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Die Kolumne #79 (August 2007)

31.08.2007, geschrieben von , 1 Kommentar

Die Kolumne erscheint regel­mä­ßig in the gap.
Diesmal: Einer ver­mie­tete Plakatwerbeflächen außen am Kuckucksnest
“Polizist und Einlauf?” fragte Brigitte lau­ernd und mit jenem sie­ges­si­che­ren wackeln bei­der Brüste, das ihr für immer den Weg zum Pokerprofi ver­sper­ren würde. “Gendarmspülung! Der war nicht mal so schwie­rig, aber du schaust in letz­ter Zeit zwei­fel­los zu häu­fig Ernährungsberatungssendungen auf öster­rei­chi­schen Privatsendern”, machte ich Brigittes Hoffnung auf Sieg nach Punkten schnel­ler zunichte als Paris Hilton jeg­li­che inter­es­san­ten Aspekte der .

“Wenn schon, dann hätte sie sich vor­her wenigs­tens von Pam erklä­ren las­sen, wie man die Handkamera hal­ten muß”, erriet Tantchen wie stets meine Gedanken. “Nein, du hast das eben laut gesagt, ich bin gar nicht tele­pa­thisch begabt — im Gegensatz zu den Moderatorinnen besag­ter Sendungen, die jedem Kunden bereits an der Nasenspitze den Need for Einlauf ansehen.”

In punkto Grundprobleme der west­li­chen des 21. Jahrhunderts hat­ten wir beide erheb­li­che Differenzen, aber was die Gesundheitspolitik für das 3. Jahrtausend betraf, waren Brigitte und ich uns einig wie… wie einige andere eben auch: Der Darm war nicht der Sitz der Gesundheit — die Gesundheit hatte viel­leicht ein Wochenendehaus mit frei­ste­hen­der Sauna irgendwo dort zwi­schen zwei gemüt­li­chen Windungen, aber die wah­ren Herausforderungen lagen und lie­gen wei­ter oben und unten. Wie Sie bereits ver­mu­ten: eine zuneh­mende Sexualisierung der Massenmedien erfüllte uns als geleh­rige –Schüler (natür­lich nicht Sigmund, son­dern .com: Communications, Strategic mar­ke­ting and com­mu­ni­ca­ti­ons con­sul­tancy for con­su­mer brands, public sec­tor bodies and glo­bal cor­po­ra­ti­ons) mit naher Zukunftsangst und mit­tel­fris­ti­gem Schrecken: denn was-auch-immer von den gie­ri­gen Medien ein­ge­so­gen wird, ver­schwin­det bekannt­lich unwi­der­her­rett­bar aus der rea­len Welt.

Serviceorientierung und Do-it-Yourself bil­den syn­er­ge­tisch einen neuen Gigatrend”, hub Brigitte an, “und somit wird Self-Servicing für immer den bil­li­gen Beigeschmack der Onanie ver­lie­ren, die in der Bibel bedau­er­li­cher­weise so sehr dis­kre­di­tiert wurde.”

Ich sollte an die­ser Stelle ein­fü­gen: Brigitte war damals mit am Boot. Nicht im Hotelzimmer, aber am Boot. Und Pams Porno wurde mit zwei Handkameras gedreht, aber daß Brigittes Gerät am Ende ins Wasser fiel, war zumin­dest indi­rekt die Schuld von Tommy. “Man wird als Pussy Make-up Artist zu irgend­ei­ner Gonzo-Produktion bestellt, ein Job wie jeder andere, dachte ich. Aber zieh du mal einen gera­den Strich mit einem Schamlippenstift auf einem schau­keln­den, win­zi­gen Motorboot bei wil­dem Seegang! Du weißt ja, wie das ist bei den klei­ne­ren Produktionen: da muß ein­fach jedeR alles machen.”

Diese Situation kannte ich indes aus den frü­hen Jahren bei zur Genüge — immer­hin prägte Hunter S. Thompson den Begriff “Gonzo-Journalismus” zwei Tage nach sei­nem 3wöchigen Volontariat anno 1969, als die dama­lige Flower-Power Chefredaktion um ein Haar ihr Kleidungsverbot inner­halb der Redaktionsräume durch­ge­setzt hätte. Daß dar­aus in letz­ter Sekunde ein Hawai-Hemden Verbot wurde, erklärt im Nachhinein den spon­ta­nen Richtungswechsel vom Kontakt– zum Popkulturmagazin. Kaum zu glau­ben, daß sei­ner­zeit ÖKM (Öster­rei­chi­sches KulturMagazin) als Projekttitel mehr als nur im Gespräch war — und hät­ten unsere dama­li­gen Remington-Import Schreibmaschinen über Umlaute ver­fügt, so hiel­ten Sie, ver­ehr­ter Leserin, nun kei­nes­falls ein in den Händen.

Keine ähnli­chen Beiträge.


Bisher haben meine Lieblingsleser 1 Kommentar zu "Die Kolumne #79 (August 2007)" geschrieben.

Wie ist Ihre Meinung?
  • Manuel Siebenstock Identicon Icon
    Manuel Siebenstock sagte am 1. September 2007 um 18:00

    Bin beim Lesen dei­ner Kolumne wie­der mal lachend weg­ge­bro­chen –beim Schamlippenstift bin ich dann end­gül­tig am Boden gelegen. :mrgreen:

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