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Online-Marketing via Betrugsvorwurf — JoeJob oder Keilerei?

02.07.2007, geschrieben von , 6 Kommentare

tritt nicht sel­ten in den wun­der­lichs­ten Erscheinungsformen auf, was eine angeb­li­che Gomopa “Rechtsabteilung” mit der viel­sa­gen­den Absenderadresse info@gomopa.at da durchs Netz schickt, grenzt aller­dings an Nötigung und ist mir stell­ver­tre­tend für der­ar­ti­gen Werbefrechheiten durch­aus einen Bericht wert. Aber ob ein soge­nann­ter Joe-Jobber in der Absicht, die Firmenbetreiber zu schä­di­gen, für das Spam-Mail ver­ant­wort­lich ist, oder ein Gomopa-Marketeer beson­ders wicked sein wollte, lässt sich in unse­rer hoch­kom­ple­xen Medienwelt eigent­lich gar nicht raus­fin­den — genauso wenig wie die Effektivität die­ser (Anti)“Werbemaßnahme”.

Ganz unten ste­hen­des Mail bekam ich am Samstag ca. 10x von “Goldman Morgenstern Partners — Rechtsabteilung” an die Adresse info[at].net. Darin ist die Rede von einem “Betrugsverdacht” und ich solle doch bitte irgend­ein besu­chen. Von der Firma hab ich noch nie was gehört, aller­dings betrei­ben die Damen und Herrn anschei­nend ein Board, das sich vor allem durch die Kostenpflichtigkeit aus­zeich­net und über Wirtschaftsverbrechen berich­tet. Suchen kann man auch unre­gis­triert, natür­lich war nix über zu fin­den. Trotzdem ein Anlassfall für eine paar Anmerkungen zu die­sem neuen Blog-Spam Fall:

Warum sollte jemand dar­auf rein­fal­len? Ganz ein­fach: in der letz­ten Zeit gab’s in der Blogosphere eine ganze Reihe von juris­ti­schen Querelen: popu­lär gewor­den mit dem neuen Berufsbild “Abmahner” ist etwa Marions Kochbuch. Es könnte ja also doch was dran sein, denkt sich womög­lich der eine oder andere spam-unerfahrene Neo–. Dennoch lässt sich die Gomopa-Mail (wie ähnli­che Versuche auch) anhand einer Reihe von Kriterien sehr ein­fach als Spam identifizieren:

  1. Die To-E-Mail Adresse “info” ver­wende ich nie, war also ein­fach ein “best guess” des Versenders.
  2. Rechtsabteilungen schi­cken ernst zu neh­mende Dokumente nicht via Mail.
  3. Ein wenig Gegoogle ergibt sofort ein ein­deu­ti­ges Bild: das Spiel mit der Userpanik funk­tio­niert schon seit län­ge­rem.
  4. daten­schmutz ist nun mal keine Firma, son­dern p*n*c. Nur Rechtsanwälte, die kei­nen Wodka trin­ken, machen sol­che Fehler.

Aber wie auch immer: die Formulierung “Dieser Aufforderung soll­ten Sie unbe­dingt Folge leis­ten. Die Konsequenzen sind sonst unan­ge­nehm.” hat mich dann doch zum Lachen gebracht; viel­leicht ver­wende ich das mal als Untertitel für ein neues Blog. Aber wie sieht sowas nun recht­lich aus? Die Firma Gomopa ver­schickt Mails, die durch­wegs den Bestandteil der Nötigung erfül­len, und hofft auf mög­lichst viele zah­lende User? Nein, sagt Gomopa, es handle sich um einen soge­nann­ten “Joe Job”: ein mys­te­riö­ser “Dritter” habe ohne Wissen und Einverständnis die Spam-Mails ver­schickt, um der Firma zu scha­den — und man werde Strafanzeige erstatten:

Ziel ist es, die Durchschlagskraft der zu schwä­chen und große Provider so dazu zu brin­gen, dass die ent­spre­chen­den Domains auf die Spamliste gesetzt wer­den, was auf­grund getrof­fe­ner Vorsorgemaßnahmen Gomopa nicht tref­fen kann. Die Absender sind zwei­fels­ohne dem kri­mi­nel­len Milieu zuzu­ord­nen. [Kommentar bei Farlion]

Die Armen! Komisch, dass sich in den letz­ten Jahren immer wie­der mal JoeJobber fin­den, die gezielt gegen Gomopa vor­ge­hen, oder, wie Everflux schreibt:

Lt. Impressum hat die Gomopa LLC ihren Sitz in den USA. Das Forum ist Deutsch. Die Rufnummer aus der Schweiz. Die Mitgliedschaft kos­tet ab 29,90 Euro. Klingt echt seriös.

