei glei­cher Datenrate um 20% höher liegt — oder anders gesagt, dass die­selbe Qualität in ogg 20% weni­ger Platzplatz braucht, ist mir völ­lig egal, weil das nur bei nied­ri­ger Kodierung zum Tragen kommt. 320kBps mp3s sind eine brauch­bare Archivierungs-Variante… da merk ich selbst auf Studio-Equip kaum Unterschied zu Standard-Waves.

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1 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • datenschmutz.net (21. November 2007)
    bruit referenziert Stanislaw Lem... Der aktuelle Release des net lables bruit widmet sich einer Science Fiction Legende: Stanislaw Lem inspirierte Herwig Holzmann zu seinem sphärischen Longplayer Lem - das Album steht auf der Labelhomepage zum Gratis-Download bereit. ......
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