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Subvertandprofit.com: Social Media als Geldquelle

subvertandprofit„We have a task for you“ lautet die Titelzeile jener Mails, mit denen ein relativ neuer Werbedienstleister seine Viral Agents davon informiert, dass wieder mal Stories gediggt bzw. gestumbled werden müssen. 50 (Dollar)Cent gibt’s für jeden erledigten Auftrag von Subvertandprofit.com – damit allein wird man zwar nicht der nächste John Chow, aber die Plattform ist auf jeden Fall eine nähere Betrachtung wert: so leicht hat man noch nie ohne eigene Homepage ein Taschengeld im Internet verdient.

Funktionsweise und Frequenz

Nach erfolgter Registrierung muss man erst einmal den gewünschten Digg- und/oder StumbleUpon User angeben. Daraufhin folgt der Link zu einer Story, die bewertet werden muss. Subvertandprofit überprüft den betreffende Eintrag und schaltet daraufhin den Account frei. Ich vermute ja, dass dies händisch geschieht und nicht etwa durch eine API-Abfrage, denn die Prüfung dauert in der Regel mehrere Tage.

Fortan trudeln per E-Mail besagte Aufträge ein, die meistens ein recht kurzes Ablaufdatum haben und möglichst schnell erledigt werden sollten. Das erklärt sich übrigens durch die Funktionweise: Werber kaufen ein bestimmtes Kontingent an Stimmen, wer zuerst kommt, mahlt zuerst: sind die Votes aufgebraucht, so verschwindet der Auftrag ohne weitere Benachrichtigung aus dem System.

Ein einzelner Task besteht dabei aus einer Artikelliste im Umfang von drei bis fünf Einträgen. Nachdem man alle Stories beim jeweiligen Service bewertet hat, klickt man auf den Button „I’m done“ und erhält nach erfolgter Überprüfung die erwähnten 50 Cent gut geschrieben. Den Betrag, der sich so im Lauf mehrerer Aufträge ansammelt, kann man entweder auf das eigene Paypal-Konto transferieren (Mindestauszahlungssumme: 5$) oder verwenden, um eigene Kampagnen in Auftrag zu geben. Ein Vote kostet dabei 1$, mindestens 50 und maximal hundert können pro Story eingekauft werden.

Am durschnittlichen Auftrag verdienen die Betreiber 50 Cent – denn nur für einen Link wird bezahlt, die restlichen Geschichten sind zufällig ausgewählte Camouflage aka Verschleierungstaktik: wenn alle Agents die gleichen Stories diggen, so fiele es Plattformbetreibern leicht, Agents auszusperren. Dank der Zufallsverteilung dürfte es allerdings sehr, sehr schwierig werden mit der Unterscheidung zwischen „echten“ und „gekauften“ Votes. Für Advertiser bietet die Seite im Vergleich zu konventioneller Werbung also eine unschlagbar günstige Möglichkeit, für nur 75$ auf die Startseite von Digg zu kommen. Das macht zweifellos nur Sinn für englische Inhalte, beschert aber garantiert eine Menge Besucher. Dass sinnloses Zuspammen mit schwachen Inhalten bloß kontraproduktiv wirkt, wissen die Betreiber fordern daher auch auf, nur Stories zu bewerben, die „glaubwürdig“ wirken:

Do not submit articles that would very obviously never make the front page of Digg. This includes articles written in languages other than English.

Die Idee funktioniert erstaunlich gut, ich bin seit rund zwei Monaten registriert und habe mich immer wieder über die originellen und großteils lesenwerten Beiträge gewundert, die übrigens auch dazu führen, dass man gerne mal beim Voten „hängen bleibt“ und sich dabei ertappt, die ganze Geschichte zu lesen. Die Plattform versorgt ihre Agents nach meinen Erfahrungswerten und denen einiger Kollegen mit rund 20 bis 30 Aufträgen pro Monat – das heißt, 10 Dollar sind locker drin. Also auch eine Möglichkeit, das eigenen Serverhosting zu refinanzieren. Sollte die Nachfrage steigen und das Portfolio wachsten, könnte sich das Monatseinkommen des gemeinen Agenten zukünftig aber auch beträchtlich erhöhen. Über aktuelle Entwicklungen rund um das Projekt informiert das Black Marketing Blog, in dem einer der Betreiber unter dem Pseudonym „Ragnar Danneskjold“ wissenswerte Neuigkeiten rund ums Geldverdienen mit Social Media Manipulation veröffentlicht.