Jedenfalls wühlt man da mit den Google-Fingern recht bald in einer streng rie­chen­den brau­nen Masse… da gibt’s ganze Verleumdungs– und Gegenverleumdungsforen, ich will die­sen Blödsinn hier gar nicht ver­lin­ken, son­dern eigent­lich nur drauf hin­wei­sen, dass man diese Mail getrost igno­rie­ren kann:

Vorwurf des Betruges/Mitteilung in unse­rem Gomopa Insider-Forum

Sehr geehrte Damen und Herren,

zu Ihrer Firma www.datenschmutz.net wurde uns mit­ge­teilt, dass Sie sich des
Betruges schul­dig gemacht haben.
Ein Gomopa-Mitglied hat uns das in der Rubrik Wirtschaftsbetrug gepostet.

Melden Sie sich bitte in unse­rem Insider-Forum gegen Wirtschaftsbetrug
unter www.gomopa.net an und suchen Sie
den Beitrag. (Am schnells­ten nach datenschmutz.net suchen)

Sollten Sie nicht umge­hend Stellung dazu neh­men erfolgt Strafanzeige wegen
Verdacht des Betruges bei Ihrer Polizeidienststelle.

Dieser Aufforderung soll­ten Sie unbe­dingt Folge leis­ten. Die Konsequenzen
sind sonst unangenehm.

Hochachtungsvoll

Goldman Morgenstern Partners
Rechtsabteilung

Keine ähnli­chen Beiträge.


Bisher haben meine Lieblingsleser 6 Kommentare zu "Online-Marketing via Betrugsvorwurf — JoeJob oder Keilerei?" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Monika Identicon Icon

    Hallo, Hinweis: Auf http://www.gomopa.net/lo4/Kontakt.html steht “SPAM — Mails (Betrugsvorwurf. Bitte bezie­hen Sie umge­hend…) sind im Umlauf, diese wer­den nicht von uns ver­sen­det!” Hinweis von Manfred Krejcik.
    Und die Firma sollte ja hof­fent­lich auch den eige­nen Namen rich­tig schrei­ben kön­nen (“Gompoa”) ;-) wobei der Text auf der Website “Das jet­zige Team der Gesellschaft besteht auch aus Moderatoren, Administratoren sowie Teilhabern und vie­len ande­ren fleis­si­gen Helfern und ent­wi­ckelt sich als Open Source Projekt” ja auch ein wenig eigen­ar­tig ist. Und warum heißt der Gründer “M. Vornkahl” und die Firma Goldman Morgenstern & Partner?

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  • Comet Identicon Icon
    Comet sagte am 3. Juli 2007 um 10:00

    Verrückt. Ich staune immer wie­der dar­über, was die sich ein­fal­len las­sen um Aufmerksamkeit zu ergat­tern. Aber wenn ich so eine eMail erhalte lan­det die auch immer direkt im Papierkorb, meist unge­le­sen. Oft reicht schon das Subject völ­lig aus, um zu wis­sen, was lost ist :mrgreen:

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 3. Juli 2007 um 13:01

    Ich find ja vor allem ein kos­ten­pflich­ti­ges vBul­le­tin recht skurril.

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 3. Juli 2007 um 21:42

    Habe heute Post vom “Gomopa Moderatorenteam” erhal­ten; der Vollständigkeit hal­ber poste ich die E-Mail hier mal:

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Ich beziehe mich auf Ihren Foreneintrag:
    http://blog.datenschmutz.net/2.….-keilerei/

    im übri­gen wird Ihr Beitrag auch in einem Forum erwähnt, das sich wohl “anti­go­mopa.…” nennt.
    Glückwunsch, die Ehre erhält nicht jeder. Sie sind dort einige der weni­gen Ausnahmen.

    Nachfolgend die aktu­elle Pressemeldung von Gomopa.net
    (auch ver­öf­fent­licht auf Openpr — top-nachrichten24 u.v.a. m.)

    New York (gomopa.net — Finanzblog24)

    Gomopa warnt vor Spammails — in einer Rubrik “Wirtschaftsbetrug”

