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Affiliate und Arbitrage Marketing: von Tupperware-Parties im Internet

Den Traum vom großen Geld im Netz träumen zahlreiche Neo-Unternehmer. Für manchen Firmengründer wird er tatsächlich wahr, wenn Microsoft, Yahoo oder Google zuschlagen und sich eine Erfolg versprechendes Start-Up um ein paar Millionen Dollar einverleiben. Andere Seitenbetreiber setzen lieber auf ein altbewährtes Modell. Affiliate Marketing bedeutet nichts anderes als „Provisionsgeschäft“ unter neuen Vorzeichen – in meiner Ö1 Netzkulturkolumne habe ich dazu die folgenden Überlegungen angestellt.

Wenn im Postfach Spam-Mails eintrudeln, die weder Viagra anpreisen noch von neuen Online-Casinos mit sensationellen Gewinnraten, dann liegt der thematische Focus in der Regel auf dem schnellen Reichwerden. Der Lockruf des quasi von selbst verdienten Geldes erschallt nicht erst im Online-Zeitalter: doch während die üblichen Schemata in der Regel auf dem Ausnützen der Gutgläubigkeit neuer Kunden basieren, haben einige wenige den Goldesel im Internet entdeckt. Die erfolgreichsten Affiliate-Profis (die übrigens alle in den USA wohnen) freuen sich über Gehälter von bis zu über 100.000 Dollar im Monat – das funktioniert zwar nicht wie von Zauberhand, sondern erfordert langjährige Aufbauarbeit. Aber wenn die Geldmaschine erst einmal angelaufen ist, dann werden die Scheine im Sekundentakt gedruckt. Das Prinzip dahinter: den Besuchern der eigenen Seite thematisch passende Werbeanzeigen anbieten und auf hohe Conversion-Rate hoffen.

Als „Conversion“ bezeichnet der Internet-Werber eine Aktion, die einer erfolgreichen Bewerbung folgt. Wenn jemand etwa auf eine Anzeige für einen Haarfön klickt und diesen anscheinend im Online-Shop bestellt, dann darf sich der Betreiber der Seite, auf der die Anzeige geschalten war, über eine prozentuelle Beteiligung freuen. Die so genannte aktionsbasierte Abrechnungsmethode unterscheidet sich von üblichen Online-Werbeformen wie Google Adwords, wo der Werbetreibende pro Mausklick bezahlt: ob die in den Online-Shop gelangten Besucher auch tatsächlich etwas kaufen oder nach dem Motto „Ich schau nur!“ ohne Bestellung den virtuellen Laden wieder verlassen, spielt für die Abrechnung klickbasierter Systeme keine Rolle. Eine „Conversion“ oder „Action“ muss dagegen nicht unbedingt mit einem Kauf verbunden sein, häufig werden auch Prämien für die Teilnahme an Datensammel-Gewinnspielen oder für jede Registrierung eines neuen Users ausbezahlt.

Diese Form der Abrechnung ist nur im Internet möglich: undenkbar etwa, dass sich der Preis einer ganzseitigen Annonce in einer Tageszeitung nach dem am nächsten Tag gemessenen Anstieg der Verkaufszahlen richtet. Doch im Netz ist der Rückkanal stets mit eingebaut, und die direkte Auswertung bereitet keinerlei Schwierigkeiten. Zweiter wesentlicher Punkt: Affiliate Marketing wird plötzlich für Otto Normalverbraucher interessant, weil die Kosten der Medienproduktion fast gegen null gehen: weniger als 2 Euro kostet der billigste vollwertige Webspace inzwischen nur mehr. Wer also eine Webseite mit genügend Besuchern (oder ein Netzwerk von Seiten) sein eigen nennt, hat zunehmend bessere Chancen, mit Werbung mehr als nur einen symbolischen Betrag zu verdienen.

Arbitrage Marketing

Arbitrage (von lat. Arbitratus = Gutdünken, freie Wahl, freies Ermessen) bezeichnet den Handel, der Preisunterschiede für gleiche Handlungsalternativen (Marktgegenstände) in verschiedenen Märkten zum Zwecke einer beabsichtigten risikoarmen Gewinnerzielung nutzt. Infolge der ausgleichenden Wirkung der Arbitrage passen sich die Preise in verschiedenen Märkten einander an, der Vorteil existiert nur zeitlich begrenzt. (aus Wikipedia)

Jeremy Shoemaker, einer der „Superstars“ der Affiliate-Szene, verdankt einen beträchtlichen Teil seines Vermögens sogenannten Google-Arbitrage Geschäften. Suchmaschinenbetreiber Google schätzt diese Art von Geschäften nicht besonders und hat bereits im Vorjahr angekündigt, Gegenmaßnahmen zu setzen. Das Prinzip ist einfach: man kauft „Sponsored Results“ zu bestimmten Suchbegriffen, die bei Google dann in den Suchergebnissen auftauchen. Diese Anzeigen verlinken auf sogenannten „Landing Pages“, welche meist wenig Inhalte und vorwiegend Werbeanzeigen enthalten. Durch geschickte Auswahl der betreffenden Keywords erreichen Arbitrage Experten ihre Gewinne.

Ein kleines Rechenbeispiel macht das Prinzip verständlich: wenn der Klick auf das gebuchte Keyword 1 Cent kostet, so bezahlt der Affiliate für 100 Besucher 1 Dollar. Die Anzeigen, die auf der Landing Page geschalten sind, müssen einen wesentlich höheren Klickpreis, etwa 10 Cent. Klickt nun ein Zehntel der Besucher auf die betreffenden Anzeigen, liegt die Conversion-Rate also bei 10%, so verbucht der Webmaster auf seinem Habenkonto 10×10 Cent = 1 Dollar. Jede weitere Erhöhung der Conversion-Rate bringt Gewinn.

Nicht zuletzt derartige Mechaniken versunsichern Online-Werber: einerseits bietet Werbung im Netz den oben beschriebenen „eingebauten Rückkanal“ an, andererseits sind die Manipulationsmöglichkeiten vielfältig. Auf mittelfristige Sicht kann man wohl davon ausgehen, dass sich aktionsbasierte Bezahlmodelle durchsetzen wollen: auch Google führt bereits einen Betatest mit ausgewählten Adsense-Usern durch.

Weiterführende Links:
Google Adsense Topverdiener 2005
Blog von Jeremy Shoemaker alias Shoemoney

4 comments
Chris
Chris

sorry, nochmal wegen Tippfehlern. Auf dem Shoemaker Blog gibt´s ein Foto zu sehen wo er einen ca. 130.000 $ Scheck von google Adsense grinsend in die Linse hält. Sein größter Scheck von Google...

xena
xena

Ein wohl kluger und sehr zielstrebiger Mann!

Manuel Siebenstock
Manuel Siebenstock

Tja, dann zieht Jeremy Shoemaker wohl als glorreicher und erfolgreich(st)er Blogger in die Netzgeschichte ein. So ein Hund :wink: