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Datenschutz: wer nichts zu verbergen hat…

11.07.2007, geschrieben von Ritchie Blogfried Pettauer, 3 Kommentare

datenschutz…weist trotz­dem ein legi­ti­mes Interesse am Schutz sei­ner per­sön­li­chen Daten auf, auch wenn Politiker gerade in Zeiten der Terrorangst gerne ande­res behaup­ten. Daniel J. Solovo, Associate Professor an der Uni Yale, unter­sucht in sei­nem aktu­el­len Essay das alte “Nothing to hide” Anti-Privacy Todschlagargument und kommt zu dem schlüs­si­gen Ergebnis: das Problem ist die Frage selbst.

Wer nichts Böses getan hat, muss auch nicht wei­ter beun­ru­higt sein, wenn Gott und die Welt jedes kleinste Detail über seine per­sön­li­che Lebensführung, Kommunikations– und Konsumgewohnheiten weiß, so der Tenor all jener, die sofort und ohne Zögern bereit sind, jene Privatsphäre abzu­schaf­fen, ohne die eine demo­kra­ti­sche zur simu­la­ti­ven Farce verkommt:

The “not­hing to hide” argu­ment is one of the pri­mary argu­ments made when balan­cing pri­vacy against secu­rity. In its most com­pel­ling form, it is an argu­ment that the pri­vacy inte­rest is gene­rally mini­mal to tri­vial, thus making the balance against secu­rity con­cerns a foreor­dai­ned vic­tory for secu­rity. Sometimes the “not­hing to hide” argu­ment is posed as a ques­tion: “If you have not­hing to hide, then what do you have to fear?”

In sei­nem Blog Concurring Opinions for­derte Solovo vor kur­zem seine LeserInnen auf, ihm mög­li­che Antworten auf die­ses Frage zu schi­cken, dar­un­ter befan­den sich fol­gende Einsendungen:

  • Meine Antwort lau­tet: “Also hast du auch keine Vorhänge?” Oder: “Kann ich deine Kreditkartenrechnungen des letz­ten Jahres sehen?”
  • Ich habe nichts zu ver­ber­gen. Andererseits fühl ich mich auch nicht danach, dir irgend­was von dem, was ich tue, zu zeigen.”
  • Wer nichts zu ver­ber­gen hat, lebt nicht.”
  • Zeit mir deins und ich zeig dir meins.”
  • Es geht nicht darum, nichts zu ver­ber­gen zu haben, es geht schlicht­weg darum, dass nicht alles jeden etwas angeht!”
  • Das Zerbröckeln jener per­sön­li­chen Freiheit ist für Datenschützer ein Graus, für Geheimdienste jedoch ideale Arbeitsvoraussetzung. Professor Solovo geht zuerst der Frage nach, worin denn eigent­lich der Wert jener schwie­rig zu defi­nier­ba­ren Aura der “Privatsphäre” liegt; denn im direk­ten Vergleich zur Bedrohung von Leib und Leben scheint die infor­ma­tio­nelle Freiheit erst ein­mal nachgeordnet:

    The argu­ment that no pri­vacy pro­blem exists if a per­son has not­hing to hide is fre­quently made in con­nec­tion with many pri­vacy issues. When the govern­ment enga­ges in sur­veil­lance, many people believe that there is no threat to pri­vacy unless the govern­ment unco­vers unla­w­ful activity, in which case a per­son has no legi­ti­mate justi­fi­ca­tion to claim that it remain private.

    Ein Punkt in der Argumentation, den ich beson­ders erwäh­nens­wert finde, ist der Vergleich des Orwell’schen mit dem Kafkaesken Szenario: wäh­rend in der Welt Orwells auf­grund der tech­ni­schen Perfektion die Totalüberwachung längst Realität ist, ist es in Kafkas “Schloss” eine außer Rand und Band gera­tene Datenspeichermaschine, die sich längst ver­selb­stän­digt hat:

    I explo­red the ways that legal and policy solu­ti­ons were focu­sing too much on the nexus of pro­blems under the Orwell meta­phor — those of sur­veil­lance — and were not ade­qua­tely addres­sing the Kafka pro­blems — those of infor­ma­tion pro­ces­sing. […] When balan­cing pri­vacy against secu­rity, the pri­vacy harms are often cha­rac­te­ri­zed in terms of inju­ries to the indi­vi­dual and the inte­rest in secu­rity is often cha­rac­te­ri­zed is more broad socie­tal way.

    Das Problem mit dem effek­ti­ven Schutz der Privatsphäre scheint vor­der­grün­dig wohl darin zu lie­gen, dass die Rechte des ein­zel­nen, wer­den sie gegen das Gemeinwohl (des Staates, der polis) abge­wo­gen, in der Regel als weit unwich­ti­ger beur­teilt wer­den, Robert Post aller­dings wider­spricht die­ser gän­gi­gen Betrachtungsweise:

    It is not an exter­nal res­traint on society but is in fact an inter­nal dimen­sion of society. Therefore, pri­vacy has a social value. Even when it pro­tects the indi­vi­dual, it does so for the sake of society. It thus should not be weig­hed as an indi­vi­dual right against the grea­ter social good. Privacy issues involve balan­cing socie­tal inte­rests on both sides of the scale.

    Absolut lesens­werte 23 Seiten, auf denen es dem Autor gelingt, den stren­gen Geruch der ein­gangs erwähn­ten “Wer nichts zu ver­ber­gen hat” Argumentation ans Tageslicht zu holen. Zwar bezie­hen sich die Beispiele durch­wegs auf den us-amerikanischen War on Terror, das tut der Allgemeingültigkeit der Argumentationen aller­dings kei­ner­lei Abbruch.

    PDF-Direktdownload vom Social Science Research Network

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2 Track- und Pingbacks zu diesem Beitrag

  • DOBSZAY's Ansichten und Einsichten (15. Juli 2007)
    Warum Datenschutz wichtig ist … hat datenschmutz zusammengetragen und kommentiert. Privatsphäre und informationelle Selbstbestimmung sind Werte und Rechte, die auch bei aller Islam-Terror-Paranoia nicht mit Füssen getreten werden dürfen. ...
  • PatJe.de » DU bist Big Brother (28. September 2007)
    [...] ja nichts zu verbergen”. Zu dieser auch in Deutschland recht geläufigen Aussage hatte Datenschmutz.net bekanntlich vor einiger Zeit bereits etwas geschrieben. (via [...]
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