    Wir sind dar­über infor­miert, dass eine große Anzahl von Websitenbetreibern fal­sche E-Mails erhal­ten hat, in denen dem Anschein nach Gomopa.net die Inhaber vor Einträgen im Forum “Wirtschaftsbetrug” warnt und diese zur Stellungsnahme auf­for­dert. Diese Spam E-Mails haben für Verwirrung bezüg­lich ihrer Authentizität gesorgt. Daher wol­len wir klar zum Ausdruck brin­gen, dass diese E-Mails in kei­nem Zusammenhang mit unse­rer Praxis der Benachrichtigung von Websitenbetreibern ste­hen.
    Nachdem bereits in der Vergangenheit Spam-Attacken viele Webseitenbetreiber ver­un­si­chert hat­ten, wur­den auch vom 29.06 — 01.07.2007 wie­der unzäh­lige E-Mails ver­sandt, wel­che in ihrer Aufmachung so aus­se­hen, als ob Gomopa der Absender wäre. Hierzu wur­den absicht­lich die Kopf– und Betreffzeilen ver­fälscht, bzw. der wahre Absender ver­schlei­ert.
    Rainer Holbe von Gomopa.net ver­si­chert, dass diese Spam Mails mit Warnungen “Sie wur­den in der Rubrik Wirtschaftsbetrug ein­ge­tra­gen” nicht von Gomopa stam­men. Eine Rubrik “Wirtschaftsbetrug” gibt es in den Gomopa Foren nicht.

    Gomopa hat bereits bei der letz­ten Spam-Attacke rea­giert und Strafanzeige gegen Unbekannt erstattet.

    Gomopa Hinweis: Wenn Sie eine Mail mit nach­fol­gen­dem Inhalt erhal­ten, soll­ten Sie diese ein­fach löschen.

    […es folgt ein Abdruck der Spam-Mail…]

    Nach bis­he­ri­gen Erkenntnissen han­delt es sich sehr wahr­schein­lich um die glei­chen Spamversender, wie bereits bei den Spamattacken in der Vergangenheit. Im Mailtext wird unter ande­rem geschrie­ben: “Ein Gompoa-Mitglied hat uns…”, diese Schreibweise ist bereits in frü­he­ren Spam-Mails auf­ge­fal­len. Auch wird von Gomopa keine engl. Telefonummer genutzt. Rainer Holbe weist noch­mals dar­auf hin, dass die meis­ten Forenbereiche kos­ten­frei gele­sen wer­den kön­nen und dafür keine kos­ten­pflich­tige Anmeldung not­wen­dig ist. Sollten Sie als Empfänger einer sol­chen Spammail unsi­cher sein bezüg­lich eines Eintrages im Forum, so kön­nen Sie sich jeder­zeit über das Gomopa Kontaktformular an die Forenleitung wen­den, die Ihnen selbst­ver­ständ­lich Auskunft geben wird. Gomopa dis­tan­ziert sich aus­drück­lich davon, User mit sol­chen Spamattacken zu einer Anmeldung im Forum zu veranlassen.

    Goldman Morgenstern & Partners Consulting LLC
    575 Madison Avenue, 10th floor
    New York, NY 10022 – 2511 (USA)

    Das klingt ja alles wirk­lich super-seriös… hm… und das besagte Anti-Gomopa-Forum zeich­net sich wohl auch nicht gerade durch strai­ghte Berichterstattung aus. Schon erstaun­lich, was für skur­rile Spam-Aktionen immer wie­der mal die end­lose Kette der Viagra-Mails durchbrechen…

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  • ritchie Identicon Icon
    ritchie sagte am 3. Juli 2007 um 21:43

    Ach ja, hier noch meine Antwort — bin gespannt, ob noch was zurückkommt.

    Hallo,

    ich bin beim Googeln auch auf das besagte Forum gesto­ßen und habe es,
    wie im Bericht erwähnt, nicht ver­linkt, weil mich diese gan­zen
    Hintergründe ehr­lich gesagt eher befremden.

    Allerdings waren einige mei­ner Bekannten durch die betref­fende Mail
    dann doch ver­un­si­chert, des­we­gen war’s mir ein Posting wert. Ich habe
    die unten­ste­hende Pressemitteilung, die Sie mir geschickt haben, auch
    als Kommentar zum Beitrag gepostet.

    Was mich aller­dings noch inter­es­sie­ren würde: ergab die dama­lige
    Strafanzeige irgend­was? Konnten Sie her­aus­fin­den, wer der Verursacher
    der Spammails war? Dass eine recht ähnlich gela­gerte Aktion gleich
    zwei­mal hin­ter­ein­an­der vor­kommt, sorgt doch in der Tat für eine
    schiefe Optik. Daher müsste eine rasche Aufklärung doch sehr in Ihrem
    Interesse sein.

    mfG,
    rit­chie pettauer

    PS: ich betreibe kein Forum, son­dern ein Weblog.

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  • SEO Expert Blog Identicon Icon

    Habe die Mail auch bekom­men, an eine Adresse, die ich auch nutze. Ich fand sie immer­hin so über­zeu­gend, dass ich in dem Forum auch nach der genann­ten Domain gesucht habe, hab ich danach aber nicht mehr darum geküm­mert. Dennoch gut, dass ich jetzt “rest­los” auf­ge­klärt bin :wink:

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