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Luhmanns Zauberstab: ein Zettelkasten

07.07.2007, geschrieben von , 9 Kommentare

Und kein digi­ta­ler, nein, hier dreht sich’s um das ana­loge Vorbild der digi­ta­len Datenbank. Darf man die­sem –Video glau­ben, ist die Produktivität Luhmanns zu einem hohen Grad der Tatsache geschul­det, dass der deut­sche Systemtheoretiker ein Zettelkastensystem ent­wi­ckelt hat, das er min­des­tens so strin­gent durch­zieht wie seine elek­tri­sche Schreibmaschine ihr Farbband.

Zitat: “Ich schau dann immer, dass alles wie­der an die rich­tige Stelle rein­kommt.” Die einen fin­den ja, dass NL die pro­gres­sivste Gesellschaftstheorie über­haupt her­vor­ge­bracht hat, die ande­rer hal­ten ihn für kon­ser­va­tiv; ich halte mich da raus, glaube aber durch­aus beob­ach­tet zu haben, dass er ein­fach alles in den Rahmen sei­ner Systemansätze zwängt — ob’s passt oder nicht. Und wenn aus einem Modell plötz­lich ein Dogma wird, dann beginnt’s meist recht streng zu rie­chen, weil letzt­end­lich ist die Welt dann halt doch kein Zettelkasten. [via Strenge Jacke!, Media-Ocean] Bis man indes zu die­ser Erkenntnis gelangt, kann ein sel­bi­ger sehr hilf­reich sein:

Mehr davon gibt’s bei Geloggd — und dort bin ich auch auf den Link zum vir­tu­el­len Pendant gestoßen:

Auf die­sen Seiten fin­den Sie einen elek­tro­ni­schen Zettelkasten für Ihren PC, der sich am Arbeitsprinzip des Zettelkastens von Niklas ori­en­tiert. Mit Hilfe die­ses Programms kön­nen Sie die täg­li­che Arbeit mit (wis­sen­schaft­li­chen) Texten erleich­tern und wesent­lich effek­ti­ver gestal­ten. Sowohl das Verwalten wich­ti­ger Textstellen und Zitate als auch die anschlie­ßende Verwendung die­ser Textsammlung zwecks Textproduktion wer­den durch den Zettelkasten erheb­lich vereinfacht.

Zum Luhmann-Zettelkasten für den hei­mi­schen PC — Apple– und Linux-User blei­ben der­zeit außen vor, Plattformabhängigkeit ist aller­dings für den kom­men­den Release geplant — exis­tiert auch ein Wiki. Sieht auf den erste Blick sehr ver­nünf­tig aus und könnte mög­li­cher­weise das Ende einer lan­gen Suche bedeu­tet: bis­her ver­wal­tete ich meine Zitatesammlung mit dem groß­ar­ti­gen Cuecards; spe­zia­li­sierte Literatur– wie Citavi oder Bibliographix, deren –Varianten ich aus­pro­biert habe, sind für meine Bedürfnisse noch nicht das Gelbe vom Ei. Mal gucken, wie sich der Luhmann-Zettelkasten im har­ten Literatur-Verwaltungs-Alltag bewährt. Autor Daniel Lüdecke ver­treibt sein Produkt als .

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Bisher haben meine Lieblingsleser 9 Kommentare zu "Luhmanns Zauberstab: ein Zettelkasten" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Simon Identicon Icon

    Hallo!
    Also das Zettelastensystem hat Luhmann wohl wirk­lich pri­mär für die Schaffung sei­ner Theorie ver­wen­det. Das fin­det sich öfters, wenns um Luhmann geht. Ich per­sön­lich halte das aber für keine adäquate Vorgehensweise: Denn, letzt­lich wer­den damit nur ein­zelne Konzepte, bzw. Begriffe meit­ein­an­der ver­knüpft, was mei­ner Meinung nach nicht aus­rei­chend ist. Aber viel­leicht liegt meine Einstellung daran, dass Luhmann an “mei­ner” Uni kri­tisch gese­hen wird ;-) Interessant hin­ge­gen finde ich das Zettelkastensystem für den PC. Gleich mal aus­pro­bie­ren…
    Grüße,
    Simon.

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 8. Juli 2007 um 3:27

    Ich seh das genauso… damit etwas “erklä­ren” zu wol­len macht wenig Sinn, aber als Arbeitstool kann ein gut sor­tier­ter Zettelkasten (va durch­such­bar und digi­tal) schon hoch­gra­dig Sinn machen.

