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Google und Feedburner — mehr als eine Liebeshochzeit

12.07.2007, geschrieben von , 2 Kommentare

Die aktu­elle daten­schmutz Titelstory dreht sich um den Aufkauf Feedburners durch : Der Suchmaschinenriese freut sich über neues Datenfutter, die User des belieb­tes­ten RSS-Aggregationstools bekom­men ab sofort die vor­mals kos­ten­pflich­ti­gen Pro-Features gra­tis. Für hab ich die fol­gende Kolumnen zum Thema “Zukunftsperspektiven” ver­faßt (erschie­nen auf oe1.orf.at im Juni); damals war aller­dings noch nichts bekannt über den Wegfall der monat­li­chen Gebühren für pro­fes­sio­nelle Statistiken.

Was vor weni­gen Tage noch als Gerücht im Netz kur­sierte, bewahr­hei­tete sich am 23. Mai: Google erwart für 100 Millionen Dollar die RSS –Plattform Feedburner und stärkt damit vor allem sein Blog-Portfolio.

Die Reaktionen der Netzgemeinde auf die Neuerwerbung Googles fie­len groß­teils ver­hal­ten eupho­risch aus — wurde frü­her jede Businesstaktik des Quasi-Monopolisten fre­ne­tisch beju­belt, so gestal­tet sich der Applaus immer enden­wol­len­der, seit der Suchmaschinenbetreiber sich vom smar­ten Platzhirsch zur netz­um­fas­sen­den Krake ent­wi­ckelt hat. Die Neuerwerbung passt natür­lich ganz her­vor­ra­gend ins Web 2.0 Konzept, denn mit ste­hen Google plötz­lich ganz neue Möglichkeiten der Monetarisierung des Adsense-Produkts zur Verfügung.

Feedburner zählt zu den Sonnenkindern des Web 2.0 Booms: die Betreiber kon­zen­trier­ten sich seit der Gründung im Jahr 2003 voll und ganz auf die Aggregation von RSS-Feeds. Dieses plattform-unabhängige Format macht Webseiten maschi­nen­les­bar, erlaubt den pro­blem­lo­sen Austausch von Inhalten zwi­schen ver­schie­de­nen Domains und wird zuneh­mend dazu benutzt, um die Beiträge aktua­li­täts­be­zo­ge­ner Webseiten zu abon­nie­ren. Besonders rasante Verbreitung fand das Format in der Blogosphere, stel­len die Feeds doch eine ideale Möglichkeit dar, um Weblogs bequem zu abon­nie­ren: ein Besuch der Homepage bei jedem neuen Beitrag entfällt.

Theoretisch könnte die Feedfunktion auch benutzt wer­den, um nur kurze Teaser anzu­bie­ten, die jedoch bei den LeserInnnen meist auf wenig Akzeptanz sto­ßen — die über­wie­gende Mehrzahl der Blogautoren bie­tet ihren LeserInnen daher wer­be­freie Volltextversionen an. Jede moderne Content-Managment Software kann sol­che Feeds gene­rie­ren. Der Feedburner-Server schal­tet sich zwi­schen den Originalfeed und die Abonennten und stellt dem Seitenautor eine ganze Reihe nütz­li­cher Features zur Verfügung, dazu gehö­ren genaue sta­tis­ti­sche Auswertungen ebenso wie umfang­rei­che Zusatzfunktionen. Viele Pro-Blogger lei­ten ihren RSS-Feed kom­plett über die Plattform um und nut­zen die kos­ten­pflich­tige Version, die eine noch genauere sta­tis­ti­sche Auswertung ermöglicht.

Manche Experten sehen bei Google begin­nende Probleme mit den Economies of Scale: zwar ver­fügt die Firma über die wohl beein­dru­ckendste welt­um­span­nende Serverarchitektur des gesam­ten Netzes, doch blie­ben viele Erwerbungen der letz­ten Jahre mehr oder weni­ger unbe­ach­tet lie­gen. Die ehe­mals flo­rie­rende Weblog-Plattform Blogger düm­pelt seit dem Aufkauf im Web 1.0 Status dahin, mys­pace scheint weit­ge­hende sich selbst über­las­sen zu blei­ben — Analytics aller­dings erfuhr kürz­lich ein umfas­sen­des Update, das kom­mer­zi­el­len –Tools nahezu die Existenzgrundlage entzieht.

Die Zukunft von Feedburner aller­dings steht wohl kaum in den Sternen, denn stra­te­gisch betrach­tet stärkt sich Google gleich an meh­re­ren Fronten. Den Fehler, zwangs­weise Werbung in den Feeds schal­ten, sollte die Firma frei­lich nicht machen, denn diese wäre die Markteintrittschance für eine neue RSS-Plattform: die wenigs­ten Autoren stel­len ihre Arbeit gerne frei­wil­lig Dritten als Werbefläche zur Verfügung. Wahrscheinlicher ist wohl, dass Google sein Adsense-Revenue-Share Modell anpasst und Webmaster an den Werbeeinnahmen betei­ligt. Bereits jetzt stellt Feedburner eine kom­for­ta­ble Möglichkeit zur Verfügung, ab 500 Abonennten Werbung im Feed zu schal­ten: eine Verheiratung die­ses Features mit Adsense ist daher mehr als wahrscheinlich.

Zum Zeitpunkt des Aufkaufs ver­wal­tete Feedburner rund 420.000 RSS-Adressen. Neben dem zusätz­li­chen Werbekanal wird Google wohl auch die Chance nüt­zen, die haus­ei­gene, aber bis­her kaum genutzte Blogsuche mit den indi­zier­ten Inhalten auf­zu­po­lie­ren. Dagegen neh­men sich die Blog-Portfolios von Microsoft und gera­dezu beschei­den aus: bleibt nur abzu­war­ten, ob es Google dem­nächst auch noch gelingt, sich Technorati ein­zu­ver­lei­ben — mit dem Kauf der größ­ten und popu­lärs­ten Weblog-Aggregationsplattform wäre ein wei­te­rer Abschnitt im Monopol-Puzzle komplett.

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Bisher haben meine Lieblingsleser 2 Kommentare zu "Google und Feedburner — mehr als eine Liebeshochzeit" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Farlion Identicon Icon

    Wobei ich mich per­sön­lich etwas dar­über wun­dere, dass sich da noch keine Kartellbehörde ein­ge­schal­tet hat.

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    direkt antworten

  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 12. Juli 2007 um 16:56

    Die Warten anschei­nend, außer im Fall von at&t, immer genau so lange ab, bis regu­la­tive Maßnahmen sinn­los wer­den / nicht mehr greifen…

    Like or Dislike: Thumb up 0 Thumb down 0

    direkt antworten

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