Virtuelle Reiseführung gefällig?
Gibt’s in Second Life überhaupt so etwas wie Urlaub? Oder ist der Aufenthalt in der ausgedehntesten virtuellen 3D Kulisse schon per se als Freizeit? Gratistours.com geht die Sache ganz pragmatisch an und nutzt als erster deutscher Anbieter die simulierten Erlebnisqualitäten der virtuellen Welt als smartes Einkaufsinterface für diverse Lang- und Kurzstreckentouren im ersten Leben.
Innovative Marketing-Strategen lieben es, Erlebnisorientierung und die Vermittlung von Mehrwert über neue Medientechnologie zu als neues Paradigma anzupreisen - diese Gedanken dürften all jenen, die schon mal einen Flug über herkömmliche Buchungssysteme reservierten, wie purer Hohn erscheinen. Reisebüros glänzen heutzutage ja tatsächlich nicht mehr primär mit dem Preisvorteil gegenüber der Online-Buchung, sondern im besten Fall mit kompetenter Beratung und persönlicher Ansprache - vor allem letztere lässt sich über Mail und Chat eben nur mangelhaft realisieren. Genau diese persönliche Ansprache will Gratistours seinen Kunden auf der eigenen Second Life Insel bieten. Betreut wird das Grundstück vom Alter Ego der Geschäftsführerin Jasmin Taylor: Avatar Jas Capalani soll jenes One-to-One Vertrauensverhältnis schaffen, das laut Demagogen Demographen gerade die über die Urlaubsdestination primär entscheidende Zielgruppe (Ladies zwischen 25-33) so sehr schätzt, oder, in den Worten von Gratistours.com:
Mit unserem Engagement in Second Life wollen wir dem sonst so techniklastigen Buchungsvorgang im Internet eine persönliche Note verleihen. Viele Kunden sehnen sich danach, auch online von einer vertrauten Person betreut zu werden, die sie bei der Wahl des richtigen Hotels oder Urlaubsortes unterstützt. Mit einer Mischung aus Unterhaltung und Beratung schaffen wir in Second Life ein Vertrauensverhältnis, das so sonst nur in der realen Welt, also dem First Life möglich wäre.
Die Initiative von Gratistours find ich schon deshalb spannend, weil nach dem ersten Hype rund um Second Life und zahlreichen Boulevard-Stories über ganze Kolonien neuer Millionäre, die angeblich ein paar Pixel um etliche Millionen verkauft hätten, eher wieder Katerstimmung eingekehrt ist: immer mehr Unternehmen brechen ihre virtuellen Zelte wieder ab und bemerken, dass ein großer Wolkenkratzer mit einem repräsentativen Logo bloß ein Beitrag zur SL-, aber nicht zur Firmenökonomie ist. Wer in solchen virtuellen Environments erfolgreich sein will, der muss sich daher in erster Linie fragen, ob die Qualitäten der virtuellen für sein Business denn überhaupt Vorteile bringen. Das hat Gratistours.com offensichtlich ausführlich gemacht, denn die Idee, eine Reiseberatung auf eine virtuelle Insel zu verpflanzen, ist ganz einfach stimmig. Im besten Fall wird die virtuelle Unterhaltung zum Kaufanreiz für den realen Ausflug, so nach dem Motto: SL-Strand schön und gut, aber nass wird man eben nur von echtem Meerwasser. Wie ein Urlaub in Second Life in etwa ausschauen könnte, dokumentiert übrigens eindrucksvoll das folgende Video:
Bei Gratistours.com geht’s natürlich nicht darum, nur virtuell zu reisen: aber eine angenehme, themenzentrierte Umgebung fördert eben den Absatz. Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit allerdings wird das virtuelle Reisebüro allerdings nur bestehende SL-Kunden ansprechen können: wer bisher noch keinen Account besitzt, der dürfte sich vermutlich nicht extra einen solchen zulegen - und damit stehen und fallen die Werbemaßnahmen in der virtuellen Welt mit der dort präsenten Community. Ob sich in SL tatsächlich so etwas wie eine rege Einkaufskultur entwickelt, wird die Zukunft zeigen - gut denkbar, dass die die zweiteste aller möglichen Welten sich mittelfristig als dreidimensionale eMall mit Erlebnischarakter etabliert. Denn während beispielsweise eine Buchbestellung in der Regel wenig persönliche Beratung erfordert, bietet Jas Capalini in punkte Auskunftsfreudigkeit und persönliche Beratung unbestreitbare Vorteile gegenüber jedem noch so ausgefeiltem Formular.
Vom Pixel-Strand in den Urlaub: Gratistours.com mit eigener Holiday Insel in Second Life
Tags: Avatar, Chat, Community, Interface, Kultur, Marketing, persönlich, Second Life, video
Kommentare zu "Virtuelle Reiseführung gefällig?":
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Trackbacks und Pings
- datenschmutz.net schrieb am 5. September 2007 um 4:30
Gratistours gibt Klimatipps für den Alltag…
Mit einer umfangreichen Tipps- und Tricks-Sammlung will Gratistours.com seinen KundInnen umweltfreundlicheres Alltagsverhalten angewöhnen.
…… - Urlaub in Second Life schrieb am 25. October 2007 um 4:03
[...] zum Glück gibt es ja auch Leute mit anderer Meinung
Ansich ist das alles ja ganz nett gestalltet. Und wenn sich das am Ende wirklich rentiert, lasst [...]





Eine ziemlich gute Idee bei SL virtuelle Tourismuswerbung zu schalten. Etabliert sich eine neue Verkaufsmethode im Internet? Erinnert mich ein bisschen an ebay Österreich. Dort kannst du per Mausklick neben den üblichen Einkäufen auch für caritative Zwecke spenden. Es scheint tatsächlich eine neue Art der Einkaufskultur anzubrechen.
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Second Life interessiert mich zwar noch immer nicht, aber danke für die Info über Gratistours.com. War gerade auf der Seite, da gibt es ziemlich günstige Angebote, kann ich nur weiterempfehlen.
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