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  • irina Identicon Icon
    irina sagte am 8. Juli 2007 um 3:35

    Also auch wenn ich sonst alles am Rechner mach — mei­nen Zettelkasten bevor­zuge ich auf Papier! :grin:

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  • Limited Identicon Icon

    Och, der olle Zettelkasten.

    Hat doch mehr oder weni­ger jeder — irgend­ein Ordnungssystem.

    Luhmann hat das nur sehr stark for­ma­li­siert und sehr kon­se­quent umgesetzt.

    Interessant ist aber, wie er den Zettelkasten genutzt hat. Immer wenn er etwas schrei­ben wollte, hat er sich die ent­spre­chen­den Zettel genom­men, sie auf einen Tisch ver­teilt und dann anhand der will­kür­lich aus­ge­wähl­ten Zettel mit dem Schreiben begonnen.

    Um den Zettelkasten gab es auch einen erbit­ter­ten Erbstreit — weiß nicht, ob er schon been­det ist.

    Und kon­ser­va­tiv ist Luhmanns Ansatz in gewis­ser Weise sicher­lich. Das liegt aber an der funk­tio­na­lis­ti­schen Ausgangslage — da klappt irgend­wie dann doch alles — is ja funk­tio­nal. Liegt wohl daran, dass er noch beim ollen Parsons (Strukturfunktionalismus) stu­diert hat. Und auch sein ande­rer aka­de­mi­scher Lehrer — Schelsky — war nun nicht gerade progressiv.

    Aber beein­dru­ckend war er (NL) schon — eine ech­ter Gelehrter (hab in Bielefeld stu­diert und ihn noch ein paar Mal erle­ben dürfen).

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  • triplehippie Identicon Icon
    triplehippie sagte am 11. Juli 2007 um 15:39

    Es stellt sich natür­lich auch immer die Frage wel­che Ziele mit der Funktion des Zettelkastens ver­folgt wer­den sol­len und wel­che Struktur dafür ange­mes­sen ist. So eig­net sich manch­mal der Zettelkasten auf Papier bes­ser als ein Zettelkasten am PC und umgekehrt.

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  • balkonmeister Identicon Icon
    balkonmeister sagte am 13. Juli 2007 um 17:15

    Hallo ihr Systemtheoretiker ! Seht euch mal das freie Evernote an — ich glaube das kann prin­zi­pi­ell das­selbe, aber fle­xi­bler und gepaart mit einer Usabiltiy, die sei­nes­glei­chen sucht…Ich hab dazu hier ein paar Zeilen geschrie­ben. Übri­gens bin ich der Meinung, dass der Zettelkasten auf Papier Zeitverschwendung ist — wobei mal kurz was auf den Zettel zu schrei­ben natür­lich oft Sinn macht. Das trifft natür­lich beson­ders für die­je­ni­gen zu, die eh 8h täg­lich am Rechner sit­zen müs­sen.
    PS: Gut gemachte Seite, der Datenschmutz …

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 14. Juli 2007 um 3:10

    @balkonmeister — danke für das Lob! :mrgreen:

    Ansonsten bin ich ganz dei­ner Meinung — gerade Zettelkästen sind eine der für digi­tale Medien prä­des­ti­nier­ten Anwendungen; der Nutzwert steigt ganz ein­fach gewal­tig, wenn man quer­ver­lin­ken und nach Stichwörtern suchen kann. Während man beim ana­lo­gen Zettekasten ja nur die alpha­be­ti­sche Ablage hat, las­sen sich digi­tale Pendants sehr kom­for­ta­ble im Volltext durch­su­chen. Evernote werd ich mir mal genauer anschauen, danke für den Tipp!

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  • Toni Brecht Identicon Icon
    Toni Brecht sagte am 24. November 2007 um 21:04

    Daß es weder für Linux noch für Apple / Mac OS X kei­nen Zettelkasten gäbe, halte ich für ein Gerücht: zum Beispiel hier gibt’s eine Variante, die ganz her­vor­ra­gend sowohl unter dem einen wie dem ande­ren läuft. Und bes­ser aus­se­hen tut’s auch noch:

    www.verzetteln.de/synapsen

    Das Programm heißt syn­ap­sen und ich teste es gerade eingehend…

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 25. November 2007 um 13:57

    Alternativen gibt’s eh genug, ich weiß — nur den “ori­gi­nal Luhmann Zettelkasten” gibt’s nicht für MacOS.

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  • Blog Kaotisch (11. Juli 2007)
    Luhmann und der Blick über den Tellerrand
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