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Affiliate und Arbitrage Marketing: von Tupperware-Parties im Internet

16.08.2007, geschrieben von , 4 Kommentare

Den Traum vom gro­ßen Geld im Netz träu­men zahl­rei­che Neo-Unternehmer. Für man­chen Firmengründer wird er tat­säch­lich wahr, wenn Microsoft, Yahoo oder Google zuschla­gen und sich eine Erfolg ver­spre­chen­des um ein paar Millionen Dollar ein­ver­lei­ben. Andere Seitenbetreiber set­zen lie­ber auf ein alt­be­währ­tes Modell. bedeu­tet nichts ande­res als “Provisionsgeschäft” unter neuen Vorzeichen — in mei­ner Ö1 Netzkulturkolumne habe ich dazu die fol­gen­den Über­le­gun­gen angestellt.

Wenn im Postfach Spam-Mails ein­tru­deln, die weder Viagra anprei­sen noch von neuen Online-Casinos mit sen­sa­tio­nel­len Gewinnraten, dann liegt der the­ma­ti­sche Focus in der Regel auf dem schnel­len Reichwerden. Der Lockruf des quasi von selbst ver­dien­ten Geldes erschallt nicht erst im Online-Zeitalter: doch wäh­rend die übli­chen Schemata in der Regel auf dem Ausnützen der Gutgläubigkeit neuer Kunden basie­ren, haben einige wenige den Goldesel im Internet ent­deckt. Die erfolg­reichs­ten Affiliate-Profis (die übri­gens alle in den woh­nen) freuen sich über Gehälter von bis zu über 100.000 Dollar im Monat — das funk­tio­niert zwar nicht wie von Zauberhand, son­dern erfor­dert lang­jäh­rige Aufbauarbeit. Aber wenn die Geldmaschine erst ein­mal ange­lau­fen ist, dann wer­den die Scheine im Sekundentakt gedruckt. Das Prinzip dahin­ter: den Besuchern der eige­nen Seite the­ma­tisch pas­sende Werbeanzeigen anbie­ten und auf hohe Conversion-Rate hoffen.

Als “Conversion” bezeich­net der Internet-Werber eine Aktion, die einer erfolg­rei­chen Bewerbung folgt. Wenn jemand etwa auf eine Anzeige für einen Haarfön klickt und die­sen anschei­nend im Online-Shop bestellt, dann darf sich der Betreiber der Seite, auf der die Anzeige geschal­ten war, über eine pro­zen­tu­elle Beteiligung freuen. Die so genannte akti­ons­ba­sierte Abrechnungsmethode unter­schei­det sich von übli­chen Online-Werbeformen wie Google Adwords, wo der Werbetreibende pro Mausklick bezahlt: ob die in den Online-Shop gelang­ten Besucher auch tat­säch­lich etwas kau­fen oder nach dem Motto “Ich schau nur!” ohne Bestellung den vir­tu­el­len Laden wie­der ver­las­sen, spielt für die Abrechnung klick­ba­sier­ter Systeme keine Rolle. Eine “Conversion” oder “Action” muss dage­gen nicht unbe­dingt mit einem Kauf ver­bun­den sein, häu­fig wer­den auch Prämien für die Teilnahme an Datensammel-Gewinnspielen oder für jede Registrierung eines neuen Users ausbezahlt.

Diese Form der Abrechnung ist nur im Internet mög­lich: undenk­bar etwa, dass sich der Preis einer ganz­sei­ti­gen Annonce in einer Tageszeitung nach dem am nächs­ten Tag gemes­se­nen Anstieg der Verkaufszahlen rich­tet. Doch im Netz ist der Rückkanal stets mit ein­ge­baut, und die direkte Auswertung berei­tet kei­ner­lei Schwierigkeiten. Zweiter wesent­li­cher Punkt: Affiliate Marketing wird plötz­lich für Otto Normalverbraucher inter­es­sant, weil die Kosten der Medienproduktion fast gegen null gehen: weni­ger als 2 Euro kos­tet der bil­ligste voll­wer­tige Webspace inzwi­schen nur mehr. Wer also eine Webseite mit genü­gend Besuchern (oder ein Netzwerk von Seiten) sein eigen nennt, hat zuneh­mend bes­sere Chancen, mit mehr als nur einen sym­bo­li­schen Betrag zu verdienen.

Marketing

Arbitrage (von lat. Arbitratus = Gutdünken, freie Wahl, freies Ermessen) bezeich­net den Handel, der Preisunterschiede für glei­che Handlungsalternativen (Marktgegenstände) in ver­schie­de­nen Märkten zum Zwecke einer beab­sich­tig­ten risi­ko­ar­men Gewinnerzielung nutzt. Infolge der aus­glei­chen­den Wirkung der Arbitrage pas­sen sich die Preise in ver­schie­de­nen Märkten ein­an­der an, der Vorteil exis­tiert nur zeit­lich begrenzt. (aus Wikipedia)

Jeremy Shoemaker, einer der “Superstars” der Affiliate-Szene, ver­dankt einen beträcht­li­chen Teil sei­nes Vermögens soge­nann­ten Google-Arbitrage Geschäften. Suchmaschinenbetreiber Google schätzt diese Art von Geschäften nicht beson­ders und hat bereits im Vorjahr ange­kün­digt, Gegenmaßnahmen zu set­zen. Das Prinzip ist ein­fach: man kauft “Sponsored Results” zu bestimm­ten Suchbegriffen, die bei Google dann in den Suchergebnissen auf­tau­chen. Diese Anzeigen ver­lin­ken auf soge­nann­ten “Landing Pages”, wel­che meist wenig Inhalte und vor­wie­gend Werbeanzeigen ent­hal­ten. Durch geschickte Auswahl der betref­fen­den Keywords errei­chen Arbitrage Experten ihre Gewinne.

Ein klei­nes Rechenbeispiel macht das Prinzip ver­ständ­lich: wenn der Klick auf das gebuchte Keyword 1 Cent kos­tet, so bezahlt der Affiliate für 100 Besucher 1 Dollar. Die Anzeigen, die auf der Landing Page geschal­ten sind, müs­sen einen wesent­lich höhe­ren Klickpreis, etwa 10 Cent. Klickt nun ein Zehntel der Besucher auf die betref­fen­den Anzeigen, liegt die Conversion-Rate also bei 10%, so ver­bucht der auf sei­nem Habenkonto 10x10 Cent = 1 Dollar. Jede wei­tere Erhöhung der Conversion-Rate bringt Gewinn.

Nicht zuletzt der­ar­tige Mechaniken ver­s­un­si­chern Online-Werber: einer­seits bie­tet Werbung im Netz den oben beschrie­be­nen “ein­ge­bau­ten Rückkanal” an, ande­rer­seits sind die Manipulationsmöglichkeiten viel­fäl­tig. Auf mit­tel­fris­tige Sicht kann man wohl davon aus­ge­hen, dass sich akti­ons­ba­sierte Bezahlmodelle durch­set­zen wol­len: auch Google führt bereits einen Betatest mit aus­ge­wähl­ten Adsense-Usern durch.

Weiterführende Links:
Google Adsense Topverdiener 2005
Blog von Jeremy Shoemaker alias Shoemoney

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