Fair Warning: ein leicht riskantes Business

Selbstverständlich goutieren die Betreiber von Social News Plattformen derlei finanz-motivierte Hacks ganz und gar nicht. Kein Wunder also, dass in der Vergangenheit also immer wieder mal Digg-Accounts gesperrt wurden. Subvertandprofit.com verwendet zwar De-Referrer, dennoch würde ich niemandem raten, einen tatsächlich benutzten Account einzutragen: wer als Viral Agent tätig werden möchte, der sollte sich auf jeden Fall die Mühe machen, dedizierte Logins für Stumble-Upon und Digg anzulegen. Benutzt man normalerweise Firefox, so empfiehlt es sich, für die viralen Tätigkeiten den Internet Explorer zu benutzen und vice versa: so kann man die Log-Ins bequem im Browsercache speichern ohne dauerende Accountwechsel. Für andere Browser sind die entsprechenden StumbleUpon Buttons derzeit noch nicht verfügbar. Stumbleupon selbst macht in den FAQs übrigens folgendes denkwürdige Statement zum Thema rechtliche Aspekte:

No. Violating a website’s Terms of Use is not illegal. Digg or StumbleUpon can, however, delete your account if they discover that you violate their Terms of Use. We encourage you to violate any Terms of Use at your own risk.

Um Accountlöschungen zu vermeiden, empfiehlt Subvertandprofit längere Pausen zwischen den einzelnen Diggs sowie das Voten für „unverdächtige“ Einträge. Zur „moralischen Dimension“ der Geschäftsidee kann ich nur sagen: die Seite macht bloß transparent, wie leicht hackable derartige Plattformen sind und rückt den Internet-Hype auf eine gesunden Maßstab zurecht. Aufmerksamkeit ist ein Gut, dessen Preis erst langsam und testweise beziffert wird. Ich sehe S+P daher auch in erster Linie als ein lustiges Experiment zum Thema Social Media, Glaubwürdigkeit und neue Werbeformen.

Technologisch mangelhaft

Von der technischen Seite her bietet Subvertandprofit.com gerade mal das Nötigste, und teilweise nicht mal dies: immer wieder gibt es technische Probleme mit der Seite, die anonymen Betreiber scheinen ihr System nicht so ganz im Griff zu haben: nach der ersten Registrierung verlor ich mein Passwort und wunderte mich über die fehlende Retrieval-Funktion: eine Anfrage an den Support ergab die verwunderliche Auskunft, dass die Passwörter verschlüsselt in der Datenbank stünden und man leider nichts machen könne, außer mein Guthaben auf einen neu zu eröffnenden Account übertragen. Den alten zu deaktiveren überstieg indessen die Fähigkeiten: seither bekomme ich eben alle Aufträge doppelt.

Trotz all dieser Einschränkungen ist Subvertandprofit.com derzeit völlig konkurrenzlos und floriert ganz prächtig. Sobald jedoch ein technisch fitterer Anbieter eine Plattform baut, die weitere (deutschsprachige) Social News Plattformen einbindet, ein eleganteres Userinterface und bessere Auszahlungsbedinungen bietet, dürften die Tage der Plattform wohl gezählt sein. Bis dahin können aber noch einige Monate ins Land ziehen.

Fazit: Stumbleupon.com bietet eine der wenigen Möglichkeiten, ohne eigenen Webseite mit ein paar Mausclicks im Monat ein bescheidenes Taschengeld zu verdienen.

Verdienst: ca. EUR 10,- / Monat (oder mehr bei entsprechender Zunahme des Auftragsvolumens)
Zeitaufwand: 90 Minuten
Subvertandprofit.com – zur Registrierung


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4 comments
Markus
Markus

@Christian: Ich will natürlich nicht ausschließen, dass da eventl. ab und zu einem was untergeschoben wird. Doch handelt es sich in der großen Masse um irgendwelche Seiten mit 0-2 Diggs/Stumbles (Ich hatte schon Seiten, die ich selbst einstellen musste, also nicht nur voten), die auch nicht wirklich danach aussehen absichtlich darein gestellt worden zu sein. Den eigentlichen Auftraggeber erkennt man daher meistens relativ leicht.

ritchie
ritchie

@Markus - ach so! Das relativiert die ganze Sache allerdings stark, ich werde das im Text dementsprechend korrigieren. Und das erklärt wohl auch, warum so viele überdurchschnittlich interessante Stories dabei sind :mrgreen:

Christian Schmidt
Christian Schmidt

Auftraggeber zu verschleiern ...... naja ich denk aber mal nicht das die anderen Storys dann einfach per Zufall gewählt werden, oder? ist ja sonst verschenktes Geld.

Markus
Markus

Ich bin auch bei Subvert and Profit aktiv und bis jetzt hab ich immerhin schon 5$ verdient. Das ganze hat mir kaum Arbeit abverlangt, also wunderbar. Ich muss dich übrigens korrigieren: "Wenn man davon ausgeht, dass der durchschnittliche Auftrag aus vier Stories besteht, dann verdienen die Betreiber 4$, von denen sie 50 Cent an den Agent auszahlen" Aus der Liste ist nur ein einziger Eintrag der für den bezahlt wurde. Die anderen sind dafür da, den wahren Auftraggeber zu verschleiern und zufällig gewählt. Der Betreiber kriegt also "nur" 50% der Gelder.

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